Schmerz am Muskelskelett

Ist zum Glück 
äußerlich nichts verletzt ( Hautschmerz ), der Nerv an sich nicht bedrückt ( Nervenschmerz ) und das Gelenk noch entzündungsfrei ( Organschmerz ), helfen örtliche Methoden nur kurzfristig. Das ewige Stechen, Brennen oder Ziehen im Muskelskelett ( Spannungsschmerz ) ist unspezifisch, d.h. das unangenehme Gefühl entsteht weder da, wo es weh tut, noch plötzlich. Diese wiederholt aus dem Nichts auftauchende Nervensäge ist ein großer Lügner und weder räumlich noch zeitlich zu fassen. Der schreckhafte Spannungsstau zeigt sein Schmerzgesicht morgens anders als abends, im Sitzen anders als im Stehen und im Training anders als in Trance. Man kann nicht wissen, wo es zwischendurch war. Seine Bereitschaft zur Verwirrung startet reflexartig als gutgemeinte Schutzreaktion, wird peripher erregt, zentralnervös verschaltet, absteigend gehemmt, rückwirkend in nachfolgende Glieder übertragen und endet als Vorbote namhafter Gelenkkrankheiten. Das ist bedrohlich, ungewiss und soll nicht sein.

 

 

Im akuten Fall 
läßt sich die Schmerzchemie  mit bewährten Mitteln aus dem Supermarkt der modernen Biomedizin bekämpfen. Diese Erfolge sind möglich, weil der Organismus bis hinauf zu den Genen traditionell als " biochemische Maschine " in seine Bestandteile zerlegt, von fremden Erregern befreit und ein Schaden getrennt von privaten Innenwelten repariert werden kann.
Im chronischen  Verlauf, wo mehr der Umgang mit dem Schmerzgefühl  eine unerträgliche Rolle spielt, sind andere Strategien notwendig. Gefangen in unserer ureigenen Fähigkeit zur Hemmung, führt das Muskelskelett oft ein sinnloses Eigenleben. Gegen unstimmige Abwehrmechanismen ist kein Kraut gewachsen.  Zu sehr prägen feine Risse im wechselhaften Bezug zur Umwelt unser Anpassungsverhalten.Mit Umwelt ist nicht die tote Materie gemeint, die überall in Sichtweite herumliegt, sondern die leidige Begegnung mit physikalischen Bedingungen, biochemischen Bindungen, familiären Beziehungen, psychischen Belastungen, sozialen Beschränkungen oder kulturellen Bedeutungen im Bewusstseinsraum zwischen erregter Gesellschaft und bewegtem Gewebe, mit dem wir es unwillkürlich und allgegenwärtig, hier und jetzt zu tun haben. 
Dazwischen bringt der osteopathisch geschulte Arzt sich selbst mit ein und sucht feinfühlig weiter nach " myofascialen Dysfunktionen  ".  Das sind diese schwer vermittelbaren Spannungsstörungen in bindegewebigen Hüllen, welche nicht da wo es weh tut, sondern dort wo es hakt entstehen, schreckhaft wie in ein Muster entweichen, empfindliche Reize übertragen, unschuldige Gelenke aus der Position ziehen, die Schmerzbremse lösen, feinste Blutrouten drosseln, führende Muskeln verschalten, gehemmt und erregt zugleich in Bewegungsstau erstarren, begleitend das Bindegewebe verdichten, still zum Flächenbrand ausweiten, entzündlich verkleben, fibrös versteifen, unsicher auf sich selbst zurückwirken, nachhaltig auf die Stimmung drücken und dabei heimlich spotten über die Illusion, man müsse immer irgendetwas tun.

 

 

Lassen Sie sich nicht beirren,
die meisten orthopädischen Probleme sind noch keine. Bei mehr als 80% der Beschwerden im Muskelskelett sind nirgendwo körperliche Auslöser in den Gelenkstrukturen nachweisbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass der radiologische Befund nicht passt, ist ebenso hoch. Zwar bildet im Ernstfall die jederzeit zur Verfügung stehende Medizintechnik das Muskelskelett punktgenau schwarz auf weiß, sein Sensorium jedoch für gewöhnlich nicht hinreichend lebensnah ab. Ist ein Vorfall stumm, kann die Diagnose weg.
Wenn das Kernspin-Bild  die Antwort gibt, beginnt die Suche nach der Frage. Leider sind wir nur begrenzt fähig, alles in einem Bericht wiederzugeben. Deshalb fragen wir nicht umfassend, was hier und jetzt unsere Gesundheit empfindlich stört, sondern andere, ob krankes Gewebe uns etwas getan hat. Wer Funktionsstörungen wie eine körperliche Erkrankung empfindet, fühlt sich aufgerufen, nach einer organischen Ursache zu suchen, ohne an eine andere Entstehung zu denken. Zudem gibt es kein physikalisches Gesetz und keinen vernünftigen Grund, warum ein gestautes Gewebe an Armen und Beinen, am Rücken oder im Kopf nicht heilt. Dagegen behindern reizende Vorgänge, sowie gut vernetzte Beweggründe  die Bewegungsfreiheit autonom, rückkoppelnd, mehrstufig und zugleich.  
Oft ist nur die Gesundheit verklemmt, die Fähigkeit zum Ausgleich gehemmt und die Ausrichtung der Gelenke untereinander gekrängt. In der Schieflage haben wir keinen Schaden, sondern wirken nachhaltig gereizt. Die Spannung darüber kann niemand woanders am Schnittbild erklären, sondern nur hier und jetzt am eigenen Leibe verstehen. Für den Stress, den der Rücken mit seinem Inhaber hat, fehlen noch die Worte.
Was  zwischen Gehirnen und Gelenken vorgeht und uns unangenehm erscheint, leuchtet bis jetzt auf keinem Bildschirm auf. Dass  spürbar irgendwas nicht stimmt, bewegt das gesunde Gefühl.

