Im Zweifel manuell

Lassen Sie sich nicht beirren,
die meisten orthopädischen Probleme sind noch keine. Bei mehr als 80% der Beschwerden im Muskelskelett sind nirgendwo körperliche Auslöser in den Gelenkstrukturen nachweisbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass der radiologische Befund nicht passt, ist ebenso hoch. Zwar bildet im Ernstfall die jederzeit zur Verfügung stehende Medizintechnik das Muskelskelett punktgenau schwarz auf weiß, sein Sensorium jedoch für gewöhnlich nicht hinreichend lebensnah ab. Ist ein Vorfall stumm, kann die Diagnose weg.
Auch für Fachleute die ihr Handwerk verstehen, ist es schwierig die motorisch-sensorische Muskelarbeit von den vegetativ-reflektorischen Schutzmechanismen am Muskel-Faszien-Gerüst zu trennen. 

 

Schmerz am Muskelskelett
ist schwer zu verstehen, denn wir sind Ursachen gewohnt, möchten Übungen haben und nicht Teil des Problems sein. Örtliche Methoden helfen nur kurzfristig, wenn äußerlich nichts verletzt (Hautschmerz ), der Nerv an sich nicht bedrückt (Nervenschmerz ) und das Gelenk noch entzündungsfrei (Organschmerz ) ist. Das nervige Ziehen, Brennen oder Stechen im Muskelskelett (Spannungsschmerz ) ist unspezifisch, d.h. das unangenehme Gefühl entsteht weder da, wo es weh tut, noch plötzlich. Diese wiederholt aus dem Nichts auftauchende Nervensäge ist ein großer Lügner und weder räumlich noch zeitlich zu fassen. Der empfindliche Spannungsstau zeigt sein Schmerzgesicht morgens anders als abends, im Sitzen anders als im Stehen und im Training anders als in Trance. Man kann nicht wissen, wo es zwischendurch war. Seine Bereitschaft zur Verwirrung startet reflexartig als gutgemeinte Schutzreaktion, wird peripher erregt, zentralnervös verschaltet, absteigend gehemmt, rückwirkend in gleichseitige Glieder übertragen, sickernd in nachfolgende Schichten ausgebreitet und endet als Vorbote namhafter Gelenkkrankheiten. Das ist bedrohlich, ungewiss und soll nicht sein.

 

 

Ohne Sinn
ist Schmerz nicht denkbar. Schmerz entsteht durch Erregung von Nerven. Das unangenehme Gefühl kann eindringlich sein, die Grundspannung verschieben, Gelenke vorsorglich aus der Position ziehen, Entzündung im Bindegewebe auslösen und von Kopf bis Fuss über alle Organe hinweg durchsickern. Auf vorerregtem Feld gilt jede kleine Änderung bereits als bedrohlicher Stimulus, wenn diese eine überschießende Schutzreaktion im Muskelslelett hervorruft. Leider sind wir nur begrenzt fähig, alles in einem Bericht wiederzugeben, was uns am eigenen Leibe passiert. Aber wir wissen heimlich mehr, als wir zu sagen wissen.
Aufgeklärte Leute sortieren elastische Muskeln, straffe Bänder, runde Gelenke, harte Knochen und weiche Organe samt bindegewebiger Hüllen nach ihrer räumlichen Struktur, während Funktion  das meint, was zeitlich  durch den Rhythmus von Nervenreizen, Blutfluss, Muskelspannung, Hormonhaushalt, Wasserstand, Stoffwechsel, Immunabwehr und Entzündungsverhalten damit passiert. Beide Aspekte geben dem Körper die Form und angenehme oder unangenehme Gefühle informieren uns ständig darüber. Schaue ich mir die Struktur genauer an, erkenne ich gleichzeitig die Funktion nicht mehr. Wende ich mich nun dem Impuls der Funktion zu, fehlt mir jetzt der Ort der Struktur. Diese unscharfe Beziehung ist aus der Physik bekannt und wir erleben den Körper in diesen zwei verschiedenen Aspekten. An den Rändern können wir uns den Übergang nicht erklären, weil gedanklich Ursachen nicht vor den Wirkungen eintreten können. Auch hier bei uns werden inzwischen dem gesamten Bindegewebsgerüst wichtige Aufgaben, sowohl für die Integration der kraftvoll geführten Bewegung im Raum, als auch für die kraftraubend sichernde Schonhaltung  nach überschwelligen Nervenreizen zugeschrieben. Alle Wahrnehmungen und Reaktionen des Körpers werden über nachgeschaltete Sinneszellen in Form von elektrischen Ladungen zum Gehirn geleitet, wo die Informationen in Bezug zu Handlungen und bewusstem Erleben gesetzt werden. Die meisten Sinnesreize um uns herum bekommen wir allerdings nicht mit. Aber im Untergrund sind Hirnzellen immer auf der Lauer, Entscheidungen zu treffen, unsere Wahrnehmung zu konstruieren, Schmerzerlebnisse zu erzeugen und Schutzverhalten mustergültig zu steuern.

