Das Bild ist bunt

 

Wenn es Neues gibt, muss man Anpassungen leisten. Und manchmal passt es eben nicht so ganz. Alltägliche Ereignisse, instinktive Triebe und jede Überlast, mit stressigem Durchhalten und ängstlicher Vermeidung verknüpft, beschäftigen unser Abwehrverhalten. Lautlos, aber mit beiden Armen des vegetativen Nervensytems gut vernetzt, versucht der gesamte Organismus ständig, Störungen im Fliessgleichgewicht der Funktionen durch gegenläufige Reaktionen bestmöglich auszugleichen. Oft entsteht ein spürbarer Bewegungsverlust als Ausdruck vergeblicher Bemühungen. Wirbelblockaden, Gelenksteife, Muskelstarre und Gewebebarrieren, die sich in Ruhe einfach nicht gut anfühlen, sind unzertrennlich mit reizvollen Lebensgeschichten verbunden. Davon gibt es so viele, wie es Augenblicke gibt.

Gefangen in unserer zentralen Fähigkeit zu Erregung  und Hemmung, führt das Muskelskelett gern ein sinnloses Eigenleben. Dem gesamten Muskel-Faszien-Knochen-Gerüst werden wichtige Aufgaben, sowohl für die motorische Bewegung im Raum, als auch für die vorsorglich sichernde Schonstellung nach Schadreizen zugeschrieben. Viele Gelenke sind tatsächlich nicht mehr so frei beweglich wie zuvor, aber noch völlig intakt. Nur durch falsche Vorstellung, verstörte Muskeln, verzerrte Hüllen, feine Entzündungen, saures Milieu und gedrosselte Blutzufuhr asymmetrisch verzogen, knöchern verformt, vielschichtig verklebt und letztlich fibrös versteift bleiben.
Der gemeine Gewebeschmerz, diese wiederholt aus dem Nichts auftauchende Nervensäge, zieht gern um und tut nur so, als ob ein Nerv, ein Gelenk oder ein Organ geschädigt sei. Der Spannungsstau zeigt sein Schmerzgesicht morgens anders als abends, mal als Ursache, mal als Folge, im Liegen mehr als beim Laufen, im Stehen weniger als im Sitzen und im Training anders als in Trance. Man kann nicht wissen, wo es zwischendurch war. Die schlechte örtliche Bestimmung, die starke Tendenz zur Übertragung und das reissende, krampfende oder drückende Temperament ist in Ruhe oft schwer zu ertragen.

Eigentlich ist Schmerz ein Signal und damit eine Wirkung schlechthin. Die im tiefen Gewebe durch feine Nervenenden vermittelten Spannungsstörungen werden umso schlimmer erlebt, je mehr wir uns hemmungslos darüber erregen. Schon deshalb reichen einfache Ursache-Wirkung-Überlegungen nicht aus, den typischen, dumpf bohrenden oder hell stechenden myofascialen Gewebeschmerz zu erklären. Einerseits ist der Reizverkehr im Netzwerk der Nerven ein physikalischer Vorgang, der objektiv messbar ist. Andererseits ein subjektiver Beweggrund, denn niemand anders als man selbst weiss, wie es ist, dauernd ein stechendes Ziehen im Rücken zu spüren. Gefühle sind zweifellos Tatsachen die uns bewegen. Wir gehen nämlich zum Arzt, weil uns unangenehm zumute ist und nicht, weil uns ein materiell-energetischer Reiz auf die Nerven geht.

Dort kann man sich drehen und wenden wie man will: bei mehr als  80 % der Beschwerden am Muskelskelett finden sich einfach keine erkennbaren Auslöser. Obwohl wir mit dem heute jederzeit verfügbaren Arsenal medizinischer Geräte kaum noch jemanden finden, der völlig gesund ist.
Die einzigen Marker die ein wenig Evidenz zeigen, sind das Schmerzverhalten und die Gewebekonsistenz.  Wenn das  Schmerzgefühl auf sanften Druck oder leisen Zug im Gewebe sich erst verschlimmert und dann abnimmt, sind weder Nerven defekt, noch Immunzellen entgleist und auch keine Kindheitstraumen erwacht, sondern feine Schmerzfühler lebendig. Der schwer zu vermittelnde myofasciale Gewebeschmerz umfasst eine direkte physiologische Reaktion auf tatsächliche oder vermeintliche Gewebeverletzungen, das Rollenspiel des vegetativen Nervensystems bei der Erregung und Hemmung des Muskeltonus, die Wirkungen von alltäglichem Dauerstress und Schutzmechanismen auf die Gewebespannung, sowie die Entwicklung von chronischer Entzündung der bindegewebigen Hüllen bis hin zu den knöchernen Gelenken. 

 

Viele Befunde muss man nicht ändern, sondern nur mit anderen Augen sehen. Nach herrschender Auffassung folgen orthopädische Beschwerden gern dem mechanischen Körperbild von einem Bewegungsapparat, dessen Gelenke nach Kräften von Muskeln geführt werden. Welche jedoch, neben altersbedingter Abnutzung, im modernen Lebensstil mit mangelhaften oder monotonen Bewegungen ziemlich schwach oder überlastet seien. Tatsächlich arbeiten Muskeln zum Teil langsam,  logisch, bewusst, synchron, konzentriert, konzertiert, rückkoppelnd und berechnend, wenn man will und nicht gerade schläft, erschöpft, verwirrt oder verzogen ist.
Denn schnell  verkörpert sich mancher Schrecken im Muskelskelett, selbsttätig, reflexartig, unwillkürlich, unbewusst, unbeachtet und eben nicht kooperativ. Dann sind Muskeln nicht schwach, sondern verstört: ziemlich erregt und gehemmt zugleich.
Natürlich zieht in einer schwachen Phase jeder Fehltritt, jede ungeschickte Verrenkung, zuviel Druck und ständiger Zug ein Gelenk zunächst aus seiner Position, aber auch zahlreiche Stressoren, diverse Immunantworten, entgleiste Hormone, verdeckte Entzündungen, feinste Partikel, fremde Eindringlinge, linke Bazillen, olle Kamellen, steile Zähne, geronnene Geschichten, ewige Sorgen, heiße Luft oder Irrtum von oben, bzw. Schwierigkeiten mit der Spannung darüber schmerzfrei umzugehen, können verwirren und reflexartige Schutzreaktionen im Muskelskelett in Gang setzen. Aber auch chronisch unterhalten, übernormal verstärken, in entfernte Zonen verbreiten und einen Flächenbrand im Bindegewebe entfachen. 
Damit dient das Muskelskelett nicht als Basis, sondern trägt alles, was wir unterwegs am eigenen Leibe erleben, vernetzt mit sich herum. Jede reizende Erfahrung verpasst uns mit der Zeit die Form.

 

Mit hoher Wahrscheinlichkeit stimmt das künstlich zusammengesetzte Modell eines durch Verschleiß geschädigten und mangelhaft gestützt, gedämpft und geführten Bewegungsapparates nicht. Weder die unzähligen Schadreize durch mechanisch, thermisch oder chemisch erregte feine Nervenenden, noch die daraus entstehenden ödematösen oder rigiden Entzündungen der bindegewebigen Hüllen werden von den künstlichen Magnetspulen, Impulsrechnern und Graphikkarten hinreichend lebensnah erfasst.

Wer trotzdem annimmt, das sonst so erfolgreiche mechanistische Atom-Bild des " in Stücke schneiden der Welt der Körper " erkläre den gemeinen Rückenschmerz, irrt, weil er irren will. Denn das, was man sieht, ist kein Vorfall oder Verschleiss. Es ist nur das reglose Bild, das man davon hat.  Einmal bestätigt, fällt es schwer, aus der Opferrolle moderner bildgebender Technologien wieder herauszukommen.

 

Das ungenehme Gefühl Schmerz  sorgt dafür, etwas zu tun was notwendig ist. Gleichgültig ob Ursache oder Folge, ob durch einen tatsächlichen Defekt eines Organs oder durch mechanische, entzündliche oder thermische Gewebereizung ausgelöst. Das was man tun kann oder geschehen lassen muss, ist verbunden mit der Frage, woher denn Rückenschmerzen kommen: von der Bandscheibe, von der Arthrose, von der Stenose, von der Matratze, von den Genen, vom Tragen, vom Sitzen, vom Gewicht, vom Druck auf Nerven, vom Druck vom Chef, vom Stress, von freier Energie, vom Schreck, von Hormonen, von Hemmungen, von Wirbelblockaden, von schwachen Muskeln, von zähen Faszien, von gereizten Bändern, von steriler Entzündung, von fremden Erregern, vom Entzündungsaltern, vom Sauerstoffmangel, vom sauren Gewebe, vom Wetter?  Von allein?  Von wegen, .. von nichts kann nichts kommen.

Wir sind gut geübt darin, Muster  in Ursache-Wirkung-Beziehungen zu erkennen. Allerdings nur, wenn eine  Ursache zeitnah eine Wirkung erzielt. Schon dann, wenn es sich um zeitverzögerte Wirkungen handelt, entdecken wir die Ursache schlecht. Werden mehr als drei Ursachen nötig, um eine Wirkung zu entfalten, können wir diese kaum erfassen. Je mehr Ereignisse zusammentreffen müssen, damit etwas anderes geschieht, desto schwerer wird es für uns, die Ursachen festzulegen.
Der Grund ist angewandte Statistik: wenn wir wie oben 25 Gründe für den Rückenschmerz haben, dann gibt es auch 25 Möglichkeiten, dass genau einer davon der Auslöser ist. Wenn aber erst das Zusammentreffen von zwei Gründen sich zu dem besonders morgens einsetzenden stechenden Schmerz auswirkt, dann gibt es schon 300 verschiedene Paarungen, die man untersuchen müsste. 
Spannungsschmerz im Gewebe ist schwer zu verstehen, denn wir sind greifbare Ursachen gewohnt, möchten Lösungen haben und nicht Teil des Problems sein. Das Denken in Wahrscheinlichkeiten ist uns leider nicht in die Wiege gelegt.