 

Spannungsstörungen 
in oberflächlichen Hüllen und tiefen Übergängen erscheinen oft bei unpassender Gelegenheit als Schadensmeldung. Zunächst hervorgerufen durch lästigen Druck, ungeschickten Zug, saures Milieu, kalte Luft oder schwelende Entzündung aus Tagen wie diesen. Nachträglich bemerkt auf gepressten Rippen, mit gewürgten Gelenken, geschnürtem Magen, gedrosselten Gefäßen und gereiztem Darm. Im Fliessgleichgewicht gestört bei der Arbeit der Moleküle im Austausch der Zellen untereinander. Entgleist im rasanten Kampf mit internen Einrissen, giftigen Erregern, ollen Kamellen, feinsten Partikeln, faulen Zähnen, bösen Zellen, schlechten Nachrichten oder anderen Eindringlingen aus fremden Gefilden. Bedrohlich erlebt als drückende Enge, fließende Fülle, gewaltige Wucht, lähmende Kälte, schneidende Schärfe, vermeintliche Schwäche oder unsichere Kontrolle. Kreuzweise verstärkt durch seelische Stolpersteine, frustrane Suche, blinde Wut, flüchtige Furcht, Panik vor Verlust und anderen Abwehrmechanismen, bzw. Schwierigkeiten, mit der Spannung darüber schmerzfrei umzugehen. Immer skeptisch gemustert von der Weisheit des Körpers mit seinem aufmerksamen Nervenkostüm.
Gemeinsame Folge ist ein spürbar empfindlich feingeweblich asymmetrischer Bewegungsverlust  von mehreren Gelenken, Segmenten und Organen, samt ihrer faszialen Hüllen, Muskelketten, Gefäßbahnen und Nervenstränge. Weniger durch die Matratze verursacht, als darauf über Nacht schrittweise übertragen und daher morgens unangenehm empfunden. 
Einige spüren ihren Leib erst nach Beschleunigung oder Erschöpfung. Andere haben von vornherein eing          esehen, dass der Körper nicht nur zum Essen, Trinken und Befriedigung von Bedürfnissen dient, sondern sein Schicksal in sich hat. Aus dieser Einsicht findet alles, was Menschen sonst noch so in ihrer Einheit aus Nervenkostüm, Hormonorchester, Microbenzoo und Immunabwehr mit Selbstbewusstsein betreiben, seine Ausdrucksform im Muskelskelett. Dort, wo der Zufall stark wirkt und Gewebehemmungen erscheinen, die durch das autonome Nervensystem  vermittelt werden.
Rückenblockaden, Gelenksteife, Muskelmüdigkeit und Gewebebarrieren, die sich in Ruhe einfach nicht gut anfühlen, sind unzertrennlich mit reizenden Lebensgeschichten verbunden. Davon gibt es so viele, wie es Augenblicke gibt.

 

 

Das Bild ist bunt.
Zwar sind viele Gelenke tatsächlich nicht mehr so frei beweglich wie zuvor, aber noch völlig intakt. Nur durch blutarme Muskeln, erregte Nerven, saures Bindegewebe und falsche Vorstellungen sinnlos verzogen. ​Andauernde, wiederholte und chronische Schmerzreize irgendwo im Körper regen auf Schadreize spezialisierte Nervenzellen im Rückenmark zu engerer Verschaltung von Erregung und Hemmung an. Gleichzeitig vergrößern sich die entsprechenden neuronalen Netzwerke in der sensorischen Hirnrinde, bis schon leichte Reize wie Berührung, Dehnung oder Kälte eine Schmerzempfindung auslösen. Es entsteht innen ein vorsensibilisiertes Terrain, das durch einen Bagatellreiz von außen als Muskelschmerz oder Hautirritation in Erscheinung treten kann.
Der grundlegend neue Aspekt, wonach der muskuloskelettale Schmerz nicht notwendig aus einer Schädigung sondern auch aus einer unbewusst falschen Vorhersage entsteht, ist von der neuro-wissenschaftlichen Forschung schon lange geklärt. Nur nicht im praktischen Alltag vernetzt, denn wir sind greifbare Dinge gewohnt. Das Denken in Vorhersagen ist uns nicht in die Wiege gelegt.
Das launische Gefühl dafür schon. Übersät von feinen Nervenenden, kommt der Mensch als aufrecht gehendes Gefühlsorgan daher. Sein Skelett dient nicht als Basis, sondern gibt uns nur die Form und trägt alles was wir erlebt haben, mit sich herum. In täglicher Praxis kann man sich kaum dem Eindruck entziehen, als sei das Muskelskelett sowohl Bewegungsapparat, der uns tagsüber kräftig führt, ausdauernd dämpft, flexibel stützt und schnell einstellt, als auch Austragungsort  und Projektionsfläche  für jede Überlast im inneren und äußeren Milieu, die uns nachts kraftraubend verzieht, reflektorisch verstopft, entzündlich verklebt und fibrös versteift. Auch für Fachleute die ihr Handwerk verstehen, ist es schwierig das motorische  von dem sensorischen  Gewebeverhalten und die reflektorischen  von den vegetativen  Auswirkungen am Muskel-Faszien-Gerüst zu trennen. 
Für die Antwort auf die Frage, was man tun oder geschehen lassen muss, um die unangenehme Bewegungsklemme zu beenden, ist nicht der Ausschnitt zentral, sondern die Durchsicht nach Hemmnissen notwendig.

 

 

Der Charakter von Schmerz 
am Muskelskelett wird von den beiden großen Erscheinungsbildern bestimmt. Zum einen der neuropathische Schmerz, hervorgerufen durch eine tatsächlich traumatische, entzündliche oder toxische Schädigung der Nervenstränge  im peripheren Verlauf, im Geflecht, an der Wurzel oder innerhalb der zentralen Nerven von Rückenmark und Gehirn. Mit Auswirkung im jeweiligen Versorgungsgebiet. Dieser Nervenschmerz macht sich, neben sensiblen Ausfällen und Informationsverlust, vor allem durch gut lokalisierbare Schmerzattacken, zwischen dem unangenehm bohrend empfundenen Dauergefühl, bemerkbar. Eine Abnahme der Konzentration von schmerzauslösenden Substanzen mit herabgesetzer Empfindlichkeit an einer Stelle, kann zu Übererregbarkeit mit unkontrollierter Feuerrate und brennenden Schmerz an anderen Orten führen. Verantwortlich sind neben Giften, Schadstoffen, Medikamenten, Alkohol, Zuckerkrankheit, Autoimmundefekten, Chemotherapie, Zoster und Erkrankungen von Magen, Darm und Zähnen auch Kompressionen und andere Engpässe nach Knochenbrüchen, Quetschungen, Verstauchungen und bindegewebigen Fibrosen.
Also dann, wenn kein unmittelbarer Bezug zu einer ungeschickten Bewegung, verstelltem Gelenk, fremden Eindringlingen, gepresster Atmung, entgleister Verdauung, beschleunigtem Kreislauf, belastenden Strapaze oder unseligen Hiobsbotschaft besteht.
Mit solch unangenehmen Episoden ist der nozizeptive Schmerz  verbunden, welcher nicht nur durch die tatsächliche, sondern auch durch eine vermeintliche mechanische, thermische oder chemische Schädigung von Körpergewebe  entsteht und reflexartige Abwehrreaktionen im Muskelskelett bewirkt. Auslöser sind oft irritierte Wirbelsegmente und ihre folgenreiche Verkettung mit entfernteren Muskeln, deren saurer und blutarmer Umgebung sowie Freisetzung von Schmerzchemie. Die schlechte örtliche Bestimmung, die starke Tendenz zur selbstgesetzten Übertragung und das reißende, krampfende oder drückende Temperament ist oft in Ruhe schwer zu ertragen. Bei jeder Bewegung schwindet die übermäßige Mißempfindung meist überzufällig häufig. Im Gegensatz zum Nervenschmerz sind hier die Nervensysteme weitgehend intakt, jedoch auf ihren feinen Übermittlungspfaden hocherregt. 