Neben messbaren Vorgängen gibt es auch masslose Beweggründe. Die Anwesenheit der Schwäche aus der absteigenden Hemmung bedeutet nicht die Abwesenheit von Kraft der Muskeln. Offenbar liegt die eigentliche Ursache von Beschwerden am Muskelskelett in der Erfahrung von Kräften und nicht im Defekt von Gelenken. Das Ereignis Schmerz kann nur im Netzwerk des schützenden Verhaltens und damit ausschließlich im Gehirn verstanden werden. Dieser neuronale Kosmos ist mit dem körperlichen Rest untrennbar über aufsteigend sowie absteigend wirkende Nervenbahnen verbunden. Sowohl die zeitliche als auch räumliche Anhäufung von Nervenimpulsen aus der Haut, inneren Organen, Muskeln, Bindegeweben, Blutgefässen oder Gelenken wirkt sich auf die Weiterleitung im Rückenmark aufsteigend erregend und absteigend hemmend aus.
Wenn ein Schaltkreis zwischen den peripheren Körperregionen und Rückenmark  durch Schonalarm inaktiv oder ineffizient wird, kann ein anderer, der normalerweise durch diesen gehemmt wird, überaktiv werden. Mit diesen Mechanismen können einlaufende Schmerzimpulse gemindert, gesteigert, übertragen und entzündlich sensitiviert werden. Spürbare Fehlspannung entsteht, wenn die zentral-nervöse Steuerung von Gelenken im tatsächlichen oder vermeintlichen Schadesfall in dem hemmend wirkenden Muskelpart in dem gleichen Maße nachlässt, in dem diese in dem erregten Muskeln zunimmt.
Hier ist es wichtig zu unterscheiden, dass Schmerz und Sinnesreize über das, was dem Muskelskelett im Kontakt mit der Außenwelt  passiert, auf anderen sensiblen Nervenbahnen via Rückenmark gemeldet und zentral im Kopf  verarbeitet wird, als die Informationen über die Haltung und Stellung im Raum sowie den inneren Zustand des Körpers, der mit der Arbeit von Molekülen in den Zellen der inneren Organe rund um die Uhr beschäftigt ist.Zunächst betreffen uns die Sinnesreize, denn wir nehmen ihr Ergebnis mehr oder weniger deutlich wahr. Zudem sind wir von dem Erlebnis gewöhnlich oder gesteigert betroffen.  Dass  der moderne Mensch auch ausserhalb seiner fünf Sinne ständig gereizt wirkt, ängstlich vermeidet oder stressig durchhält, wechselnd verdichtet oder anschwillt, rhythmisch drosselt oder beschleunigt, spröde verhärtet oder lose entweicht, halten Biologen für biologisch sinnlos.Wie  ein unangenehmes Gefühl ins Gehirn kommt, bleibt naturgesetzlich ungewiss. Für den Stress, den der Körper mit seinem Inhaber hat, fehlen noch die Worte.
Keinesfalls geht es darum, ob psychologische Faktoren die Muskelbescherden bewirken. Wir sind doch nur verzogen und nicht verrückt. Es geht auch nicht um das spirituelle Gefühl, Teil eibes Ganzen zu sein. Wir sind auch nicht verklärt. Aber den Psychologen in uns kommt alles, was wir fühlen, denken oder tun, aus Umwelt samt Erinnerung. Besonders die Erfahrungen aus Kindheit und Jugend sind einprägsam und bleiben viel später noch ausgeprägt wirksam. Nichts beeinflusst uns mehr, als der, mit dem wir es gerade zu tun haben. Jeder Zweitschlag erzeugt Verstärkung und jede Wiederholung vermittelt Gewohnheit. Sogar die Art, die eigenen Abwehrmechanismen zu erleben, ist in weichenstellender Weise gespeichert. Sicherlich greifen verborgene Unterhaltungen zwischen Arealen im Gehirn absichtslos auf Gefühle und Gedanken zurück und tragen dazu bei, dass wir den nächsten Schritt planen und auf den Lärm in und um uns herum angemessen reagieren können. Wer immer noch meint, Schmerz sei Bitten der Muskelzelle um reine Kraft, wird abgeholt.Nicht nur Verletzungen, Überlastungen, Infektionen oder altersgemäße Abnutzung, sondern auch das Schmerzgeschehen selbst kann Entzündung auslösen. Kontrollierte Hemmung  entscheidet biologisch über Erregung oder Erstarrung an den Übergängen von Nervenzellen und mental zwischen Vernunft oder Emotion. Wir erleben dadurch Gefühlsbewegungen sowohl einer tatsächlich aktuellen, als auch vermeintlichen  Gewebeschädigung. Im Prinzip eben nicht nur das, was ursächlich der Fall ist, sondern auch empfindlich der Fall sein kann. Dass in den Gehirnarealen nicht nur körperliche Vorgänge gesteuert, sondern auch geistige Beweggründe nahezu zeitgleich reguliert werden, kann die naturwissenschaftliche Forschung jetzt gut belegen. Wie  Schmerzbewusstsein ins Gehirn kommt, bleibt naturgesetzlich ungewiss.