In aller Welt lernen nun die Schüler, dass Informationen  als oberste Instanz die medizinische Biologie koordinieren. Die beste Art, gesund und ähnlich wie gestern durch den Alltag zu kommen, besteht darin, die Informationen über die Umwelt zu sammeln, zu speichern und zu übermitteln. Der Organismus srellt ständig Fragen an seine Umgebung, un darauf passende Antworten zu finden. Diese Aufgaben übernehmen Sinnesorgane, Immunsystem, Gen-Codes, Nervensysteme und Gehirnareale. Jede feine Änderung des inneren oder äusseren Milieus gilt bereits als Stimulus, wenn diese irgendeine sinnliche Reizantwort hervorruft. 
Eine biologische Reizquelle liegt im Organismus selbst, dessen Signalwege das unterschwellige Gemurmel der materiell-energetischen Aktivität nicht einzeln fassen können. Erst bei Summation von mechanischen, chemischen oder thermischen Signalen merken wir den Ort der übermittelten Sensationen.
Andere Reizquellen sind in der Welt zerstreut und unsere Hirnzellen verwandeln unzufriedene Suche, ängstliches Versagen, zornige Wut, Panik vor Verlust und Schwierigkeiten, mit den Abwehrmechanismen störungsfrei umzugehen, in beziehungsreiche Information. In jeden dieser Gemütszustände werden Reizsignale auf stärkere oder schwächere Weise binär übermittelt. 
Die dritte Reizquelle ist eher sozial-kultureller Natur und man ist gemeinsam durch unsere Horde da draußen miterregt. Das laute Leben unter Vielen und die moderne Unruhe überfrachtet womöglich die leise Arbeit der Zellen hier, jetzt und drinnen. Man merkt das Taumeln nicht und kaum jemand, der mitempört dabei ist, ahnt die Überlast. Aber nichts beschäftigt uns mehr als der, mit dem wir es gerade zu tun haben.

Sogar für Fachleute die ihr Handwerk fachübergreifend verstehen, ist es schwierig, den motorisch-sensorischen Bewegungskonflikt von vegetativ-reflektorischen Schutzmechanismen zu trennen. Sowohl Steuerung als auch Regulierung von Gelenken erfolgt über Muskelaktivitäten, wobei einerseits Muskeln eine bestimmte Bewegung verursachen ( Agonisten ), während andere Muskeln dieser Bewegung entgegenwirken (Antagonisten ). Verschiedene Mechanismen auf der Ebene der Rückenmarks ( segmental ), des Gehirns ( supraspinal ) und im Muskelskelett selbst ( peripher ) arbeiten zusammen, um sowohl präzise, als auch schützende Bewegungen des ganzen Körpers zu gewährleisten, selbsttätig angepasst an die spezifischen Anforderungen der Situation.

Das Wechselspiel zwischen agonistisch und antagonistisch  wirkenden Muskeln wird von drei Mechanismen betrieben:
Die schon lange bekannte Reziproke Inhibition  erleichtert jede Bewegung, indem der Gegenspieler, der antagonistische innervierte Muskel, fast gleichzeitig gehemmt wird, damit sich der agonistisch wirkende Muskel effizient anspannen kann, ohne von der gleichzeitigen Aktivität des Antagonisten behindert zu werden. Bei der Beugung des Armes wird beispielsweise der Bizeps ( Agonist ) aktiviert, während der Trizeps ( Antagonist ) durch die reziproke Hemmung gebremst wird, was eine reibungslose Beugung ermöglicht.
Die Verschaltung findet vornehmlich auf Ebene des Rückenmarks statt, um dort Motoneuronen zu bedienen, welche Signale sowohl aus dem Segment, als auch von oben aus den motorischen Netzwerken des Gehirns ( sensomotorischer Cortex ) empfangen und direkt an die Muskelzellen weiterleiten. Auf ungleiche Weise wird in diesem Mechanismus ein Streck-Muskel gehemmt, damit sein Gegenspieler beugen kann.

Dagegen sind bei der sogenannten Ko-Kontraktion  in gleicher Weise beide Gelenkpartner aktiv. Der Begriff Kokontraktion bezeichnet die Anspannung ( Kontraktion ) sowohl vom Agonist, als auch vom Antagonisten. Diese gleichzeitige Aktivierung sorgt für eine erhöhte Kontrolle und Stabilität, um das Gelenk bei Balance-Aktionen zu stabilisieren und vorsorglich vor Verletzungen zu schützen. Bei vielseitigen Bewegungen oder stabilisierenden Übungen spielt das Gehirn mit sensomotorischen Cortex und die Koordination im Kleinhirn eine Schlüsselrolle: dort werden zwar keine einzelnen Muskeln gesteuert, sondern Rückmeldungen verarbeitet und motorische Signale angepasst, um eine möglichst genaue Bewegung zu gewährleisten.

Bei Schutzmustern, wie dem Muskelzucken, dem Beugereflex, Überdehnungsreflex, Schutzspannungen oder Fehlsteuerung der Eigenwahrnehmung ( Propriozeption ),  welche nicht willkürlich ausgelöst werden können, sondern auf Schadreize reagieren, wird typischerweise eine schnelle Muskelspannung ausgelöst, um die betroffenen Wirbel oder Gelenke aus der Gefahrenzone zu holen und umgehend die Heilungsmechanismen über die Blutbahnen zu starten.
In akuten Situationen erfolgt zuvor oft eine übergeordnete Reaktion auf Schmerzreize über absteigende Bahnen aus den Hirnregionen, was zu einer absteigenden Schmerzhemmung  führt, welche die Signale aus den verletzten Geweben auf Rückenmarksebene völlig blockieren und damit Schmerzfreiheit bewirken kann, aber auch kurzfristig Lähmungserscheinungen bringt.
Meistens haben wir es jedoch mit einer länger anhaltenden segmentalen Hemmung  zu tun, die über eingehende Fasern ausgelöst wird, welche zu den gleichen Nervenzellen im Rückenmark ziehen, die auch von den Schmerzfühlern in demselben Gebiet der Körperperipherie erregt werden (Nocizeption ).
Bei Knieschäden beobachtet man eine typische Abschwächung des inneren Kniestreckers bei gleichzeitigem Übertonus des äusseren Gegenspielers für das Kniescheibenspiel, wobei die Beugeketten von der Wirbelsäule bis Beckenring übererregt und die Streckmuskeln entsprechend gehemmt sind. Ein tastbares Erscheinungsbild, als ob es sich um einen fortgesetzten und übertragenen Beugereflex handele. Diese Reaktion ähnelt eher dem Prinzip der reziproken Innervation und nicht dem der Ko-Kontraktion. In der Wirkung wäre die Kokontraktion sogar kontraproduktiv, weil die Bewegungsfreiheit bei gleichzeitiger Anspannung noch weiter eingeschränkt würde.

Alletdings ist ein Zurückziehen der Gliedmassen nicht sinnvoll, wenn die schmerzauslösenden Reize nicht aus verletzten Haut, sondern aus den tiefen muskuloskeletalen Geweben selbst kommen. Denn der geschädigte Muskel soll ruhig gestellt und nicht noch mehr angespannt und verzogen werden. Der Signalkreis erfordert entweder eine vermehrte Ausschüttung von erregenden ( Glutamat; Aspartat ), beziehungsweise hemmenden Botenstoffen (Gammaaminobuttersäure, Acetylcholin ) in den Nervenzellen auf den Schaltebenen des Hirnstamms oder des Rückenmarks zwischen einlaufenden Schmerzreizen im Hinterhorn ( Interneuron ) und der ausgehenden letzten Nervenschaltung im Vorderhorn desselben Wirbelsegments ( alpha-Motoneuron ).
Da zwar nicht die Abwesenheit von Kraft, sondern die Anwesenheit von Schwäche und der Bewegungsverlust fühlbar ist, wobei die Muskelmessung noch aktive Signale zeigt, während die Aktivität von agonistisch und antagonistisch tätigen Muskeln nicht mehr klar trennbar ist, gehen die Physiologen zur Zeit davon aus, dass bei einem akuten  Geschehen eine Ko-Kontraktion zur Stabilisierung und Vermeidung weiterer Schädigung vorliegt.
Bei chronischen Schmerzverhalten indes, und den damit einhergehenden dauerhaften Funktionsstörungen mit Asymmetrie, Bewegungseinschränkung und steifem, womöglich entzündlichem Gewebe, wären bei jeder Bewegung wiederum die Agonisten gehemmt und die Antagonisten aktiviert. Als ob diese Schutzspannung selbst zu weiteren Dysfunktionen führe, wenn die Muskeln überreagieren und die eigenen Schutzmuster, gleichgültig ob in Kokontraktion erstarrt oder in reziproker Hemmung erregt, nun als Schadquellen fehlfunktionieren. Für den Stress, den der Körper mit seinem Inhaber hat, fehlen noch die Worte.