 

 

 

 

 

Der fachübergreifende Konsens 
ergreift nun zögerlich, aber wegweisend das Wort. Das Brauchtum der Funktionäre, machtvolle Leitlinien zu erfinden, geht auch an den weißesten Kitteln nicht spurlos vorbei. Weil den Beschwerden am Muskelskelett eine teure Bereitschaft zur Chronifizierung innewohnt, wird zumindest die Behandlung vom unspezifischen Schmerz im Kreuz  in den Katalogen gelistet, indem zwei, ihrem Wesen nach schlecht spezifizierbare Ereignisse, zu einer spezifischen Ursache umgewidmet werden: 
1. Zum einen die isolierte segmentale Blockierung  der Lendenwirbel. Früher als mechanische Verdrehung eines Wirbelgelenks von Chirotherapeuten in der Stellung korrigiert. Heute kommt es auf das Begreifen des neuroreflektorischen Mechanismus an, welcher ein oder mehrere Segmente hemmt. Anders als bei einer  spezifischen Gelenkschädigung hält die motorische und sympathische Systemaktivierung mindestens eine Bewegungsrichtung frei. Die sieben Hals-, zwölf Brust- und fünf Lendenwirbel bilden mit dem Kreuzbein die Wirbelsäule und halten ihre Segmente stabil und beweglich zugleich. Dazwischen treten die Leitungsfasern der motorisch, sensorisch, reflektorisch und vegetativ arbeitenden Nerven aus, um das Gehirn über Schaltknoten für ausgehende Befehle mit den Informationen aus der Peripherie zu versorgen.
Im peripheren Muskelskelett arbeitet diese neuronale Steuerung mit den passiv wirkenden Elementen aus knöchernen, kapsulären und bandartigen Strukturen und aktiv handelnden Muskeln immer und ausnahmslos zusammen. Keines dieser Teilsysteme kann unabhängig von anderen seine Leistungsfähigkeit entfalten, jedoch Mängel der anderen kompensieren. So flieht, kämpft oder erstarrt ein myofaszial geführtes Segment gemeinsam und verbleibt solange gehemmt und angespannt zugleich, bis ein beruhigender Impuls den Reflex abschaltet, ihr Gelenk in seine alte Position integriert und den Blutfluss wieder spontan reguliert. Das klinische Bild entspricht einer durch nozizepive Summation von Schadreizen hervorgerufenen Verspannung der tiefen autonom arbeitenden Rückenmuskeln, welche diesen Blockierungseffekt herbeiführen. Manchmal wirkt schon ein kräftiger Ruck zur richtigen Zeit am richtigen Ort befreiend für den nervigen Bewegungskonflikt. 
 

2. Zum anderen muss niemand zwangsläufig vom Ende aus, sondern jeder kann von der Entstehung her die Lösung suchen. Diese Rücksicht fordert die myofasziale Dysfunktion  des unteren Rückens. Mit dieser Metapher aus hocherregtem Spannungszustand und komplex gestörtem Bewegungsmuster des Beckenring, seinen eigenwillig projiziert oder übertragenen Schmerzpunkten, dem spürbaren Elastizitätsverlust und gebremsten Gleitverhalten, der gedrosselten Blutzufuhr, der Durchlässigkeit für gelöste Substanzen, dem Stau von Schmerzchemie sowie Senkung des Säurewerts in den Geweben der Segmente, Gelenke, Muskeln, Bänder und Faszien, ist immerhin eine ganze Reihe schmerzauslösender Mechanismen zusammengefasst. 
Womit heimlich die Antwort des gesamten Organismus  auf die Reizsummation zwischen Nervenkostüm und Immunverhalten in den evidenzbasierten Praxisalltag eingebracht wird. Entscheidend für das Schmerzverständnis und die Behandlungsoption ist die Situation auf den Schaltebenen zwischen den Wirbelsegmenten. Sämtliche Schadreize aus der Haut, den myofaszialen Einheiten und inneren Organen werden auf solchen Nervenzellen im Rückenmark integriert und umgeschaltet, welche eine niedrige Erregungsschwelle und große Aufnahmebereitschaft haben. Ein Pool von Verteilungszellen zwischen den Wirbelsegmenten gibt diese einlaufenden Meldungen zusammen mit dem Zustand der Muskelspannung weiter an aufsteigende Bahnen, damit je nach Summation der Informationsfluss regulatorisch gebremst oder beschleunigt werden kann.
Nicht nur die tiefen kurzen Rotatoren der autochtonen Muskulatur  sind nervös auf den Reizverkehr umlaufend eingestellt. Auch die senso-motorischen Extremitätenmuskeln werden in erster Linie aus den Ästen im Versorgungsgebiet ihrer Nerven in dem zentralen Segment effektiv erregt oder gehemmt. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass die Summation aller einlaufenden, nicht nur schmerzauslösenden Reize in den breit aufgestellten Schaltneuronen einen Schwellenwert übersteigen lassen, welcher selbst zur Aktivierung beiträgt. Unter Summation versteht man die Verrechnung von eintreffenden Nervenimpulsen, die entweder eine erregende oder eine hemmende Wirkung auf die Weiterleitung haben können. Wenn mehrere Impulse zur gleichen Zeit eintreffen, spricht man von räumlicher Summation. Wird der Schwellenwert durch eine wiederholt in kurzen Abständen eingehende Impulsfolge erreicht, ist die Summation zeitlich entstanden. Der Schmerzwahrnehmung ist diese neurophysiologische Spitzfindigkeit gleichgültig, weil die unangenehme Empfindung allein aus dem Überlauf der Entladungsfrequenz von Umschaltneuronen im Rückenmark beruhen soll. 
Im Stau stehen Pharmazie, Homöopathie, Akupunktur  und Neuraltherapie  gemeinsam an der Kreuzung und warten auf positive Rückkopplung. Während das osteopathische Konzept  absichtslos in den sauren Stoffverkehr eingreift und im Dialog die Kehrtwende zum gesunden Gefühl selbstwirksam vermittelt. Die Zellen mögen nämlich keinen Kampf, sie möchten überredet werden.