 

Übersät von feinsten Nerven,
kommt der Mensch als aufrecht gehendes Gefühlsorgan daher. Sein Skelett dient nicht als Basis, sondern gibt uns nur die Form und trägt alles was wir erlebt haben, mit sich herum. Die meisten Sinnesreize bekommen wir allerdings nicht mit. Aber im Untergrund sind Hirnzellen immer auf der Lauer, Entscheidungen zu treffen, unsere Wahrnehmung auszurichten und Schmerzerlebnisse zu erzeugen.
Unterwegs kann dieses System, wenn eine gewohnte Schwelle überwunden ist, zahlreiche Stressoren, diverse Immunantworten, instinktive Triebe, entgleiste Hormone, verdeckte Entzündungen, feinste Partikel, fremde Eindringlinge, linke Bazillen, olle Kamellen, steile Zähne, geronnene Geschichten, alltäglicher Ärger, ewige Sorgen, heiße Luft, kalter Zug, zuviel Druck oder Irrtum von oben, bzw. Schwierigkeiten mit der Spannung darüber schmerzfrei umzugehen, reflexartige Schutzreaktionen  im Muskeskelett in Gang setzen. Sowohl die zeitliche als auch räumliche Anhäufung von Nervenimpulsen aus der Haut, inneren Organen, Muskeln, Bindegeweben, Blutgefässen oder Gelenken wirkt sich auf die Weiterleitung im Rückenmark aufsteigend erregend und absteigend hemmend aus. Gleichgültig ob Reize unvollständig oder zufällig summiert einlaufen und irgendwie geprägt, mustergültig oder sensitiviert das Schutzverhalten aktivieren, reagieren wir manchmal zu schnell auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Reiz. Vermutlich aufgrund alter Erfahrungen, die jetzt gar nicht mehr zutreffen.
Kaum sind die Kinder aus dem Haus, wird das Leben zur Aufgabe. Ältere Gelenke erleben so etwas wie Dauerstress und antworten auf Schadreize überschießend. Denn alles, was mit Geschwindigkeit zu tun hat, läßt nach, die abstimmende Arbeit der Moleküle in den Zellen erstarrt schleichend und kommt nicht mehr jeder Situation entsprechend nach. Die Immunabwehr läuft unrund, ist zusätzlich mit dem Abbau von überflüssigen Zellen beschäftigt und reagiert viel empfindlicher mit feiner Entzündungsreaktion in den bindegewebigen Hüllen der Muskeln, Gelenke und Organe als früher in Füllejahren.

 

Was kann man tun?
Wenn das Kernspin-Bild die Antwort gibt, beginnt die Suche nach der Frage. Das bildhafte Sehen dominiert alle anderen Sinneswahrnehmungen. Mit den Augen erfahren wir sehr schnell sehr viel über unsere Umwelt. Bei Bedrohungen verlassen wir uns besonders auf das Augenlicht, weil wir alles schwarz auf weiss kommen sehen und darauf reagieren können. Gleichzeitig neigen wir dazu, Tatsachen zu ignorieren, die wir nicht sehen und damit begreifen können. Aber niemand muss  den Heuhaufen grösser machen, um eine Stecknadel zu finden, die vermeintlich piekst.
Umzingelt von Experten gestatten wir vor lauter Daten die anderen Empfindungen nicht mehr. Wer Funktionsstörungen wie eine körperliche Erkrankung empfindet, fühlt sich aufgerufen, nach einer organischen Ursache zu suchen, ohne an eine andere Entstehung zu denken. Beschwerden sind oft nicht mit den üblichen Schäden auf Bildern und mit vorzeitigem Verschleiß von Gelenkknorpel, Meniskus, Bandscheibe, Schleimbeutel oder gar Fersensporn zu erklären. Die Irrwege der Vergangenheit mit übermäßiger Beleuchtung  von Strukturen an den Ecken und Kanten des Muskelskeletts müssen wir nicht noch einmal gehen. Sondern versuchen, nicht Wirkungen mit Wahrnehmung zu verwechseln und die mehrstufige Abfolge von nervösen Reaktionen an Schaltstellen und Übergängen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu versehen. Die Spannung darüber kann niemand woanders am Schnittbild erklären, sondern nur hier und jetzt am eigenen Leibe begreifen.
Für die Frage, was man tun oder geschehen lassen muss, um unangenehme Bewegungskrisen zu ändern, ist nicht der messbare Ausschnitt zentral, sondern die sensible Durchsicht notwendig, um zu erfassen was den Organismus daran hindert, sich selbst zu regulieren. Geht es um diese  gehemmte Funktion, wird es Zeit, sich abzuwenden von dem mechanischem Körperbild, worin ein Skelett mit Organen darin von mehr oder weniger schwachen Muskeln gestützt, gedämpft und geführt wird. Um zu der Überzeugung zu kommen, dass nicht die Kraft der Muskeln, sondern der ständige Reizverkehr im Nervensystem die menschliche Biologie in jedem Augenblick koordiniert.
Wollen wir schreckhaft verkörperte Funktionsstörungen loswerden, nützt es wenig, das unspezifisch gesteuerte Muskelskelett mit spezifischen Übungen zu beschäftigen. Gewohnheiten und Abwehrmechanismen kann niemand mit einem einfachen Willensentschluss ändern. Dazu braucht es den Affekt, also neue Situationen in denen sich das gute Gefühl wie von selbst einstellt und alles wieder passt.