 

 

Unsere Muskeln bewegen bei Kontraktionen nicht nur die Knochen, sondern auch die tiefen Faszien. Die spezifischen Krankheiten der Nerven, Muskeln, Gefässe, Sehnen oder Gelenke und ihre Symptome sind den Fachleuten natürlich bestens bekannt, aber die Rolle ihrer gitterartig vernetzten Hüllen  weniger. Deshalb werden Beschwerden am Muskelskelett ohne erkennbare Schäden oder Ursachen oft als " unspezifisch " tituliert. Das ist nicht gut, denn dadurch werden Krankheiten, die durch Kontraktion der Muskeln, feingeweblich sterile Entzündung und faserige Steifigkeit  entstanden sind, nur unzureichend beachtet, obwohl die Störungen durchaus spezifizierbar sind. Faszien bieten pausenlos mechanische Unterstützung und Schutz für Muskeln, Organe und andere Gewebe und helfen in jeder Sekunde, die Form und Struktur des Körpers zu erhalten. Diese weitgehend unbemerkten Gebilde sind Teil des Bindegewebes, liegen einerseits wie ein Neoprenanzug oberflächlich unter der Haut, bilden andererseits spannende Brücken zwischen den Gelenken und verbinden Muskeln und Organe durch feine Gitternetze. Ihr Stellungsspiel ist noch ungeklärt, aber übersät von feinen Nervenenden kommt der Mensch als aufrecht gehendes Spannungsgerüst daher. Feinste Sensoren von Nervenenden im Gitternetz helfen bei der Verteilung von Bewegungen, Belastungen, Haltungen und Spannungen des Muskelskelett zum Gleichgewicht in Zeit und Raum. Die Feinabstimmung der Signale werden hinten vom Kleinhirn und die Bewegungsplanung ganz oben vom sensorischen Cortex  erledigt, welche untereinander in Rückkopplungsschleifen verbunden sind.

Leute von heute betrachten im Praxisalltag ein gereiztes Gelenk deshalb schon längst nicht mehr isoliert, sondern als Teil einer komplexen Nerven-Gefäß-Muskel-Faszien-Band-Kapsel-Organ-Funktion. Schon die normale Kraftübertragung passiert nicht nur über Muskeln und deren Bänder an das Gelenk, sondern auch lückenlos zwischen bindegewebigen Segmenten sowie quer zu gegenläufig arbeitenden Muskelsträngen. Muskeln können sich gegeneinander bewegen, weil ihre bindegewebigen Hüllen ihre Form festlegen und Gleitschichten bilden. Jeder Spannungsstau und jede feingewebliche Entzündung greift gern auf benachbarte Felder über, verstärkt sich in Bändern, Sehnen und Gelenkkapseln, löst bei Schritt und Tritt schädlichen Druck und Zug aus, was wiederum die Schmerzchemie unangenehm aktiviert und von Kopf bis Fuß fühlbar durchsickert ( Perkolation ), je nachdem welcher Zellverband im Heilungsprozess noch durchlässig oder schon wieder undurchlässig ist.

Eine neurogene Entzündung  kann als Versuch des Organismus angesehen werden, einen Heilprozess zu starten. Bei einer Verletzung oder schädigendem Reiz durch vermehrten Druck und Zug durch anhaltende und chronisch Gewebeanspannung ( myofasciale Dysfunktion ) werden die feinen Nervenenden aktiviert und setzen schmerzwirksame Substanzen frei ( Substanz P, CGRP, H+Ionen, und andere). Diese sog. Neuropeptide bewirken eine Durchlässigkeit der Blutgefäße ( Permeabilität ), was zu Mehrdurchblutung im betroffenen Bereich mit Sauerstoff und Nährstoffen sorgt. Für Immunzellen ( Makrophagen; Granulozyten ) und entzündungsförderne Schmerzchemie ( Histamine, Zytokine und Wachstumsfaktoren ) haben ebenfalls den Weg frei, um aus dem Blut zu dem verletzten Gewebe zu gelangen. Diese Substanzen initiieren eine Entzündungsreaktion, die als erste Phase der Heilung erfasst werden kann. Schadstoffe und defekte Zellen werden von abtransportiert und die freigesetzten Wachstumsfaktoren ( Tgf alpha u. beta)  und Zytokine ( Prostaglandine ) stimulieren die Einwanderung von Zellen, welche für die Gewebereparatur notwendig, wie zum Beispiel Fibroblasten oder Myofibrozyten, die Kollagen produzieren und neues Bindegewebe bilden oder umbilden. Eine kontrollierte, zeitlich begrenzte und ausbalancierte Entzündungsreaktion ist entscheidend für eine effektive Heilung. Wenn diese erstmals gutgemeine, feine und sterile Entzündung jedoch unkontrolliert und chronisch wird ( neurogene Inflammation ), kann sie zu anhaltenden Schmerzen und Gewebereizung führen, was wiederum dysfunktionelle Störungen an den Geweben der Gelenke bewirkt. Weitert sich diese Entzündung aus dem peripheren Muskelskelett bis zu den versorgenden Zellen im Rückenmark aus, spricht man schon von neurogener Neuroinflammation.

 

Für die Bewegungsfreiheit der Rückenwirbel und Gelenke kommen drei Barrieren ins Spiel:
Die anatomische Barriere  ist ein Widerstand, bis zu dem ein Gelenk passiv  gedreht werden kann. Zum Beispiel kann der Arzt mit etwas Mühe den Kopf nach jeder Seite um 90 ° rotieren. Bis hin zu den Füllejahren sind meist alle Bewegungsrichtungen frei möglich. Weniger Rotation weist auf strukturelle Schäden oder funktionelle Störungen hin. Drehversuche darüber hinaus lösen Reaktionen von Bändern, Kapseln oder Knochen aus.
Die strukturelle Barriere  ist der Widerstand, bis zu dem man altersentsprechend selbst aktiv  sein Gelenk bewegen kann. Zum Beispiel kann jeder seinen Kopf selbst mühelos um 80° nach rechts und links rotieren. Nach altersbedingten, degenerativen Veränderungen oder verletzten Segmenten gelingt diese Rotation entsprechend weniger. Das verminderte Gelenkspiel hat keine freie Richtung und ist nicht mehr zu erweitern ( irreversibel ). Gelenkentzündung findet innerhalb der Gelenkkapsel statt und der Reizzustand ist abhängig vom Immunverhalten. Der Schmerz ist örtlich provozierbar und begrenzt.
Die funktionelle Barriere  ist derjenige Widerstand, der noch vor der strukturellen Barriere reflexartig auftritt und die freie Bewegung nach einer Seite behindert. Zum Beispiel mag jemand die vollständige Drehung des Nackens nach rechts mühelos erreichen. Manchmal ist es nur möglich, den Kopf nur bis 60 ° nach links zu drehen, weil die Rotation auf eine krankhafte Schonfunktion links trifft. Das Gelenkspiel ist zwar ebenfalls eingeschränkt, aber noch in mindestens einer Richtung frei. Diese dysfunktionelle Störung kann Ursache ( vom Gelenkschaden ausgehend ) oder Folge  ( Gewebestörung zum Gelenk hin ) sein. Die Asymmetrie, der Bewegungsverlust und die Gewebekonsistent  ist selbsttätig nach einer schmerzhaften Episode oder mit Behandlung auflösbar ( reversibel ), neigt jedoch zu Chronifizierung, membranöser Entzündung und fibröser Verhärtung. Der Schmerzzustand ist lokal meist an den Sehnenansätzen, oft ausstrahlend und vom vegetativen Nervensystem beeinflusst. Deren spürbare Auslöser sind verzogene Wirbelsegmente und ihre folgenreiche Verkettung bis in entferntere Regionen.
 

 

 

Es ist Brauchtum der Funktionäre, Leitlinien zu erfinden. Funktionsstörungen als diagnostisch krankhaft und symptomatisch klar abgrenzbare Einheit ( Entität ) zu erklären, ist nicht einfach, aber funktionell sind Störungen immer dann, wenn sie räumlich nicht  Ausdruck einer Schädigung von Gelenken, Segmenten, Organen, Muskeln oder Nerven, aber zeitlich schon  auf dem Weg dahin sind.
Der Begriff „ myofasciale Dysfunktion „ wurde von den Fachgesellschaften, welche sich mit den Beschwerden am Muskelskelett befassen ( Neurologen, Chirurgen, Orthopäden, Rheumatologen, Psychologen ), vor einigen Jahren in den Leitlinien zur Behandlung spezifischer  sowie unspezifischer  Beschwerden an der Wirbelsäule eingeführt (www.register.awmf.org ), nachdem dort schon strukturelle Defekte, wie neurologische Nervenschäden, degenerative Gelenkschäden, verengende Wirbelsegment-Schäden, rheumatische Immunschäden und angeborene Fehlstellungen mit den jeweiligen Therapieoptionen rezeptiert wurden.
Und nachdem die amerikanische osteopathische Medizin die schmerzhaften Funktionsstörungen am Muskelskelett  bereits traditionell als „somatische Dysfunktion“ bezeichnet hatten, wenn kein Schaden erkennbar, aber das Gewebe fühlbar empfindlich, asymmetrisch verzogen, restrikt und entzündlich verändert erschien. 
Und es auch hierzulande langsam dämmerte, dass die bindegewebigen Hüllen der Muskeln und Organe kein träges Gewebe, sondern das körpereigene Fasziennetz  wahrscheinlich unser reichhaltigstes Sinnesorgan mit mehreren hundert Millionen feinster Nervenenden ist. Und spürbar mit dem vegetativen Nervensystem  und dessen Regulation des Blutstroms sowie mit dem Immunsystem  und dessen Dosierung von Entzündungsreaktionen, im permanenen Austausch von Informationen  über den Zustand des Milieus steht.
Und weil die Idee, dass nicht nur das Gehirn, sondern auch der gesamte Organismus sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit umformen, im Einklang steht mit dem Konzept der Homöostase  und der Plastizität. Womit unser Vermögen, das innere Gleichgewicht trotz wechselnder äusserer Bedingungen aufrecht zu erhalten sowie die Fähigkeit, aus Erfahrung zu lernen und Muster zu speichern, gemeint ist.
Das tiefe Verständnis der nervös bedingten Gewebeentzündung, der Zellregeneration  und der hormonellen Regulation  hat die Diagnose und Therapie von muskuloskelettalen Beschwerden enorm verändert. Auch der Prozess der Anpassung  an äussere Reize und Umweltbedingungen ist akzeptiert und als eine komplexe Funktion zu verstehen, die ihre Einheit ( Entität ) mit seiner Umwelt verändert.
Aus dieser Einsicht findet alles, was Menschen sonst noch so in ihrer Einheit aus Nervenkostüm, Hormonorchester und Immunabwehr mit Selbstbewusstsein betreiben, seine Ausdrucksform im Muskelskelett. Dort, wo der Zufall stark wirkt und entzündliche Gewebestörungen erscheinen, die von Abwehrmechanismen in Gang gesetzt und durch autonome Nerven unterhalten werden. Man muss sich von sich so einiges von sich gefallen lassen..