 

 

Myofasziale Beschwerden
sind alle nervigen Empfindungen im Muskelskelett, welche mit dem nozizeptiven Schmerzsystem  im Besonderen und dem Immunverhalten  im Allgemeinen begründet sind. Der Sinnesempfindung von Schmerz wird die Aufnahme und Verarbeitung von tatsächlichen oder vermeintlichen Schadreizen im Gewebe gegenübergestellt. Grundlegend forschende Leute berichten übereinstimmend wie wichtig es sei, die biochemische Aktivität der Nozizeption  als Ursache zu verstehen, wenn es darum geht, die Schmerzsituation richtig einzuschätzen. 
Die Aktivierung dieser feinen, schnell oder langsam leitenden Nervenfasern durch Schadreize bewirkt eine Freisetzung von Schmerzchemie und Ionen ( algogene Substanzen ). Diese Neuropeptide und nachfolgend freigesetzte Botenstoffe rufen am Ort der noxischen Reizung anfangs ein schwellendes Ödem, Austritt der Blutfülle und rötliche Färbung hervor, dessen Ausdehnung über die Reizstelle hinausgeht. Da diese Entzündungszeichen von unverletzten sensorischen Nerven ausgehen, wurde diese Reaktion schon früh neurogene Entzündung  genannt.
Da fast alle bindegewebigen Hüllen der menschlichen Organe, Gelenke und Gefäße von diesen nozizeptiven Nerven besät sind, kann diese Entzündung überall im Körper auftreten, zum zentralen Nervensystem im Rückenmark und Gehirn weiterleiten ( afferent) und auch dort entzündliche Reaktionen auslösen und womöglich sensibilisieren. Sensibilisierung bedeutet, dass das Reiz-Antwort-Verhalten der Nervenzellen im Rückenmark in einem Maße zunimmt, welches durch den Einstrom von Schadreizen allein nicht erklärt werden kann. Der physiologische Mechanismus für die Druck- und Zugempfindlichkeit des Muskels in der Peripherie besteht in der Sensibilisierung  dieser Nervenenden. Wenn Nozizeptoren eine Ruheaktivität entwickeln, tritt Spontanschmerz an der Stelle auf, wo die Erregung im Muskel ausgelöst wurde. Sehr häufig werden Muskelschmerzen jedoch in tiefe andere Gewebe übertragen und damit subjektiv fehllokalisiert. Hauptursache für übertragene Schmerzen, Ausbreitung in Nachbarregionen und Erregbarkeitssteigerungen bei banalen Reizen sind zentralbervöse Mechanismen bei der Umschaltung im Rückenmark. Praktisch bedeutet das, dass sich der Einflussbereich eines Muskelnerven im Rückenmark ausbreitet, sobald der von dem Nerven versorgte Muskel schmerzbedingt erregt, gehemmt oder, was wahrscheinlicher ist, in Schonfunktion ruhiggestellt ist.
Diese sensiblen Nervenzellen im Rückenmark, die den Muskelschmerz  vermitteln, sind einer sog. absteigenden Hemmung unterworfen, welche von den Hirnarealen ausgeht. Eine Fehlfunktion dieses physiologischen Hemmsystems wird der Entstehung von chronischen Beschwerden am Muskelskelett zugeordnet. Langanhaltende oder wiederkehrende Tätigkeiten bei Arbeit, Sport und Spielkönnen diese absteigende Hemmung verstärken. Die Folge ist dann nicht die Übererregbarkeit wie beim übertragenen Muskelschmerz, sondern eine reduzierte Schmerzempfindlichkeit, welche verhindert, dass Verletzungen, Verspannungen, Verdichtungen oder Verklebungen bemerkt werden. Umgekehrt kann natürlich eine anhaltende Unterfunktion dieses Hemmumgsmechanismus im Rücknemark eine Mitursache des chronschen Rückenschmerzes sein. Damit liegen die Ursachen für die als Muskelverspannungen bekannten Störungen wahrscheinlich außerhalb des merkbar verspannten Muskels.
Auf Rückenmarksebene erhalten spezialisierte Nervenzellen ( Neurone) ihre Signale auschließlich von den Noziceptoren an feinen Nervenenden  in den Gelenken, Organen und der Haut. Daneben empfangen breit aufgestellte Neurone ( WDR-Neurone ) auch Impulse aus dem nicht schadhaften Bereich und den inneren Organen, entladen dafür schneller und stärker. Alle noziceptiven Neurone des Rückenmarks leiten die Reizsummation entweder weiter in aufsteigende Bahnen  in übergeordnete Areale des Gehirns ( supraspinal ) oder sie sind auf Rückenmarksebene in motorische  und vegetative Reflexbögen  eingebunden. Damit wird ein Verhalten erzeugt, welches den Körper oder Teile davon unwillkürlich von der Gefahrenquelle entfernt. Ein typischer nozizeptiver Reflex ist der Beugereflex, mit dem man blitzschnell die Hand von der heißen Flamme wegzieht, das Bein beugen, wenn wir auf einen spitzen Stein treten oder in einer Schreckpause humpeln, wenn der Fuß plötzlich umknickt und den Schmerz erst später bemerkt, wenn das Bein schon in Sicherheit ist und in der Schreckpause auch nicht bewegt werden kann. Wenn es brenzlig wird, reicht die senso-motorische Antwort vom unwillkürlichen Lidschluß, Blockaden der Wirbel, Wegziehen der Gliedmaßen von Kopf bis Fuß, Störungen im Getriebe mit Ducken und Humpeln, bis zum hastigen Griff zur Tablette.