 

 

Wenn es Neues gibt,
muß man Anpassungen leisten. Meistens gelingt dies, manchmal passt es eben nicht. Im unkritischen Zustand werden alle Muskeln bereits von zentral, also auf höchster Signalebene, für die nächste Situation und  Stellung im Raum vorbereitet. Weil sich in unserer beschleunigten Welt die Reizumgebung übermäßig ändert, muss für jede neue Wirklichkeit immer mehr vollbracht werden.
Wir sind also keine starren Biocomputer und verschleißen nicht wie bewegliche Maschinen, sondern denken voraus und bauen uns vor Schreck ständig im Schlaf-Wach-Rhythmus um. Niemand bleibt der, der er ist. Jeder ist auf Informationen über Schmerz, Bewegung und Außentemperatur angewiesen, um aktiv bleiben zu können. Störungen im Reizverkehr sind nicht zu vermeiden.
Unzählige Nervenenden, Nozizeptoren  genannt, bilden in oberflächlichen Hüllen und tiefen Übergängen des Organismus ein Frühwarnsystem, das bei drohender Gefahr den gesamten Körper engagiert, um das Muskelskelett zu Schutzhandlungen zu bewegen. Diese leicht erregbaren Schmerzfühler sind auf die Aufnahme von mechanischen, chemischen und thermischen Schadreizen spezialisiert und leiten elektrochemische Signale von überall her nach Umschaltung im Rückenmark zentral an das Gehirn. Wodurch neben einer reflexartigen Reaktion auch Schmerzempfinden ausgelöst werden soll, was dem Schutz der betroffenen Region dient.
Der grundlegend neue Aspekt, wonach der muskuloskelettale Schmerz nicht notwendig aus einer Schädigung sondern auch aus einer unbewusst falschen Vorhersage entsteht, ist von der neuro-wissenschaftlichen Forschung schon lange geklärt. Nur nicht im praktischen Alltag vernetzt, denn wir sind greifbare Dinge gewohnt, wollen Übungen haben und nicht Teil des Problems sein. Das Denken in Wahrscheinlichkeiten ist uns nicht in die Wiege gelegt. Trotzdem regen andauernde, wiederholte und chronische Schmerzreize irgendwo im Körper die Nozizeptoren im Rückenmark zu engerer Verschaltung von Erregung und Hemmung an. Gleichzeitig vergrößern sich die entsprechenden neuronalen Netzwerke in der sensorischen Hirnrinde, bis schon leichte Reize wie Berührung, Dehnung oder Kälte eine Schmerzempfindung auslösen. Es entsteht ein vorsensitiviertes Terrain, das durch einen Bagatellreiz als Muskelschmerz und Hautirritation in Erscheinung treten kann. Wer immer noch meint, Schmerz sei Bitten der Muskelzelle um reine Kraft, wird abgeholt.

 