 

Im Schlaf merkt man nichts. Kaum ist man wach und fragt die Nachbarn nach ihrer Gesundheit, nehmen die sich Zeit, blicken nachdenklich zurück oder vorsorglich zum Himmel. Denn Gesundheit merkt man erst, wenn sie fehlt.
Von hundert Leuten dagegen, die man einvernehmlich mit der Spritze piekst, geben hundert sofort an: " das tut weh ".
Folglich ist das Gefühl dem Bewusstsein längst bekannt. Wir gehen nämlich zum Arzt, weil uns unangenehm zumute ist und nicht, weil uns ein materiell-energetischer Reiz auf die Nerven geht. Nur die Bewertung bleibt unscharf: was für manche bereits unerträglich ist, nehmen andere aushaltbar so hin.

Dagegen sind in der hirnorganischen Grundlagenforschung die biologischen Pfade der Sinnesempfindungen bereits hinreichend geklärt. Bekanntlich empfindet der Mensch keine Organe, Gewebe, Zellen, Moleküle, Atome  oder deren elektromagnetische Schwingungen und Massen, sondern nur Töne, Gerüche, Farben, Geschmack sowie Berührung, Druck und Schmerz. Da diese Sinneserfahrungen in der physikalischen Welt gar nicht vorkommen, braucht es biologische Reiz-Verarbeitungs-Systeme, die jede Art von Signalaktivität peripher erfassen und das Ergebnis nach zentral zur Bewertung transportieren. Der Ablauf der Empfindungsbildung benötigt physikalische Reize aus der Umwelt oder dem Körper selbst, welche als elektromagnetische Welle, mechanischer Druck oder chemische Substanz einwirken. Trifft solcher Reiz auf Sinneszellen mit Rezeptoren , die genau auf diesen Reiz spezialisiert sind, passiert eine Umwandlung von Druck, Zug, Schall, Licht, Kälte, Hitze oder Chemie in ein elektrisches Entladungsmuster ( Transduktion ). Den nächsten Schritt nennt man Transformation, wobei das Potential der Sensationen an andere Nervenzellen gleicher Baureihe überführt wird. Auf weiteren Stationen in der Einfahrt zum Gehirn findet die Vorverarbeitung über breit aufgestellte Nervenzellen ( Interneurone ) statt. Im Rückenmark werden die aus weiteren Organgeweben einlaufenden Signale gefiltert, konvergiert, integriert, summiert und je nach Bedarf, Laune und Kontrast verstärkt oder rückkoppelnd gehemmt. Aufsteigend und erst nach den Passagen durch das Stammhirn und Rundreise durch die Unterwelt der lymbischen Areale, die zuständig sind für die ewige Suche nach Befriedigung von Lust oder Unlust, für die Panik vor Verlust, für die Angst vor Bedrohung und eigenem Versagen, für die ärgerliche Wut, den roten Zorn und weiteren furchtbaren Mustern, wird die Endverarbeitung in jeweils unterschiedlichen neuronalen Netzwerken vorgenommen. Bis die bis dahin unbemerkt rauschende Reizsummation  auf intelligente Weise in das schwierige Problem der Erklärung eintaucht: der Bewusstwerdung.

Das meiste von dem, was draussen so vorgeht und drinnen verschaltet wird, bekommen wir gar nicht mit, sondern nehmen unbewusst auf. Wahrnehmen, Lernen, Erinnern und Deuten sind keine ureigenen bewussten Funktionen des Gehirns. Bildung braucht eben seine Zeit. Die geistigen und seelischen Aufgaben dafür können ohne Anstrengung unbewusst erledigt werden. Das spart Zeit und Mühe, denn der rare Vorrat an Aufmerksamkeit ist rasch erschöpft. Wir können einfach besser durch den Tag kommen, wenn der übliche und unbedrohte Alltagsaustausch in unserem persönlichen Erlebnisraum schnell und in grosser Menge unbewusst erledigt wird. Zum Zweck der Anpassung lernen wir aus Fehlern am besten. Auch Schutzreaktionen sind oft übertrieben, wenn schlechte Nachrichten bevorzugt bewertet werden. Wenn das Gefühl allerdings nicht so wichtig für das Überleben sei, so die gute Nachricht für Dichter, Denker und Schamanen, hätte die Evolution sich dieses lästigen Aufwandes schon längst entledigt. Dabei ist alles, was man nicht fühlt, kein Gefühl.

Manche meinen deshalb, die Neurobiologen könnten gar nicht erklären, wie  Bewusstsein  entsteht und eine gefühlte Erfahrung ( unangenehm ) oder ein phänomenaler Empfindungsmoment ( stechend ) ausgelöst wird. Es hat nämlich noch nie jemand gesehen, wie ein physikalischer Reiz, als chemischer Botenstoff verkleidet, in das Seelenleben hüpft und von dort wieder zurückspringt.
Trotzdem meinen andere, auch das Bewusstsein des Bewussthabers müsse irgendwo in seinen neuronalen Netzwerken repräsentiert oder zumindest korreliert sein. Weil unsere Freuden und Leiden, unsere Wünsche, Ziele und Erinnerungen, der freie Wille und der Sinn für die eigene Identität, ja unser gesamtes psychisches Geschehen, zwangsläufig auf der Aktivität der Moleküle und dem Zittern und Zappeln ihrer Atome in einem Haufen von Nervenzellen beruhe. 
Diese erstaunliche Reduktion  riss die Berufs-Philosophen von ihren Lehrstühlen: Mythos Determinismus! Das Ich ist nicht das Gehirn! titelten ihre Bücher an der Gesprächsfront mit den Lehrmeinungen der kognitiven Neurowissenschaft. Philosophie gegen Naturwissenschaft: die einen berufen sich auf den Grundkurs Logik und sortieren die Sprache in übergeordnete Kategorien und alltagstaugliche Begriffe. Die anderen sprechen mit Worten, die jeder auf der Welt gleich versteht: die Sprache der Mathematik. In der Physik die Gleichungen komplexer Systeme in Raum und Zeit. In der Biologie die fraktale Geometrie der Natur mit ihren selbstähnlichen Teilchen.

Das gute alte Leib-Seele-Problem betrifft aber nur die Beziehung  zwischen Körper und Geist, heute Gehirn und Bewusstsein genannt: ob das tatsächlich zwei verschiedene Substanzen wären, oder nur zwei Aspekte derselben Substanz oder bloss Parallelveranstaltungen sind oder ob wir nur Denkschwierigkeiten haben, beide als Einheit zu begreifen. Denn wie kann man dem neugierigen Nachbarn erklären, wie es ist,  einen stechenden Schmerz am Rücken, in das Bein oder sonstwo zu empfinden. Jeder Gedanke und jedes Gefühl ist subjektiv und grundsätzlich mit einer Perspektive verbunden, nämlich der des Betroffenen. Schon deshalb bleiben Gefühle, Gedanken und sogar die Worte daraus bei uns selbst und lassen sich nicht aus dritter Perspektive beobachten und damit objektivieren, auch wenn alle direkt daneben stehen. Sogar perfekte Beobachter mit high-end Expertise, den teuersten Apparaten und bester Laune konstruieren Ereignisse aus ihrem spezifischen Blickwinkel, je nach Plan ihrer verfügbaren Geräte. Es gibt keinen Blick von nirgendwo.
Weil wir allenfalls Ausschnitte von einer unendlichen Vielfalt beobachten können, zerbrösele sogar das objektive Naturbild zwischen den Fingern. Der Wahrheitsgehalt eines Bildes ist folglich immer auch ein subjektiver Sachverhalt, dessen Bedeutung jeder selbst auslegen kann.
Wer trotzdem das Feuern der Nervenzellen auf Gefühle zurückführe oder umgekehrt, wer die Gefühle auf das Feuern von Nervenzellen reduziere, lässt entweder das Subjektive oder das Objektive aus. Obwohl es bei diesem Rätsel  genau um die Entstehung ( Emergenz ) von  Gewebedysfunktion ( Noziception ) zu Schmerzerleben ( phänomenales  Bewusstsein ) geht oder umgekehrt, ob aus einer Schmerzempfindung die reflektorische Funktionsstörung entsteht.