An diesen Beispielen wird deutlich, das diese Schutzreaktion aus verschiedenen Elementen besteht. Im Verbund von Wirbelsäule, Gelenken, Muskeln, Bändern und Faszien entstehen motorisch  geführte Bewegungen nach vorn. Während die rückkoppelnde Einstellung der Gelenke untereinander autonom und unwillkürlich wie von selbst passiert, um das betroffene Glied möglichst wenig zu bewegen durch Schonhaltung den gefühlten Schmerz zu mindern. Die sensorische  Komponente bewirkt, dass wir den Eingriff in unser Wohlbefinden nach Ort, Art, Intensität und Dauer zergliedern können. Der affektive  Bestandteil des Schmerzempfindens geht mit einer besonderen Unlust einher, die wir beim Sehen, Hören, Schmecken und Riechen nicht fühlen und auch nicht so kognitiv  mit früheren Erfahrungen bewerten. Der vegetative  Baustein des Schmerzes beschreibt Reaktionen des autonomen Nervensystems auf einen Schmerzreiz, wobei der sympathische Zweig zunächst den Blutdruck erhöht, die Pumpleistung steigert, die Atmung verstärkt und die Pupillen erweitert.

Die Frage, wo und wie weit das vegetative Nervensystem das nozizeptive Schmerzverhalten unterhält, verstärkt oder sogar auslöst, ist mit dem Immunsystem und der entzündlichen Gewebebeschaffenheit verbunden. Zentral ist bereits bekannt, dass die nervöse Endstrecke von vegetativen Nerven am Rückenmark mit den spezifischen Reflexkreisen im Hirnstamm und Schaltknoten im Zwischenhirn verknüpft sind, wo Informationen von Hormonorchester, Immunabwehr und Nervenkostüm zusammenlaufen.
In der Peripherie ist jedenfalls die Verteilung von feinen, schnell und langsam leitenden Nervenenden im Muskelskelett und den bindegewebigen Hüllen relativ gleichmäßig, an den Oberflächen empfindlich, im gesunden Gewebe zunächst stumm und bei flutendem Reiz verstärkt.
Episodisch vorerregt, gilt jede kleine Änderung des umgebenden Milieus bereits als Stimulus, wenn diese eine Reizantwort irgendwo in den Bewegungsorganen hervorruft. Lösen Schadreize stärkere Reize als normal aus, kann man zunächst vermuten, dass die Schmerzschwelle gesenkt ist. Das findet man häufig bei entzündeten Gelenken auf Schritt und Tritt. Allerdings entstehen Schmerzen nicht nur durch eine Aktivierung des noziceptiven Systems, sondern das gesamte zentrale Nervensystem und die Periphere arbeitet plastisch und lernfähig. Beispiel für diese funktionelle Plastizität  ist die  Sensitivierung, also die erhöhte Empfindlichkeit der noziceptiven Zellen. Dazu braucht es einen Überschuß an eingehenden Schmerzreizen aus der Peripherie. Dann zeigt eine derart sensibilisierte Zelle nach einer Weile gravierende Ausknospungen ihrer Übertragungskelche ( Synapsen ), was dazu führt, dass sowohl die aufsteigenden Signale zum Gehirn, als auch die Impulse auf dem gleichen Rückenmarkssegment verstärt aktiviert werden. Sensibilisierung bedeutet, dass das Reiz-Antwort-Verhalten der Nervenzellen im Rückenmark in einem Maße zunimmt, welches durch den Einstrom von Schadreizen allein nicht erklärt werden kann. Diese zentrale Sensibilisierung antwortet nicht nur verstärkt auf auf alle nachfolgenden Reize aus dem erkrankten Areal, sondern auch auf Reize aus den angrenzenden, nicht erkrankten Gebieten. Mit der entstehenden Entzündung durch Anhäufung von Schmerzchemie  dehnt sich das sogenannte rezeptive Feld der Nervenzelle auf die noch unberegte Nachbarzelle aus, was bedeutet, dass eine Entzündung in gesunde Gebiete expandiert. Von großem Interesse ist die Frage, ob nach dem Ablingen der Entzündung das Neuronenfeuer mit abschwächt oder ob die erhöhte Impulsrate noch unvermindert bestehen bleibt und chronisch  wird.

 

Dem gesamten Bindegewebsgerüst 
werden wichtige Aufgaben für die Integration der motorischen Bewegung im Raum und die vorsorglich sichernde Schonhaltung nach Schadreizen zugeschrieben. Neben veränderten Bewegungsmustern im Alter, nach Verletzung, durch Lebensstil, Wechseljahre oder Zuckerhaushalt gibt es zwei Grundmuster einer myofaszialen Dysfunktion, welche meist gemischt vorkommen. Zwischen den kollagenen Fasern  mehrerer Schichten einer Muskelfaszie liegt lockeres Bindegewebe, welches unter den neuro-chemischen Auswirkungen von Schadreizen viskös verdichtet, entzündlich verklebt  und damit die mechanische Verschiebung der Faserschichten wie Altöl vermindert. Das ist wohl die wesentlichste Ursache für den unspezifischen Schmerzreiz, wobei Wassergehalt, Säuren, Temperatur und Immobilisierung ihren wesentlichen Anteil nehmen.
Nach einer Weile oder unabhängig davon kann sich mit einer genetischen Bereitschaft das kollagene Fasergewebe, ähnlich einer Narbe, bis zum Verlust seiner gerichteten Faserarchitektur verkürzen und verfilzen. Vor allem führen Verletzung und Operation gern zu einer unnötig verlängerten Immobilisierung, welche die kollagenen Faszienschichten erheblich verdickt und deren Bewegung nachhaltig bremst. Die lockere bindegewebige Verdichtung ist leicht mit Wärme, Wasser und feinen Reizen zu lösen, während die kollagenen Fasern ungleich schwerer zu überreden und manchmal nur kräftig zu trennen sind. Es ist auch keine überraschende Tatsache mehr, dass fast alle Gelenkprobleme, nicht nur solche durch Unfälle, Altern, Infektionen oder Autoimmunkrankheiten, sondern auch jene feingeweblichen Entzündungen am Muskel-Faszien-Skelett sowohl mit immunologischen Faktoren und der Hormonausschüttung, als auch mit Nervenimpulsen wechselseitig wirken.
Die feinen Hüllen und festen Verbindungen der inneren Organe  und ihrer Versorgungsbahnen sind davon nicht ausgenommen. Auf den Rückenmarksneuronen stehen besondere Eingänge für die Noziception der Haut und den inneren Organen besondere Eingänge zur Verfügung.  Der sog. übertragene Schmerz, der aus Organstörungen entstammt und als Gewebeschmerz vielerorts knotenweise und punktuell im Bindegewebe zu finden ist, wird fälschlicherweise unabhängig vom Gehirn bestimmten Zonen zugeordnet. Auf den Rückenmarksneuronen stehen besondere Eingänge für die Noziception der Haut und den inneren Organen besondere Eingänge zur Verfügung, welche zur Entstehung übertragener Schmerzen beitrage. Hierbei werden scharf stechende sowie dumpfe Schmerzen nicht am inneren Organ empfunden, sondern im Muskel und Bindegewebe vermutet. Dieser typisch myofasziale Schmerz folgt jedoch nicht dem Dermatom in seiner regionalen Ausbreitung und nur selten dem Innervationsmuster des segmentalen Spinalnervs. Im Gegenteil, der übertragene Schmerz zieht gern um und wandert am Grat vom Organ über den Rücken ins Becken zu den Gliedmaßen und zurück. Natürlich nehmen sich unterwegs das Alter, vermehrter Anspruch und die Hormone ihr Recht zur Macht und verführen das muskulo-tendinöse Gewebe bis zur Steifigkeit, was den Druck auf die Muskeln samt Ansätze an den Extremitäten verstärkt.