Die Lernkurve für die sichere Anwendung der selbstwirksamen manuellen Behandlung ist lang und das Ergebnis ist offen, wie bei jeder anderen ernsthaft geprüften und legendenfreien Massnahme auch. Um da einzugreifen, wo es hakt und die Fasern und Fäden zusammenlaufen und nicht da, wo es weh tut, braucht es das Gehirn.
Nach allem, was man von den Neurobiologen so hört und liest, ist die Deutung der Signale im Grosshirn die hinreichende Voraussetzung für die Sinneswahrnehmung unseres Körpers als Einheit. Demnach kann das Ereignis " Schmerz! " nur im Netzwerk des schützenden Verhaltens und damit ausschliesslich im Gehirn verstanden werden. Dieser neuronale Kosmos ist mit dem körperlichen Rest untrennbar über den Blutkreislauf sowie einlaufende und ausgehende Nervenreize verbunden. Dort gibt es allerdings kein kleines Männchen, dem man Haltungsübungen beibringen kann. Gehirnzellen kennen gar keine Rückenmuskeln, Faszien, Bandscheiben oder Arthrosen. Sondern reizende Hemmungen oder Erregungen an den synaptischen Übergängen sowie Aktionsmuster aus seinen erlernten Erfahrungen heraus. Die Nervenareale beschäftigt nichts mehr, als derjenige, mit dem wir es gerade zu tun haben. 
Die Ausbildung zum D.O., dem doctor of osteopathics nach amerikanischem Vorbild ( DAAO.info ), geht weit über das eingeschränkte Gelenkspiel hinaus. Bereits vor hundert Jahren wurde dort erkannt und von Beginn im Studium der Medizin benannt, dass die Behandlung von Störungen in der Funktion  (als verklemmte Gesundheit ) ebenso einer ärztlich fundierten Ausbildung bedarf, wie die Reparatur von Defekten in der Struktur   ( als manifeste Krankheit ).
Auch hier bei uns werden inzwischen dem gesamten Bindegewebsgerüst wichtige Aufgaben, sowohl für die Integration der kraftvoll geführten Bewegung im Raum, als auch für die kraftraubend sichernde Schonhaltung  nach überschwelligen Nervenreizen zugeschrieben. Aufgeklärte Leute bezeichnen kräftige Muskeln, straffe Bänder, runde Gelenke und innere Organe als räumliche Struktur, während Funktion  das meint, was zeitlich  damit durch Nervenreiz, Blutfluss, Hormonhaushalt, Wasserstand, Immunabwehr und Gewebeentzündung wie von selbst passiert. Beide Aspekte geben dem Körper über Nacht die Form und angenehme oder unangenehme Gefühle informieren uns täglich darüber.
Fachlich erleben wir den Körper in diesen zwei verschiedenen Aspekten. Weil Ursachen nicht vor den Wirkungen eintreten können.
Zudem merken wir, dass es höllisch schmerzt, wenn die Hand den heissen Herd berührt, merken wir zwar augenblicklich. Aber erst, nachdem der Arm weg von der tatsächlichen oder vermeintlichen Bedrohung gezogen ist. Sowohl die Wahrnehmung ( das tut mir weh ! ) als auch das bewusste Erleben ( tut höllisch weh ! ) braucht seine Zeit. Nur im Schreck werden Ursache und Wirkung nahezu zeitgleich wahrgenommen. Ansonsten bestimmen Bewegung, Temperatur und Empfindung unser buntes Bild von der Wirklichkeit. So erleben wir hier täglich, dass die Sonne morgens im Osten auf- und abends im Westen wieder untergeht. Obwohl wir genau wissen, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Das Augenlicht ist in seiner Vorgeschichte bis zum Urknall hin bereits bis auf das Feinste erforscht. Der Augenblick, also das was uns selbst  widerfährt und aus der Fassung bringt, meistens nicht. Die Frage , was man selbst wirksam tun kann oder geschehen lassen muss, um wieder in Form zu kommen, hängt davon ab, in welchem Körperbild  das Selbst wirklich zu finden ist. 

 

Der Mutterwitz 
jeder Therapie ist, geronnene Geschichten mit Überzeugungskraft neu zu erzählen. ​Es ist unsere Natur, Geschichte zu haben und mit Bewusstsein  voraus zu blicken. Nichts beeindruckt uns mehr, als derjenige, mit dem wir es im Augenblick zu tun haben. Denn die Wirklichkeit ist das, was wir gerade denken. 
Im osteopathischen Konzept wird das ärztliche Denken nicht auf die Fehlbelastungen des Muskelskeletts und seine mechanische, biochemische oder thermische Reizüberflutung reduziert. Sondern darüber hinaus tastend versucht, mit geschultem Sinn das Wechselspiel zwischen autonomem Nervenkostüm, dem Hormonorchester und der komplex reagierenden Immunabwehr zu begreifen.
Die osteopathische Idee folgt nicht dem Ruf zurück zum Leben der Wilden.  Im beziehungsreichen Dialog kommen wir zurück zu der Tatsache, dass der Mensch in seiner Einheit von Körper und Geist das Maß aller Dinge ist und nicht alle Daten da draußen die Maßstäbe des Menschen sind. Und gemeinsam hin zu einer Denkkultur, welche die neuronale Verwirrung nicht weiter verstärkt, sondern wieder akzeptiert, dass Medikamente für die Gesundheit unnatürlich sind. Wodurch das Gesunde seinen natürlichen Platz in der Medizin zurückerhält. Heilung an sich braucht kein geschlossenes Körperbild, sondern ein gutes Stück Wahrheit und ist immer und grundsätzlich Selbstheilung. Der Arzt kann fachübergreifend nur Bedingungen schaffen, damit die Anpassung an die Umwelt wieder gelingt. In unserer Umwelt, dem beziehungsreichen Erlebnisraum  zwischen Gewebe, Gedärm, Gefühlen und Gesellschaft macht ein Gehirn nur das, was es kennt und nicht das, was man wünscht und dazu addiert, denn das Gehirn ( Organismus ) ist nicht das Selbst ( Bewusstsein ).
Was letztlich zu einer Überzeugung führt, welche die Weisheit des Körpers würdigt, der seit jeh die Heilwege kennt. Alles, was dahin wirkt, gehört zur Medizin. Alles andere in den Papierkorb. 