So bleibt es nach wie vor ungeklärt, wie ein nicht-materieller geistiger Vorgang, zum Beispiel ein aufregender Gedanke, der ohne Ausdehnung in Zeit und Raum, also ohne physische Existenz herumgeistert, Einfluss nehmen kann auf etwas materiell Fassbares, wie dem Gehirn, den Geweben, den Zellen und den Molekülen, ohne dabei die fundamentalen Naturgesetze der Physik von der Erhaltung der Masse und Energie ausser Kraft zu setzen.
Mit naturwissenschaftlichen Erklärungen lässt sich die Beziehung jedenfalls nicht begründen. Ihre analytisch-synthetischen Methoden greifen einfach zu kurz und scheitern letztendlich im Ursache-Wirkungs-Schema an der Zeit. Demnach können wir nicht beides haben: eine geschlossene materiell-energetische Welt, in der die physikalischen Naturgesetze die Atome oder Zellen zwangsläufig, also deterministisch bestimmen, wo es lang geht: sei es vor und zurück oder hin und her. Wo Wirkung eine Funktion der Ursache ist, die sich durch mathematische Gleichung beschreiben lässt, einem absoluten Raum, wo Vergangenheit und Zukunft gleichzeitig herrschen.
Im Einklang mit einem physikalischen Zeitpfeil, der nur eine Richtung kennt: nach vorn. Wo die Ursache der Wirkung zeitlich vorausgehen muss. Wie man es auch drehen oder wenden will, es gibt die nicht-umkehrbaren, irreversiblen Vorgänge in der Natur. Die Entropie, also der Grad der Unordnung ( auch Mass der Information genannt ), nimmt in dem geschlossenen System der materiellen Körper (zunächst gleichgültig ob lebendig oder tot ), grundsätzlich zu und niemals ab. Funktionierende Körper sind sogar offen und nehmen für ihre Lebenszeit ständig Stoffe auf und geben sie entwertet wieder ab. Das passiert uns durch jeden Sonnenstrahl, bei jeder Mahlzeit, jedem Atemzug und in jeder reizenden Beziehung. Denn... nichts beeindruckt uns mehr als der, mit dem wir es gerade zu tun haben.

Geistige Beweggründe sind jedoch anders verknüpft, als physische Vorgänge, deshalb können Störungen im Erleben erst recht nicht mit den Begriffen der Biologie, Chemie oder Physik erklärt werden. Obwohl wir von Antrieb und Kraft überzeugt werden, ausgebrannt sind, weil wir auf Hochtouren laufen und die Batterien aufladen müssen, damit wir wieder funktionieren.
In der fachlichen Erklärung sprechen Psychologen eine andere Sprache, haben andere Kategorien und Begriffe, um sich deutlich von den Physiologen zu trennen, und umgekehrt.
Oft sind wir gefangen von mechanistischen Worten, die einen attraktiven Zwang ausüben und zu Trugbildern führen, die das vernünftige Urteil ersetzen. Gern lassen wir uns täuschen und halten Vorgänge, wenn wir sie nur wiederholt aufeinander folgen sehen, für Ursachen und Wirkungen. Dieses Problem der menschlichen Natur ist lange bekannt. Keine Wolke gleicht der nächsten, beide sind nicht einmal miteinander verknüpft, sondern nur lose verbunden. 
Für Leute von heute  geht nach wie vor die Sonne im Osten auf und im Westen wieder unter, weil es gestern  genauso war und es morgen  wieder so sein wird und es immer so gewesen ist. Obwohl wir von den Geräten genau wissen, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. 
Weil hier bei uns, in der Stadt am Strom, der Sonnenaufgang am 11. Mai 2024 um 04.25 Uhr  in 57 Grad Nordost stattfindet, in Rom um 05:53 Uhr in NO, in Los Angeles um 05:54 Uhr Ost, aber 9 Stunden später, und in Peking um 05:03 Uhr NO schon 6 Stunden früher. Die  Sonne erscheint für jeden auf der Erde relativ  zu seinem Ort zu anderen Zeit. Es gibt keinen absoluten Raum, der nicht durch Masse gekrümmt wird und alle Erscheinungen gegen diese Schwerkraft in Bewegung hält. Im Flugzeug ticken die Uhren sogar etwas langsamer oder schneller, je Höhe und Fluggerät. Wer das nicht glaubt, kann selbst nachmessen, wenn man sich eine Atomuhr leisten kann und damit durch den Zoll kommt.

 

Das deutsche Wesen denkt tief, kommt trüb wieder hoch und hat wichtige Mitteilungen zu machen: wo Vernunft herrscht, ist Würde nicht weit. Würde ist wie Angst und Schmerz eine ästhetische Tatsache des Menschen, ebenso wie mathematische Gleichungen von Masse, Energie und Bewegung die Tatsachen der physischen Gebilde sind.  
Im Gegensatz  zu den Apparaten  verhalten wir uns vernünftig und unbeobachtet zugleich. Niemand kann bei uns hineinsehen, sondern nur unsere Reaktionen und Symptome aufnehmen und manche Grimassen an der Oberfläche spiegeln. Der Reizverkehr zwischen lebendigen Zellen bleibt ebenso verborgen wie die Gewalt, das Streben, das Vermögen, der Trieb oder die Kraft, womit aus Stoffen neue Formen entstehen. Auch solche Informationen, welche die Moleküle und Ionen sich untereinander in geheimer Sprache zuflüstern, damit alles rechtzeitig, zweckmässig, nachhaltig und genderspezifisch passiert, sind ein Rätsel. Unsere Synapsen, Verästelungen und neuronalen Netzwerke sind frei von neugierigen Blicken, offen für Neues und reagieren selbsttätig auf das jeweilige Milieu, Stimmungen und sonstige Signale, einerlei ob der Stoffwechel mit dem molekularen Geschehen oder mit den Lebensumwelten befasst ist.
Auch die, die versuchen bis unendlich zu zählen und die Physik nicht von der kausalen Geschlossenheit befreien, kommen früher oder später ohne moralische Anschauungsformen und Eigenschaften des gesunden Menschenverstandes nicht aus. Würde ist unantastbar, steht gleich am Anfang aller Gesetze und ist als grundgesetzter Artikel mindestens soviel wert wie ein Laborwert.
Obwohl die Methode der Wissenschaft vor allem mit der geteilten Weltsicht des französischen Lebemannes, Mathematikers und Philosophen Descartes insoweit verinnerlicht war, als dass der Geist vom Körper zu trennen und die Welt in kleinste Teile zu teilen sei, solange es angeht. Seine wissenschaftliche Kultur kommt neutral von außen und beobachtet den Menschen als Maschinenmodell. Daraus lassen sich konkrete Handlungen ableiten. Darin läuft, von Neurose bis Arthrose, von Angst bis Zerrung, von Schmerz bis Spannung, hinter jedem Vorgang ein erklärbarer Vorgang ab. Sei es zweigliedrig in erkennbarer Ursache mit linearer Wirkung , sei es dreigliedrig mit Einwirkung, Rückkopplung im Prozess bis zur Auswirkung oder sei es vielgliedrig im komplexen Spiel des deterministischen Chaos. Es stört den Glauben an diese Lehre kaum, wenn an den Organen nichts zu finden ist, was den Schmerz, die Angst oder die Verspannung erklärt.
Diese doppelte Weltsicht trennte wunderbar das Subjekt vom Objekt, die Qualität von Quantität, das Gefühl von Vernunft und die Freiheit vom Vorherbestimmten. Diese Kultur der Pole hat den medizinischen Fortschrift erst ermöglicht. Sie isolierte die Phänomene und entzauberte die Welt von Feen, Geistern, Seelen, Göttern, nackt oder in weiß, und leider allem, was Leben beseitzt.
Zur Aufklärung der Frage, was man selbst tun könne, schuf sich die westliche Welt umgehend harte Fakten wie Werkzeuge und Waffen, nahm Pferd und Rad, druckte Bücher und schrieb mit Tinte, hob Hammer und Sichel, probierte Dynamit und Erdöl, bewegte Autos und Bilder, erzeugte Pillen und Prothesen und bastelt jetzt an Sensoren und Genen, um seine Umwelt wie gefühlt zu ertasten und bei Bedarf zu ersetzen. Die zunehmende Verfeinerung der technischen Apparate erzwingt parallel eine fortschreitende Verfeinerung der menschlichen Eingriffe und Überzeugungen. Es entsteht eine höchst komplementäre Situation, an der sich bis heute die Geister scheiden: nach außen verschieden, in der Tiefe doch zusammen.
Wer immer noch meint " ich denke, also bin ich ", ist sich seiner selbst zu gewiss. Für die Entwicklung des Ichs braucht es neben Zeit auch eine räumliche Struktur, wo sie stattfindet. Die eigene Existenz könne jedoch nicht gewisser sein, als der eigene Körper, der ebenfalls Zeit braucht, um da zu sein.  