 

 

Die Mechanismen von Muskelschmerz
erhalten dadurch klinische Bedeutung, dass eingehende Reize  aus der tiefen Muskulatur der Wirbelsegmente eine erheblich stärkere Bereitschaft zur Chronifizierung zeigen, als Schadreize aus einer Hautverletzung. Dazu sorgt die Besiedlung unzähliger feiner Nervenenden in den Schichten der bindegewebigen Faszien für die Ausbreitung über rezeptive Felder  in die Nachbarsegmente. Jetzt ist grundlegend erforscht, dass auf segmentaler Ebene des Rückenmarks die Interneurone  bei der Verschaltung von einlaufenden Schadreizen sowie deren Ausbreitung über das betroffene Areal hinaus eine erhebliche Rolle spielen. Im Rückenmark werden eine ganze Reihe einfacher motorischer Handlungen durch  Nervenzellen ( Neurone ) verschaltet. Die Motoneurone besorgen die Muskelarbeit und das Muskelzittern. Die Trakt-Neurone geben Informationen an höhere Areale ins Gehirn weiter und Interneurone integrieren dazwischen die einlaufenden sowie ausgehenden Signale und sind an der Wahl zwischen Hemmung und Erregung beteiligt. Diese Einheiten sind die funktionalen Bausteine jeder kleinsten Steuerung der Bewegung eines Gelenks oder einer ganzen Extremität vom Reflex  bis zu gekreuzten Beuge- und Streckmustern. Zur weitergehen Ziel- und Bewegungsregulation werden die Nervenzellen vom Rückenmark, Stammhirn, Basalganglien und das Kleinhirn zugeschaltet. Grundsätzlich kann sich jedes Neuron an ein banales Signal aus dem Alltag gewöhnen ( Habituation ) oder aber hocherregt werden und damit verstärken ( Sensitivierung ). 
Gingen wir bisher von der Sensitivierung von Nervenzellen im Rückenmark aus, wenn sich das Schmerzverhalten verstärkt oder ausgeweitet hat, überlegen wir heute mit Modell der neurogenen Neuroinflammation, also dem Entzündungsverhalten von Nervenzellen auf den Drehscheiben, wodurch die Motoneurone schmerzender Muskeln zentral verändert werden. Um das Verständnis für die vermehrte Erregbarkeit, seine Ausbreitung und Übertragung zu vertiefen, setzte die Forschung an der Vorstellung der verminderten Hemmung des zentralen Nervensystems an  ( neurogene Neuroinflammation ). Eine anhaltende, durchaus niederfrequente Reizung der Hinterhornneurone durch chemische Botenstoffe ( Substanz P ) führt zu einer verstärkten synaptischen Übertragung . Auch der Entzug von hemmenden Substanzen ( Opiaten ) spielt eine entscheidende Rolle bei der zentralen Sensibilisierung.  
Diese Vorerregung der Nervenzellen im Rückenmark ist bedeutsam für die Verstärkung des Reflexverhaltens sowie für die Ausbreitung und Übertragung von Schmerz über das betroffene Areal hinaus. Die Störung einer normalen, den Heilprozess einleitenden Nozizeption kann die Folge einer nicht korrekt funktionierenden Hemmung auf mehreren Ebenen sein, wobei hemmende und erregende Botenstoffe zugleich ihre zentrale Rolle spielen ( Gammaaminobuttersäure ). So kann der Schadreiz an einer Körperstelle zur Hemmung der Reizverarbeitung in den anderen Körperregionen führen.

In den Ablauf der absteigenden Hemmung sind mentale Faktoren  bei der Wahrnehmung  und dem bewussten Erleben  von Schmerz mit einzubeziehen. Depressivität, Disstress, Katastrophisierung, Angst und Vermeidungsverhalten haben fast zeitgleich eine chronifizierende Bedeutung für die myofasziale Dysfunktion.
​Innen im Gelenk  führte die Trennung in schnell und langsam leitende Schmerzfasern zu einem tieferen Verständnis des arthritischen in Abgrenzung zum myofascialen Gelenkschmerz und hat damit grundlegende Bedeutung für Richtung und Art einer Behandlung. Ein überwiegender Teil der im Gelenk lauernden Nervenenden ist sogar stumm und reagiert auf keinen Reiz, um Bewegungen im Arbeitsbereich der Gelenke und Wirbelsegmente so lange wie möglich zu gewährleisten. Erst, wenn ein gewisser Schwellenwert erreicht ist, schalten sich diese Nervenenden vehement zu. Damit führt nicht die strapaziöse Belastung des Gelenks per se, sondern die Senkung der Reizschwelle  durch andere gewebeschädigende Faktoren, oft eine lokal oder fortgesetzt reizende myofasziale Dysfunktion, zu den typischen Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung, Überwärmung und empfindlicher Bewegungseinschränkung. Ein Mechanismus kann Folge des anderen sein.