Zahlreiche Krankheiten
gehen mit einem gestörten Stoffwechsel einher und sind in den Gliedern schmerzhaft. Strukturschäden wie Arthrose, Stenose oder rheumatische Schwellungen können zwar extrem schmerzvoll, aber auch vollkommen schmerzfrei sein. Ebenso kann niemand vernünftig erklären, warum eine verrutschte Bandscheibe oder ein defektes Gelenk bei einem Menschen unbeherrschbar chronisch schmerzt, den anderen dagegen nicht nenneswert beeindruckt. Manchmal ist tatsächlich ein Gewebe verletzt, ein Organ defekt oder Nervenstrang schädlich gedrückt, aber sehr häufig spielen nur unzählige, auf Schadreize spezialisierte Nervenenden verrückt. Kleine Schwankungen können sich aufaddieren und schon haben wir ein spannendes Problem: Da verursacht plötzlich eine normale, sonst nicht schmerzhafte Bewegung ein stechendes Schmerzgefühl ( Allodynie ). Oder es entsteht vermehrte Empfindlichkeit schon auf eine einfache Berührung, Entzündung oder Immunreaktion hin ( Hyperalgesie ). Oder wiederholte Reize verändern die Schmerzschwelle und bewirken eine verstärkte Reaktion ( Hyperpathie ). Oder irgendeine Fehlspannung aus dem asymmetrisch vorerregten Muskelkorsett löst eine abnormal gemeine Wahrnehmung aus ( Dysästhesie ). Pausenlos treffen eingehende Reize aus tieferen oder oberflächlichen Körperbereichen im Rückenmark konvergierend zusammen und übertragen  die Reizflut gern über Schultern und Becken bis zu den Armen und Beinen. Nicht zu verwechseln mit dem projizierten Schmerz, der im Versorgungsgebiet von Nerven erscheint.  Zu all dem mischt sich Unsicherheit als ängstlicher Faktor in das unangenehme Geschehen ein. Durch therapeutische Fehlschläge, Panik vor Verlust oder Krisen in den Beziehungen zu Arbeit oder zum Nächsten spiralt sich ein Teufelskreis, welcher diese Faktoren ständig steigert, trennt, vermindert und anders gewichtet.
Selbst gestandene Leute sind manchmal von den Kräften da draußen nachhaltig beeindruckt. Andere nur im Augenblick nicht richtig davor. Vielen hängt noch der Schreck in den Knochen und einigen sitzt buchstäblich die Angst im Nacken. Zeitweise hält der ganze Körper fest und seine Gelenke stehen sich selbst im Weg.
Nur Älterwerden tut nicht weh, es muss noch die feingewebliche Entzündung   dazukommen.  Je älter man wird, um so starrer und langsamer arbeiten die Zellen. Die Immunabwehr läuft unrund, ist zusätzlich mit dem Abbau von überflüssigen Zellen beschäftigt und reagiert viel empfindlicher mit feiner Entzündungsreaktion in den bindegewebigen Hüllen der Muskeln und Gelenke. Ältere Gelenke erleben so etwas wie Dauerstress: zeitlich oder räumlich vorerregt, in der Blutzufuhr gedrosselt und in der Dosis zur Anpassung verlangsamt, genügt schon ein kleiner Stimulus, ein kalter Hauch, ein schräger Zug oder banaler Druck, um eine überschießend entzündliche Reizantwort hervorzurufen. Jede Entzündung hat eine zyklische Phase und enthält den Ansatz einer Spontanheilung. Die sensitivierte Bereitschaft, Entzündungsstoffe zu bilden, hängt von der Lebensweise, Ernährung und epigenetischen Stressfaktoren ab und ist bei Frauen stärker ausgeprägt, als bei gleichalten Männern. Frauen sind von Natur aus anders. 

 

 

 