Nun gerät der so dual Aufgeklärte ins Staunen und sieht erneut sein geschlossenes Weltbild wanken, wenn kleinste Teilchen im Kreis, bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, aufeinander zurasen und beim Aufprall keine kleineren Splitter, sondern mindestens gleich grosse Teilchen entstehen. Das Unteilbare ist geschehen, denn nicht das kleinste Teilchen ist gefunden, sondern übrig blieb nur die Idee vom Unteilbaren, dem Atomos. Es bleibt noch bei dem Höhlengleichnis des alten, weissen Mannes:  
zu der Wirklichkeit haben wir keinen direkten Zugang. Wir haben nur Gedanken, eine Vorstellung, eine Deutung davon. Im elementarsten Fall nur eine Information über die  unscharfe Beziehung der Teilchen: habe ich seinen Ort, kenne ich seine Geschwindigkeit nicht und umgekehrt: habe ich den Impuls, ist der Ort weg. Ditt oder datt, ja oder nein, heisst die einfache Alternative, die Masseinheit für diese Information ist das Bit. 
Eine Wirklichkeit ohne Information darüber macht vielleicht keinen Sinn. Sobald ich jedoch die Information darüber habe, dass ein Messergebnis existiert, habe ich die Wirklichkeit erfasst. Folglich geht entweder die Information der Wirklichkeit voraus oder wir können zwischen Realität und Information nicht wirklich unterscheiden. Allerdings verhält sich die Wirklichkeit in grosser Skala unseres Alltagmobiliars anders als in der winzig kleinen des subatomaren Raumes.
Trotzdem: die Physik legt es vor und wir leben es nach: die physische Welt ist offen und kann sich, gefühlt, gedanklich und zufällig, also theoretisch, in alle Richtungen bewegen. Praktisch ist alles möglich und vieles wahrscheinlich. Von diesem Weltbild der Körper müssen wir heutzutage wohl ausgehen. Die Biologie ist keine zweite Physik. Die belebte Natur funktioniert einfach nicht so, wie eine physikochemische Maschine, obwohl alles so ähnlich erscheint. Wir haben zwar ebenfalls Struktur, aber unsere kleinste Grundeinheiten sind keine Atome, sondern Zellen. Selbstähnliche Teilchen, deren Moleküle unentwegt zu neuer Form streben, zu einem Fliessgleichgewicht von starrer Ordnung, was man formal Homöostase nennt. Unsere Organe unterhalten sich selbsttätig, auch ohne den Zeitpfeil von draussen. Gereizte Systeme flüstern über alle Grenzen hinweg ihre Informationen in einer geheimen Sprache. Das Standardmodell nennt sich Evolution und enthält das molekulare Dogma der Biologie. Unterhalb der Zellebene gibt es kein selbsttätiges Leben. Daher gab es auch keine Urzeugung, vergleichbar mit dem Urknall der Physik. Sogar ein Gen im Zellkern ist  nicht, ein Gen wird : durch Umweltbedingungen, epigenetische Mechanismen und Interaktionen mit anderen Genen. 

 

Wie dem auch sei, es gibt eine Verbindung  zwischen Körper und Geist, die in beide Richtungen geht. Im myofascialen Alltag geht es darum, dass Gedanken, Gefühle und Bedeutung körperliche Schutzmechanismen über die Rückensegmente auslösen und im Muskelskelett eingewebt auf das Verhalten zurückwirken. Während früher gedacht wurde, es gäbe so eine Art Bedeutungszentrum für Worte und Gefühle im Gehirn, glaubt man heute eher, dass sensorische Wahrnehmung und motorische Körperbewegung durch rückkoppelnde Schleifen miteinander verbunden sind. Alles Verhalten, der gesamte Reizverkehr, der mit Angst oder Bedrohung, Suche nach Belohnung, Furcht vor eigenem Versagen oder Panik vor Verlust zu tun hat, wird vom Hypothalmus, dem Zentralorgan unser biopsychosozialen Krisen, vorsorgend reguliert.
In diesen Gegenverkehr zwischen body and mind  kann man bremsend oder beschleunigend eingreifen, indem man die Anfangsbedingungen ändert und sich Situationen aussetzt, wo die Dinge von allein ablaufen. Schon die genaue Beschreibung des Bewegungskonflikts führt meist wie von selbst zu seiner Lösung.

Auch ein Lob nützt nichts, ohne die Ausschüttung von Hormonen. Die Entdeckung der Hormone  brachte Körper und Geist wieder zusammen, indem sie zeigte, dass eine geistige Erfahrung wie Stress direkt körperlich messbare Auswirkungen hat. Physische und psychische Spannungen sind Stressoren, die zu einem Spektrum an Reaktionen führen, deren genaue Kontrolle wesentlich zur Erhaltung von Gesundheit des Organismus ist. Die Hauptrolle spielt die sog. Stressachse ( Hypothalamus-Hypophyse-Nebennierenrinde ), deren Aktivierung zur Ausschüttung des Stress-Hormons Cortisol  führt.
Da wir mangels Fressfeinden eigentlich keinen Stress haben, sondern nur glauben, Stress zu haben, könnte es doch sein, dass eine nozizeptive Schmerzreaktion erst dann entsteht und seine Wirklichkeit erlangt, wenn ein Mensch sich selbst als geschädigt oder zumindest bedroht erlebt. Denn wie kann es sein, dass manche Menschen ohne einen messbaren Defekt an der Wirbelsäule, an den Knochen, Muskeln, Nerven und Gelenken chronische, nicht beherrschbare Kreuzschmerzen haben, während bei anderen, mit einem deutlich sichtbaren Defekt, dieser keine nenneswerten Schmerzen nach sich zieht. Wenn aber nichts defekt ist, hat der Schmerz seine Warnfunktion verloren und erscheint sinnlos. Man spricht dann, im eigentlichen Sinn, von Funktionsstörungen. Bei diesen sogenannten myofascialen Dysfunktionen finden wir zwar vielfältige nervöse, humorale, biochemische und auch mechanische Erregungsmuster im segmentalen Gewebe, die aber auf dieser Ebene, ohne Kenntnis der übergeordneten Funktion in ihrer pychologischen Bedeutung, also ihrem Sinn, nicht zu verstehen sind.
Wenn dabei die Gefühlswelt, so die vermittelnde Ansicht, nicht von so enormer Bedeutung für das Überleben wäre, hätte sich die Evolution sich dieses lästigen Aufwandes schon längst entledigt. Wie jeder Allerweltsgedanke, entsteht auch dieser preisgekrönte Satz, dessen wir auch erst bewusst werden müssenum ihn aussprechen zu können, aus tieferen Gefühlen. So die neurobiologische Annahme. Deshalb erfolgt die Diagnostik jeder schmerzhaften oder unempfindlichen Bewegungsstörung (natürlich neben der möglichst genauen Schilderung des Beschwerdeverlaufs, seit wann, was, wo und wie sich bemerkbar macht) grundsätzlich, unstrittig und vorrangig durch gezielte manualmedizinsche Bewegungstests sowie palpatorische Prüfung der Gewebebeschaffenheit. 
Schmerz ist ein schwieriges Kapitel und die Schwierigkeit, die der Arzt und sein Patient damit hat, hängt mit dem noch nicht vollzogenen Bedeutungswechsel zusammen: Man hat die Bedeutung der Entdeckung des Beobachters, den die Physik im grossen All und kleinem Detail vorgelegt hat, noch nicht begriffenWir wollen nämlich nicht akzeptieren, dass wir keinerlei Zugang zu einer objektiven Wirklichkeit haben. Ales, was wir wissen können, beruht auf menschlichen Vorstellungen. Jeder Versuch, Schmerz als isoliertes Phänomen zu verstehen, bleibt vage. Die Schmerzentstehung beruht auf der Einheit des Menschen in siner Umwelt. Alles Verhalten wird durch das bestimmen, was die Sinne aus der Umwelt wahrnehmen. Mit Umwelt it nicht das Zeugs gemeint, was draussen tot herumliegt, sondern eine bestimmte Wirklichkeit, die aus Reizen und Informationen besteht, welche ein Lebewesen aus seiner Umgebung aufnimmt, die Reize filtert und verarbeitet, mit alten Erfahrungen abgleicht und irgendwann abruft, wenn dazu Neues passiert. Die Umwelt wird also von jedem in jeder Sekunde neu interpretiert. Nach dieser Auffassung ist jedes Lebewesen ein ständig beobachtendes System:

 

 

Im wachen Zustand können wir gut die sensorischen Details der nahen Umwelt draussen wahrnehmen, besonders wenn sich darin Leute aus unseren Kreisen, Familien, Kollegen, Freunden, Lehrern, Feinden und Behörden, bewegen. Oder sich drinnen die Reizzustände des eigenen Körpers bis hin zu den Körpergeweben bedrohlich summieren.
Man spricht gern von Emergenz. dem Zauberwort der psycho-physischen-Einheits-Theorie, die aus dem biopsychosozialen Krankheitsmodell hervorgegangen ist, welches wiederum das biomedizinische Maschinenmodell des Körpers in der wissenschaftlichen Medizin abgelöst hat. Emergenz meint das Entstehen  neuer, noch komplexerer Eigenschaften, die in ihrer Entwicklung auf der Stufe darunter weder erkennbar noch erklärbar sind. Zum Beispiel ist auf der Ebene der Elemente Wasserstoff H und Sauerstoff O, die jeweils brennbar sind, nicht zu erkennen, dass auf der Molekül-Ebene darüber ( H2O ) das Wasser löschen kann. In Bezug auf Schmerzempfinden bedeutet das, dass ein nozizeptives Korrelat von peripher nach zentral ablaufen muss, bevor es unangenehm wird. Demnach kann eine gegenläufige Entstehung, nämlich ein nozizeptiver Reizverlauf, wenn es nicht aushaltbar unangenehm wird, nicht emergent passieren. Aber vielleicht können andere empathisch oder gespiegelt davon zumindest beeindruckt, wenn nicht sogar angesteckt werden.  In Bezug auf Gesundheit bedeutet das, dass das Gesamtbild eines Kranken, welches sich aus bio-psycho-sozialen Eigenschaften zusammensetzt, mehr ist als die Summe seiner erkennbaren, erklärten und abgebildeten Einzelteile. Das heisst dann aber auch, dass Gesundheit in jeder Sekunde neu geschaffen werden muss. Und zwar von jedem für sich selbst und alle anderen in seinm Erlebnisraum.