 

 

Die Steuerung im Muskelskelett
wird rund um die Uhr zwischen gegenläufig wirkenden Kräften zum bestmöglichen Spannungszustand hin eingestellt, welcher durch elastische Eigenschaften des Bindegewebes und Reize des Nervensystems hervorgerufen wird. Kleine und große Gelenke werden innerhalb ihrer Freiheitsgrade von mehr als sechshundert willkürlich und reflexartig reagierenden Muskeln gesteuert. In dem Gelenkspiel müssen wir in führende Muskeln unterscheiden, welche in eine Bewegungsrichtung agonistisch  erregt hinwirken und solche, welche dieser Richtung antagonistisch  gehemmt entgegenwirken. Ihre gemeinsame Handlung besteht aus Halten oder Verkürzen mit Kraft und kinetischer Energie, aufgerufen durch bioenergetische Nervenimpulse, welche beim wachen Menschen aus einer motorisch arbeitenden Nervenzelle im Rückenmark stammen. Wer schläft, hat diese willkürlich funktionierenden Motoneurone, ebenso wie das Bewusstsein, zur Erholung abgeschaltet.
Eine gemeine Nervenzelle im Rückenmark und Gehirn ist nichts anderes als ein zentraler Baustein  mit lernfähiger Reaktionsschwelle und erhält nur einzelne Informationen aus dem peripheren  Körpergeschehen. Über die synaptischen Verästelungen richtet jede Zelle rückkoppelnd ihr Verhalten an dasjenige der Nachbarzelle aus, was diese ihrerseits in ihrem Verhalten beeinflusst. Erst im ausschwärmenden Zusammenwirken ergibt sich das, was wir später als sinnvoll oder intelligent verstehen.
Was zuvor den Ruhetonus der Muskulatur und uns besonders beim Aufstehen beeindruckt, ist unsere gleichzeitig ablaufende Fähigkeit zur Hemmung und Erregung. Im Versuch wurde durch Applikation von schmerzauslösenden Substanzen an einer Körperstelle die Hemmung der Verarbeitung noxischer Reize in anderen Körperregionen unterbrochen. Durch diese entfernt auftretende Reduktion von absteigender Hemmung  wird deutlich, dass zwar jeder Schmerz am Muskelsklett initial eine Aktivierung der nozizeptiven Nervenenden aufzuweisen hat, aber wir nicht in der Lage sind, diese örtlich zu benennen. Demnach kann eine Aktivierung  von überall herkommen und aus inneren Organen, weit entfernten Gelenken oder benachbarten Segment stammen.
Lokale Spannung entsteht, wenn die zentral-nervöse Steuerung von Gelenken im antagonistisch hemmend wirkenden Muskelpart in dem gleichen Maße nachlässt, in dem diese im agonistisch erregten Muskelanteil zunimmt. Mit dieser Diskrepanz und dem Verlust von gemeinsamer Aufgaben kommt Schwäche auf. Insbesondere dann, wenn die Gesamtwirkung dadurch nochmals geringer erscheint, als den betroffenen Muskeln jeweils für sich allein möglich wäre. Natürlich profitieren auch die Stützgewebe der inneren Organe ( visceral ) von der Autonomie ihrer Schonfunktionen.

 

 

Schmerzen von inneren Organen
im Brustkorb, Bauch und Beckenraum werden über die Erregung breit aufgestellter Nervenzellen auf den Ebenen der Brust- und Lendenwirbelsegmente ausgelöst. Die Beschwerden sind anfangs regional krampfartig, später mehr dumpf und von anderen Symptomen wie Übelkeit, Schwitzen und Schwächegefühl begleitet und werden diffus am Rumpf oder darunter lokalisiert. Allerdings ist da, wo es weh tut, nicht dort, wo es hakt. Hier ist der Ort, wo es auf die Trennung von drei verschiedenen Schmerzarten ankommt, welche im Alltag schwierig zu unterscheiden sind, aber das Verständnis für Schmerz grundlegend eröffnen:
Der einfache Verletzungsschmerz  entsteht entsteht genau an der Stelle des Körpers, wo der Schmerz auch wahrgenohmen wird. ( Messerstich durch die Haut in den Muskel oder auch Nerv). Davon ist der Phantomschmerz  zu trennen, der immer noch in dem Glied auftritt, was abgetrennt wurde. Zwar ist das Glied geschädigt, aber nicht die Nervenzellen im Gehirn. Diese werden umgewidmet und übernehmen andere Aufgaben für Bereiche, die in der Nähe liegen. ( Bei der Hand ist es das Gesicht).
Der projizierte Schmerz  entsteht durch Reize am Nervenstamm irgendwo im Verlauf, wird aber entfernt davon im Versorgungsgebiet wahrgenommen. (Bandscheibe drückt auf Nervenwurzel und der Fuß wird taub und kribbelt ). Die Zuordnung obliegt dem Gehirn, also dem zentralen Nervensystem, welches zwar die Information aus der Etage des Bandscheibensegments erhält, jedoch nur das Erregungspotential, nicht den Ort des Geschehens. Das Gehirn projiziert lediglich auf die peripheren Nervenenden, also da, wo es kribbelt und weh tut. und nicht da, wo es hakt, nämlich im Wirbelsegment. 
Demgegenüber leitet sich der übertragene Schmerz  aus der örtlichen Verschaltung von Nervenimpulsen auf der Ebene im Rückenmark ab. Das setzt voraus, dass dort Konvergenzneurone ( WDR-Neurone ) existieren, welche die Reize aus allen Bereichen des Körpers konvergieren, also aufnehmen und verteilen. Diese breit aufgestellten Nervenzellen im Rückenmark nehmen nicht nur hochschwellige Schadreize, sondern auch niederschwellige Impulse aus der Organperipherie auf und summieren diese zu einem Reizpaket, welches das Stammhirn und übergeordnete Areale zum Handeln anrufen und das vegetative Nervensystem zur Regulierung der notwendigen Energiebeschaffung anregen. Dabei spielen natürlich auch absteigende Kontrollsysteme eine Rolle, welche weiter zur Erregung oder Hemmung beitragen.  
An diesen Nervenzellen enden die Fasern von Nerven aus den Gelenken, Muskeln, Blutgefäßen und Faszien, aber auch von den inneren Organen und ihren bindegewebigen Hüllen. Von dort geht es gemeinsam aufsteigend weiter zum Hirnstamm, Zwischen und Großhirn zur Wahrnehmung. Unterwegs geht die strikte Zuordnung der Referenzzonen verloren. Manchmal überträgt sich ein Schmerzsignal auf ein bestimmtes Hautgebiet, manchmal in die gleichzeitig von diesem Rückenmarkssegment mit Nervenfasern versorgte Muskulatur. ( Armschmerz nach Herzinfarkt oder Schulterschmerz bei Gallenentzündung ).
Der viscerale Schmerz entsteht nicht typisch aus einer Verletzung des Organs, sondern wird häufig in tiefere Schichten des Muskelskeletts und in die Haut übertragen und von vegetativen Reflexen und hormonellen Reaktionen begleitet. Nervenzellen im unteren Brustkorb und oberer Lendenwirbelsäule sind in die Erzeugung von stechend unangenehmen Empfindungen durch spezifische Organreflexe des Herzens, des Magen-Dünndarm-Kanals, der Nieren und Blase eingebunden. In der Haut können sich Durchblutung und Temperatur ändern und in den Fettschichten zwischen den oberflächlichen Faszien zu ödematösen Schwellungen und später zu viskösen Verdichtungen führen. Der zonale Muskeltonus ist erhöht bzw. erschlafft bevor im chronischen Zustand unwillkürliche Kontraktionen, trophische Störungen und Versteifungen von Gelenken einsetzen. Weil die Reizausweitung sowohl übertragenen Schmerz, als auch Unwohlsein, Ruhigstellung von Rippenthorax und Becken, Gefäßerweiterung, Austritt von Flüssigkeiten und Einschränkung der Eigenbeweglichkeit der Bauchorgane bedeutet, kann die Kaskade der Reizimpulse als Schutz und Aufrechterhaltung aller Funktionen unter Kontrolle des Gehirns gesehen werden.