Wie gesundes Leben gelingt,
is
t seit je eine philosophische Frage. Leider ist der Arzt kein Philosoph mehr. Er soll das Physikum bestehen, bei seinen Organen bleiben und sich nicht in Gedanken über die Wirklichkeit verlieren.
Aber Schmerz ist zweigeteilt. Schließlich gehen wir zum Arzt, weil uns unangenehm zumute ist und nicht, weil uns ein materiell-energetischer Reiz auf die Nerven geht. Einerseits entsteht zentral im Kopf ein unangenehmes Gefühl. Andererseits findet von Kopf bis Fuß ein physiko-chemischer Reizverkehr  zwischen Nervenzellen statt, der im Schadensfall auch Abwehrzellen motiviert, Entzündungsstoffe zu bilden, die Blutzufuhr zu drosseln und dort die bindegewebigen Hüllen zu lockern, um sofort mit der Heilung zu beginnen. Was  zwischen Gehirnen und Gelenken vorgeht und uns unangenehm erscheint, leuchtet bis jetzt auf keinem Bildschirm auf. Dass  spürbar irgendwas nicht stimmt, bewegt das gesunde Gefühl.
Das Ganze ist schwer zu verstehen, denn wir sind Ursachen gewohnt, möchten Übungen haben und nicht Teil des Problems sein.
Es geht aber ursächlich nicht darum, was uns der Körper schon wieder getan hat. Obwohl wir uns genau so verhalten, wenn wir den Muskel, die Bandscheibe oder die Arthrose sofort unter Generalverdacht stellen, den Sehsinn vorrangig befriedigen und umgehend ein radiologisches Fandungsfoto einfordern. Es kommt bei Bewegungskonflikten nicht so sehr auf die Gelenkbilder am Bildschirm, sondern auf die Bewegungsbilder im Kopf an. Denn das Muskelskelett ist Austragungsort und Projektionsfläche für alltägliche Ereignisse, instinktive Triebe und andere Abwehrmechanismen, bzw. Schwierigkeiten mit der Spannung darüber schmerzfrei umzugehen. In dem Wechselspiel zwischen Immunabwehr, Hormonorchester und Nervenkostüm haben wir es mit einer völlig normalen physiologischen  Reaktion des gesamten Organismus auf psychologische Strapazen zu tun, die für sein gesundes Überleben wichtig ist.
Es geht beileibe nicht darum, ob psychologische Faktoren eigenmächtig Verspannungen am Muskelskelett bewirken können. Wir sind doch nur verzogen und nicht verrückt. Es geht auch nicht dringlich um das spirituelle Gefühl, Teil eines Ganzen zu sein. Wir sind auch nicht verklärt.
Aber wir nehmen Reize nicht nur auf, sondern erleben sie auch. Schließlich gehen wir zum Arzt, weil uns unangenehm zumute ist, und nicht, weil uns ein materiell-energetischer Reiz auf die Nerven geht. Impulse und reizende Ereignisse, wie sie von einer Irritation eines Wirbelgelenks herrühren, betreffen uns nicht nur sensorisch unangenehm am eigenen Leibe, sondern fühlen sich auch noch irgendwie betroffen an. Wie von einem verzerrten Bild gesteuert: einerseits ungelenk aus der Form gezogen und in der Lauge der Gewöhnung schon livide verfärbt. Andererseits unsicher aus der Fassung geraten, wetterfühlig, kaum aushaltbar und zuwendungsbedürftig. 
In der Beziehung von Schmerzchemie  und Schmerzgefühl  geht es zwar um dem Zyklus von biologischer Bewegung und sensorischer Wahrnehmung wegen einer aktuellen oder vermeintlichen Gewebeschädigung. Aber vornehmlich um Wahrnehmungssteigerung, Gedächtnisleistungen und das Körperbild, das man ständig vor Augen oder im entscheidenden Augenblick von sich hat. 
Einfach nur gefühlt, gilt nicht als aufgeklärt. In der ewigen Frage, wie  Gefühle in die Körperwelt kommen, gibt es inzwischen keinerlei Grund mehr, an der Methode der Teilung von Körper und Geist festzuhalten. Es gibt nur historisch geprägte Denkschwierigkeiten, die Einheit von Körper, Geist und Seele in Worte zu fassen. Wenn es darum geht, Barrieren zu beseitigen, welche das Muskelskelett daran hindern, sich selbst zu heilen, sollte man nicht Ursache mit Wahrnehmung verwechseln. Es geht schließlich darum zu begreifen, was hier und jetzt verkörpert und irgendwie von selbst gewollt

Ständig gibt das bestmögliche Fliessgleichgewicht dem Körper die Form. Aus dieser spannenden Beziehung nehmen wir unsere Kraft. Manche Schwäche ist in einem merkwürdigen Erzählstrom aus Ahnungen, Atmosphären, Ängsten, Abwehrmechanismen und anderen hemmenden Sachverhalten verborgen.
Durch die Aufmerksamkeit, die wir in eine Situation einbringen, setzen wir das Vorbild für die Wirklichkeit, aus dem unser Körperbild entsteht. Was die Muskeln gelegentlich durch solche Stoffe erzittern läßt, welche die Signale von Nerven an die Muskeln übermitteln. Für die Kategorie der gesteigerten Körperempfindungen fehlen noch die erklärenden Begriffe. Meist schweifen nur lose Worte aus dem biomedizinischen Maschinenbaukasten verbindungslos zwischen Verspannung und Verschleiß umher. Gott, der Evolution oder anderen unentwegten Erstbewegern sei Dank, verhält sich eine Maschine nicht und wir verschleißen nicht, sondern bauen uns in jedem Augenblick neu um. 

Je weiter man sich in sein Wissen vertieft, desto mehr wendet man sich ab von dem mechanischen Körperbild, als einem stabilen Skelett, welches innen die Organe zum reibungslosen Leben beherbergt und außen von den Muskeln nach geplanten Kräften geführt wird. 
Um zu der Sicht eines lebendigen Organismus mit einem gespannten Skelett darin zu kommen, dessen knöcherne Funktion dem Ganzen bloß die verdichtete Form gibt. Deren stoffliche Vorgänge für all das, was als Beweggründe dazukomme, zur Anpassung bereit ist.
Folglich wird man sich eher von einem vermeintlichen Knochendefekt abwenden und dem Fliessgleichgewicht einer selbstregulierenden Dynamik von bindegewebigen Hüllen und schwankenden Flüssigkeiten zuwenden. Und bemerken, dass die Grundspannung des Muskelskeletts einen stetig einlaufenden Impulsstrom verkörpert und dort als Summe aller geronnenen Bewegungen im Netzwerk erscheint. Zeitgleich irgendwie getrieben von Stimmungen, Überzeugungen und Deutungen, die sich ihrerseits Raum zur Wahrnehmung und Zeit für die Betonung nehmen. ​Nur der letzte Augenblick sitzt obenauf. Diese kleinste Einheit des Bewusstseins treibt darin ihr wechselseitiges Spiel. 