Das " Ganze " Modell der Systemebenen funktioniert nach dem hierarchischen Prinzip einer parallelen Verschaltung, wobei die komplexeren Ebenen über den kleineren, weniger komplexen Einheiten geordnet sind. Das emergente Prinzip erklärt uns leider nicht, wie das unangenehme Gefühl entsteht, sondern verdeutlicht es nur die bestehende Kluft, denn auf der biologischen Ebene der Nozizeption kommt das Problem der Bewusstwerdung gar nicht vor.
Wichtig ist es wohl eher zu verstehen, das jedes psychische Geschehen, also jedes Gefühl, jeder Gedanke, jedes Wissen und Wollen und jedes Handeln, immer gleichzeitig auch als körperlicher Vorgang zu beobachten ist. Es ist höchstwahrscheinlich nur unsere Sprache mit ihren Kategorien und Begriffen, die uns zwei verschiedene Welten vorspiegelt. Tatsächlich handele es sich bei jeder Rückenverspannung, jeder Wirbelblockade und jedem ausstrahlendem Schmerz um einen Prozess im System " Mensch ". Daraus folgt, dass jedes Ereignis, das an der Entstehung oder Beseitigung von Funktionsstörungen beteiligt ist, nicht entweder psychisch oder biologisch, sondern sowohl psychisch als auch biologisch ist. 
Organellen, Zellen, Moleküle oder gar Atome gehören nicht mehr zu unserem Erlebnisraum. Das ist der Bereich von Wirklichkeit und Information, in welchem wir selbst sind und eine Sonderstellung gegenüber einem Beobachter haben, sei er nun ausgebildeter Arzt oder nur neugieriger Nachbar. Darin lässt sich bewusst die Aufmerksamkeit steuern und Bedürfnisse, Gedanken, Vorstellungen und Erinnerungen steigern. In Summation grosser Datenmengen gelingt sogar die semantisch tiefe Verarbeitung: die Deutung und Sinnerfassung der aktuellen Reizustände.
Das Hintergrundrauschen, wie das Erleben der eigenen Identität, dass es sich um den eigenen Körper handelt, der hier und jetzt in dieser Situation in Raum und Zeit wankt, der Gedanken zwischen Wirklichkeit und Wahn hervorzaubert, dessen Autor man selbst ist, bleiben unbemerkt, aber nicht unbewusst. Unbewusst bleiben alle Vorgänge in den subcorticalen Hirnregionen, also das meiste, wenn nicht sogar 95 %, wie einige meinen. Die Kernfrage im myofaszialen Alltag musste also lauten: wie kann ich mit meinen mickerigen 5 % Bewusstsein das ändern, was 95 % Unbewusstsein bei mir angerichtet haben. 

 

 

Der Entstehung des gemeinen Rückenschmerzes  entspricht dem Grunde nach dieser biologischen Erklärung über Sinnesleistungen. Das bohrende, stechende, ziehende oder dumpfe Leiden wird als nervöses Geschehen empfunden, bei dem das Gehirn die Reize aus dem Körper interpretiert. Das Ergebnis wird als eine zutiefst negative Erfahrung wahrgenommen, die je nach sozialem, kulturellem, existenziellem, spirituellem, kognitiven und affektiven Einfluss für manche noch als erträglich gilt, für andere bereits als unerträgliche Katastrophe ausgelegt ist. Ob Mann oder Frau spielt im Muskelskelett ebenfalls eine bedeutsame Rolle.
Die besondere Sinneserfahrung " Hexenschuss !" entsteht aus einer tatsächlichen oder vermeintlichen Schädigung von Körpergeweben, die zwar nicht von Rezeptoren, sondern von feinen Enden  schnell und langsam leitender Nervenfasern, den sog. Nozizeptoren  aufgenommen werden. Diese Schmerzfühler sind in nahezu allen Gewebeschichten auf mechanische, chemische oder thermale Reize spezialisiert, transduzieren, transformieren bis hin zu den Segmenten des Rückenmark, auf dessen Ebene die Impulse mit den eingehenden Signalen aus anderen Geweben verschaltet und aufsteigend weitergeleitet werden. Auf allen Schaltebenen wird pausenlos verstärkt und gebremst und schon dort können reflexartige Schutzreaktionen bis zur myofaszielen Dysfunktion ausgelöst werden, um das Segment, Gelenk oder Organ vorsorglich für die Dauer des Heilungsablaufs aus der Gefahrenzone zu holen.

Jeder kann inzwischen in den gängigen Suchportalen über das Beschwerdekonzept „ Nozizeption „ umfassende und allgemein verständliche Auskunft erhalten. Inhalte der Fachbegriffe wie Neurogene Entzündung  und periphere oder zentrale Sensitivierung  haben das Verständnis von lang andauerndem Schmerz am Muskelskelett enorm verändert. Das natürliche Schmerzsystem hat die biologische Funktion, zum Überleben seiner Spezies beizutragen und ist insoweit spezifisch. Die spezifische Funktion besteht darin, durch das subjektive Erlebnis " Schmerz ", einen körperlichen Schaden zu vermeiden. Das phänomenale Bewusstsein von nozizeptiver Signalaktivität, also wie es ist stechenden Schmerz im Rücken, Bein oder Kopf zu haben, erlaubt uns vernünftigen Lebewesen, aus dem einfachen Reiz-Reaktionsschema auszubrechen, das eigene Verhalten auf der Grundlage sensorischer Information zu ändern und den Umständen entsprechend anzupassen. Denn chronischer Stress kann auch Entzündung auslösen und damit die Steifigkeit ( Fibrose ) der Faszien erhöhen

Reizbegabt und übersät von feinsten Nervenenden, kommt der Mensch als aufrecht gehendes Sinnesgebilde daher. Zeitweise tiefenverspannt und entzündlich bis zum Kontrollverlust gereizt, " dem Ding da ", der entgleisten Maschine mit seinen verstörten Organen, Geweben, Zellen und Molekülen, eine sinnvolle Bedeutung zu geben.
Die wissenschaftliche Methode, gedanklich jegliches Gefühl und jeden Gedanken, egal ob hier und jetzt gegenwärtig oder nicht, von körperlich ausgedehnter Masse zu trennen, war für den medizinischen Fortschritt höchst erfolgreich. Keine Prothese, keine Impfung, keine Krebsbehandlung und kein intelligent hergestelltes Medikament ohne diese duale Historie. Man konnte handeln und modern sein, indem die Technik verfeinert wird, ohne die mechanische Erklärung der Lebensvorgänge aufgeben zu müssen. Der Hinweis, ob womöglich die geschlossene Struktur einer Maschine mit einer starren Ordnung verwechselt wurde, die offen auf Reize reagiert, welche dem Beobachter verborgen sind, wurde lange übergangen. Die Zerlegung des Menschen in seine Einzelteile und das Verstehen des Vorgangs hinter dem Vorgang, kann inzwischen auch komplexe Netzwerke, kollektives Verhalten, chaotische Konnektionen, kritische Kipppunkte und coole Krisen auf höheren Ebenen systematisch und informatisch erklären. Auch die Zuweisung von Bedeutung, zum Beispiel eine drohende Gefahr durch Gewebeschaden, ist neben dem Lernen und der Mustererkennung ein wichtiger Akt verknüpfender Intelligenz, da sie die Fähigkeit umfasst, körperliche Informationen zu verstehen, zu interpretieren und ihnen einen Wert zu geben. Eigentlich ist das Leben simpel. Um den Bescherden einen Sinn zu geben, kommt es auf die Wirklichkeit an und das ist das, was wir gerade fühlen und denken. Das, was wir glauben ist das, was zählt. Alles spielt sich in unserer Gedankenwelt ab, gleichgültig ob es in den Knöpfen der Geräte oder in den Köpfen der Leute passiert.
 

 

Mentale Aspekte, wie das unangenehme bis unerträgliche Schmerzgefühl, hängen dabei offenbar nicht nur von den Genen sondern auch von den Umständen ab, in denen wir Schmerz bewusst erleben. So ist es sinnvoll, zunächst die Empfindung  von der Wahrnehmung  abzugrenzen. Was wir empfinden, sind die unscharfen und mehrdeutigen Informationen der inneren Körperwelt und äusseren Umwelt, die über die Reizleitungen unserer Sinnesorgane zu den entsprechenden Arealen im Gehirn gelangen und dort als unspezifisches Gefühl bewusst erscheinen.
Was wir wahrnehmen, ist viel umfassender: es ist ein Bild, das all diese unscharfen Signale, die unser Gehirn von drinnen oder draußen erhält, mit dem Reichtum vergangener Erfahrung und Erlebnissen verknüpft. Das es darüber hinaus es sogar der gesamte Körper ist, der wahrnimmt, ahnen diejenigen, die Dysfunktionen am eigenen Leibe hier und jetzt miterleben. Auf welcher Ebene auch immer diese Prozesse analog wie eine parallele Verschaltung ablaufen mögen: zwischen den Organen, den Geweben, den Zellen, den Molekülen, den Atomen oder akausalen Verschränkungen.