 

 

Indem wir so eindringlich wie absichtslos auf die Ordnung der Schaltknoten von Nerven der Segmente, Gelenke, Muskeln, Bänder, Bindegewebe und Gefäße einwirken, kann sich die verlorene Abstimmung zwischen Körperschema und Wirklichkeit wieder einstellen und das unsichere Gefühl darüber erholen ( Kohärenz ). Neben der rückwirkendenEinstellung der Gelenke ordnen sich auch Atmung, Verdauung und Blutfluss wieder in das Fließgleichgewicht ein ( Homöostase ). 
Die Behandlung beginnt, sobald man die Liege verlassen hat. Nicht immer erfolgreich oder von heute auf morgen. Aber in der Rückwirkung tut es schon gut, wenn man weiß, was drinnen vorgeht und jemand uns dabei hilft. ​Um aus dieser Einsicht zu lernen, was der Körper mit seinem Labor von selbst versucht, um das bestmögliche Ordnung wieder zu finden. 
Der osteopathisch konzentrierte Arzt hört genau zu, was der Patient erzählt, aber hört nicht hin. Sein Fingerspitzenprinzip ist kein Geschäftsmodell, sondern nimmt passiv den Vorrang der Bewegung als Ausgangspunkt ernst und erfasst taktil zugleich das, was der Mensch sonst noch so mit sich bringt, wenn er tiefenverspannt als Patient erscheint.

 

Andere  Chancen
hat das Tasten. Dichter dran, bleibt der ärztliche Tastsinn das aufmerksamste Diagnosemittel, um sich ein schlüssiges Bild von der Bewegungshemmung im Bindegewebsgerüst zu machen, das Risiko von Fehleinschätzungen zu mindern und rechtzeitig positiv rückkoppelnd einzugreifen. Seine Empfindlichkeit und Energie verfeinert sich durch stetigen Gebrauch. Es ist vor allem eine Sache des Fingerspitzengefühls, um die asymmetrische Verspannung, empfindliche Verdichtung, entzündliche Verklebung oder fibröse Versteifung tiefer Gewebeschichten (myofasziale Dysfunktion) in ihrer jeweiligen Bedeutung zu begreifen. Sein Sinn nimmt passiv den Vorrang der Bewegung als Ausgangspunkt ernst und erfasst taktil zugleich das, was der Mensch sonst noch so mit sich bringt, wenn er tiefenverspannt als Patient erscheint.
Man kann aber nicht einfach nur hingehen und irgendwelche Manipulationen am Gewebe vornehmen. Das Ereignis Schmerz kann nur im Netzwerk des schützenden Verhaltens und damit ausschließlich im Gehirn verstanden werden. Dieser neuronale Kosmos ist mit dem körperlichen Rest untrennbar über aufsteigend sowie absteigend wirkende Nervenbahnen verbunden. Deshalb hört der osteopathisch denkende Arzt genau zu, was der Patient erzählt, aber hört nicht hin. Um zu begreifen wie es ist, ein Gehirn zu sein, muss man horchen. Horchen ist eine anstrengende Arbeit, egal wie lange es dauert. Dazu braucht es einen Ort, wo die Organe zur Ruhe kommen.
Nur wenige Reize waren nötig, um das Gewebe zu verziehen. Folglich sind schon sorgsam platzierte Impulse fähig, das Nervengeflecht zum Nachlassen anzuregen und den Organismus zu veranlassen, das Gelenk in seine gesunde Position zurückzuholen. Wenn alles still ist, passiert am meisten. Oft ist nur die Gesundheit verklemmt, absteigend die Schmerzbremse gehemmt und die Ausrichtung der Gelenke untereinander verdrängt. In der Schieflage haben wir keinen Schaden, sondern wirken rückkoppelnd gereizt. Angedockt an die Erfahrung eines ganzen Beruflebens, bleibt die ärztliche Tastwelt ein urteilsfähiger Sachverhalt, den man gelten lassen muss, um den Schmerz in Muskelskekett zu verstehen. Deutlich für den, der gefunden hat, was er suchte. Unsichtbar für den, der gar nicht wahrnimmt, dass es dort erwas zu suchen gibt.
Ohne dunkle Wirkmächte  zu bemühen, dauert eine Therapiesitzung etwa eine halbe Stunde. Mehr ist zwar angenehm, aber weder notwendig, noch sinnvoll, denn die Dosis macht das Gift und die Behandlung beginnt, sobald man die Liege verlassen hat. Den Rest erledigt Mutter Natur. Nicht immer erfolgreich oder von heute auf morgen. Aber in der Rückwirkung tut es schon gut, wenn man weiß, was drinnen vorgeht und jemand uns dabei hilft. Die Zellen mögen nämlich keinen Kampf, sie möchten überredet werden.