Wahrheit gibt es nur zu zweien, sagt die Kluge. Damit wir in der täglichen Praxis hinreichend von gleichartigen Eindrücken reden, sind zwei Denkrichtungen hilfreich: die sog. bottom up Wahrnehmung geht vom kleinen Detail aufwärts zum großen Ganzen und erlaubt uns von Geburt an, Schlüsselelemente wie Linien, Konturen und drohende Gefahren aus der Umwelt zu filtern. Nervenzellen im Gehirn ergänzen die unvollständigen Informationen aus der Umwelt, zum einen mit den ererbten Basisgefühlen und zum anderen mit den erworbenen Erfahrungen, zu einem Bild des Geschehens, das in die Wirklichkeit passt. 
Die Top down Wahrnehmung dagegen greift von oben herab tief in den Topf der Vorerfahrungen und holt zielsicher, augenblicklich, auf einen Schlag und aufmerksam all das bisher Erlernte, vielleicht Verdrängte, manch Gutes, aber vorsorglich mehr Böses, heraus und stellt damit ein zwar übertriebenes, aber persönlich produziertes Kopffilmchen her. So entstehen hier und jetzt bei unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Situationen auch unterschiedliche Bedeutungen des gleichen Sachverhalts.
 

Niemand wird in andere Leute hineinsehen können, ihre biologische Zellwelt aus Molekülen und Atomen bei dem permanenten Austausch von Informationen betrachten und dabei mitempfinden, wie es ist, ein Gehirn, ein Knie, ein Wirbelsegment oder ein Organ zu sein . Wir haben weder für den ausstrahlenden Schmerz, noch für örtlich ziehende Mißempfindungen erkennbare Biomarker, aufgrund derer wir eine Diagnose oder die Prognose der krankhaften Bewegungsstörungen veränderen und damit den langfristigen Einsatz zentral modulierender Medikamente rechtfertigen können. Wahrscheinlich gibt es auch keine zusätzlich erfahrbaren Kriterien, die helfen, den Schmerz richtig einzuordnen, wenn zwar strukturspezifische Schäden am Muskelskelett durch Schichtbilder, Laborchemie oder Meswerte vorliegen, jedoch der spezifische Auslöser nicht eindeutig isoliert und zusätzlich beschreibbar ist. Deshalb erfolgt die Diagnostik jeder schmerzhaften oder unempfindlichen Bewegungsstörung (natürlich neben der möglichst genauen Schilderung des Beschwerdeverlaufs, seit wann, was, wo und wie sich bemerkbar macht) grundsätzlich, unstrittig und vorrangig durch gezielte manualmedizinsche Bewegungstests sowie palpatorische Prüfung der Gewebebeschaffenheit. Dichter dran, bleibt der ärztliche Tastsinn das aufmerksamste diagnostische Mittel, um sich ein schlüssiges Bild von der Bewegungshemmung im Muskelskelett zu machen, das Risiko von Fehleinschätzungen zu mindern und positiv rückkoppelnd einzugreifen. Zwar sind diese Daten unter objektivem Blickwinkel begrenzt, liefern aber die wichtigen Hinweise, die unter keinem anderen Blickwinkel gewonnen werden können.
Aus jeder forschenden Perspektive erkennt der Beobachter nur Symptome, Zeichen oder den Zustand somato-psychischer Reaktionen, wie asymmetrische Gewebespannung, empfindlichen Bewegungsverlust, angestrengtes Vermeidungsverhalten und die ödematöse oder rigide Gewebetrophik, welche für einen bestimmten unregulierten Zustand des gesamten  Menschen verantwortlich sind.
Das Einzige, wofür wir Mediziner ein wenig Evidenz haben, ist der Schmerzmechanismus.
Dabei unterscheiden wir in nozizeptive, noziplastische und neuropathische  Mechanismen.
Die nozizeptive  Beschwerde ist eine Reaktion auf einen Reiz im peripheren Gewebe, der dort die feinen Nervenenden, die sog.  Nozizeptoren, aktiviert. Das kann stündlich durch Zug und Druck, Entzündung oder Hitze und Kälte passieren und als stumpf, stechend, bohrend oder pochend empfunden werden. Die Nerven sind dabei nicht defekt, sondern im Gegenteil, hoch intakt. Dieses Geschehen neigt stark zur Chronifizierung und übermäßige Schmerzempfindung, die sog. Sensitivierung, läßt schon banale Reize im Alltag zum vollen Beschwerdebild durchsickern. Das kann im Gewebe außerhalb von Rückenmark oder Gehirnzellen stattfinden (periphere Sensitivierung). Aber auch innerhalb, dann spricht man von zentraler Sensitivierung.
Liegt eine Verstärkung, Überempfindlichkeit oder schlecht-angepasste Reiz-Verarbeitung vor ( Hyperalgesie ), welche zu erhöhter Erregbarkeit der Signalübertragung im zentralen Nervensystem und damit zum Fortbestehen der Schmerzempfindung beiträgt, haben wir es mit sog. noziplastischen  Symptomatik zu tun.
Als „neuropathisch“ werden dagegen Schmerzen sowie schwer beschreibbare Missempfindungen bezeichnet, die nicht durch Reaktion von äußeren Reizen im Gewebe, sondern als direkte Folge von Schädigung in den Nerven selbst entstanden sind. Etwa durch Unterbrechung oder Kompression der Nervenstränge oder durch Fehlfunktion der Nervenzellen im Rückenmark oder Gehirn, von welcher Stoffwechselerkrankung her auch immer ( Diabetes, Alkohol, Gendefekt, Viren etc).
Kribbeln, Brennen und Taubheit bis zu den Händen und Füssen stehen im Vordergrund. Bis auf die erfahrungsgemäße Annahme aus fachspezifischer Einschätzung hat bisher keine Untersuchung den Verdacht auf neuropathisches Geschehen bei Rücken- und Beinschmerzen hinreichend evident begründen können. Möglicherweise gibt es auch keine einzeln darstellbaren Parameter für Nervenschädigung, Fehlfunktion oder Entzündung, weil die Prozesse emergent, vernetzt, kooperativ, konnektiv oder anders komplex verlaufen. Allerdings kann ein visueller Ausdruck oder auf den peripheren Nervensträngen abgeleiteter Befund letztendlich als Beweis für eine neuropathische Symptomatik gelten und damit auch zentral stark wirksame Medikation begründen.

 

 


Der Mutterwitz jeder Therapie ist, Geschichten neu zu erzählen. Die Zellen mögen nämlich keinen Kampf, sie möchten überredet werden. Heilung ist immer und grundsätzlich Selbstheilung. Der Arzt kann nur die Randbedingungen schaffen, damit eine Selbstregulation gelingt. Um zu zeigen, dass Dysfunktionen verstanden werden und die Antworten ihn in die Lage versetzen, sich neu anzupassen. Eingriffe mit der Hand sind physisch Vehikel für Informationen und verändern damit die Rezeptoren lebender Organismen, deren Gewebe und Zellaktivität. Ihre mentalen Reaktionen auf diese Einwirkungen werden nicht nur von einer mechanischen Reizung, sondern auch davon bestimmt, das Zeichen und Symbole für Rezeptoren eine Ursache-Wirkung-Beziehung haben, indem sie Handlungen auslösen und Bedeutungen vermitteln. Um die Prognose des Reizzustandes zu ändern, braucht es einen Ort, wo Heilung erneut gelingt. Wenn alles still ist, passiert am meisten. Das Gehirn empfängt die Signale, macht daraus Vorhersagen, hat ohne Dirigenten oder Lehrer gelernt mit Fehlanpassung umzugehen und bildet sich ständig mit dem nächsten Input um.

Hat allerdings die durch die myofasciale Dysfunktion ausgelöste feingewebliche Entzündung der tieferen Strukturen ein chronisch sensitives Ausmaß angenommen, das der Organismus nicht mehr selbst bewältigen kann, müssen mehrere, modale Therapieformen angesetzt werden, welche die hartnäckige Entzündung mit ihrem bindegewebigen Flächenbrand eindämmen sowie das Immunverhalten regulieren und das vegetative Nervensystem desensitivieren können. Denn chronischer Stress kann auch Entzündung auslösen und damit die Steifigkeit ( Fibrose ) der Faszien erhöhen. Im Vordergrund der Therapie von myofascial inflammatorischen Schmerzsyndromen und ihrer chronifizierten Befunde stehen unbestritten passive manuelle Techniken der übererregten Beugesysteme und Mobilisation der bindegewebigen Schichten vom Wirbelsegmenten bis zu den letzten Gelenken in der Kette mit den Folgen für den Sauerstoffwechsel im peripheren Gewebe. Wer immer noch meint, Schmerz sei Bitten er Muskelzelle um reine Kraft, wird abgeholt. Die Zellen mögen keinen Kampf, sie möchten überredet werden.
Dichter dran, bleibt der ärztliche Tastsinn das aufmerksamste diagnostische Mittel, um sich ein schlüssiges Bild von der Bewegungshemmung im Muskelskelett zu machen, das Risiko von Fehleinschätzungen zu mindern und positiv rückkoppelnd einzugreifen. Seine Empfindlichkeit und Energie verfeinert sich durch stetigen Gebrauch. Die Ausbildung zum osteopathischen Arzt  nach amerikanischem Vorbild ( DAAO.info) geht weit über das eingeschränkte Gelenkspiel hinaus. Bereits vor hundert Jahren wurde dort erkannt, dass die Behandlung von Störungen der Schutzfunktion ( verklemmte Gesundheit ) ebenso einer ärztlich fundierten Ausbildung bedarf, wie die Reparatur von Defekten in der Struktur ( manifeste Krankheit ).
Angedockt an die Erfahrung eines ganzen Beruflebens erhält die geschulte Hand ihre Urteilskraft zurück. Erst wenn die Fehlspannung bleibt oder der Schmerz zunimmt, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Nicht umgekehrt, sonst wird es schwierig, aus der Opferrolle eines eher harmlosen, altersgemäßen Befundes herauszukommen.