 

 

 

 

 

Im Dschungel der Interpretationen
gibt es eine Spur: In aller Welt lernen schon die Schüler, das Nervensysteme als oberste Instanz die medizinische Biologie koordinieren.
1.    Das vom Bewusstsein abhängige spinale Nervensystem  stellt die Beziehungen nach außen her, unterliegt den willentlichen Kontrollen, leitet die Sinne über Stellung, Lage oder Bewegung im Raum weiter zu dem Gleichgewichtssinn, um sich ein Gesamtbild vom Stand der Dinge zu machen und zügelt die Skelett-Muskulatur. Das erledigen 12 Hirnnervenpaare, die durch Öffnungen an der Schädelbasis austreten und neben dem Kopf auch Hals und Eingeweide versorgen. Weitere 31 verlassen das Rückenmark, treten als Spinalnerven-paare zwischen den Wirbeln heraus und innervieren neben der Rumpfwand vor allem die Arme und Beine. Auf dieser segmentalen Ebene empfängt ein Pool von Interneuronen den Input aus verstreut liegenden, aber synchron reagierenden Dermatomen, Myotomen, Sklerotomen und Enterotomen. So werden Leibesinseln aus der Phase embryologischer Entfaltung der Haut, der Knochen, Bindegewebe und inneren Organe manchmal bezeichnet. Diese segmentalen Ebenen können auf breit gefächerte Stimulationen reagieren, lange gespeichert, übertragen und trotz Ausheilung einer Verletzung noch mit Informationen aus anderen Regionen vermengt werden. Man spricht von Fazilitationen, wennd in der Summation die Reize als Schmerz interpretiert werden können. Örtliche Entzündungen, Empfindlichkeiten, Schwellungen, Verhärtungen und Asymmetrien lassen sich deshalb nicht immer auf das darunter liegende Organ oder auf das Innervations-Territorium eines einzelnen peripheren Nerven beziehen. Sie sind typischerweise auf eine ganze Region ausgeweitet und mit Attributen wie ziehend, dumpf, stechend, kribbelnd oder strumpfförmig beschrieben.

2.     Parallel verwandeln zwei Gegenspieler im vegetativen Nervensystem  prompt all das, was man zum wirklichen Leben braucht, in eine leiblich erfassbare Situation mit unbewusster Mimik, Gestik und Körpersprache. Autonom und ohne die Skelettmuskeln zu steuern, gewährleistet es nach innen ein konstantes Milieu der Sekrete und Eigenleben der Organe. Besonders, wenn es um die Reflexmechanik der Augen, schnelle Bauchantworten, dünn- oder dickflüssige Gewebeperfusion, dringende Sekretion zum Schutz vor Abrieb, Auftrieb in den Magen-Darm-Passagen oder um subtile Wallungen zur Erhaltung der Art geht. Die Aufgaben sind in drei Bereiche abgegrenzt: Das sympathische  System reagiert über seine Ganglien in Höhe der Brustwirbel auf alle nötigen Emotionen und auch auf das, was man nicht wirklich zum Leben braucht, wie Stress und Schmerz, im Sinne einer Kampf, Erstarrung oder Flucht-Reaktion. Aber pausenlos passiert, wenn Signale von  Immunantworten, Sinnesleistungen, Schadreize die eigene Stellung im Raum auf verschiedenen Nervenbahnen in den Gehirnarealen zusammenfinden.
Die Zielorgane sorgen ohne Zögern für beschleunigten Blutdruck, Herzfrequenz und Muskelzufluss sowie gebremste Versorgung der Haut und Bauchorgane. Im Gegensatz dazu sorgt das parasympathische  System abwartend und zielgenau für Ruhe und Erholung der wirklich vom Leben geforderten Organe, wobei am Becken- und Kopfteil der Wirbelsäule besonders viele Relais-Stationen ihre Energie entladen. Der Magen-Darm-Trakt verhält sich wie eine umgestülpte Barriere zur Außenwelt und formt, durchflochten vom eigenen enterischen Nervensystem, seine Extrawurst.

3.     Als Erbe und legitimer Nachfolger der Seele soll zentral im Gehirn  die Wirklichkeit stattfinden oder zumindest dasjenige, was wir dafür halten. Das Gehirn verarbeitet auf mehreren Etagen sämtliche Sinnesreize zu motorischen Befehlen. Fachübergreifend erregte Gewebe, ohne anatomische Sortierung in Territorien oder Organe, sprechen für Störungen in übergeordneten Kopplungsorten. Insbesondere wird das autonome Nervensystem überwacht, die Betriebsamkeit der inneren Organe und Blutgefäße untereinander beobachtet und mit den glatten Muskeln aller Gewebe abgeglichen. Hier gestaltet sich unser Leben im Kreis der Wahrnehmung und Bewegung, hier entwickelt sich der Säugling zum Greis und hier entfaltet sich die eigene Identität, hier grenzt man sich zum Fremden ab. Unter bestimmten krankhaften Voraussetzungen führt eine Erregung von freien Nervenenden zu einer geballte Aktivität von Schadreizen, Summation von Schmerzchemie und zur sichtbaren Veränderung des motorischen Körperverhaltens in Wechselwirkung mit der Entstehung von merkwürdigen Stimmungen und unangenehmem Schmerzgefühl.
Die Dauererregung der Schmerzrezeptoren am feinen Ende der Nerven und im Rückenmark steht unter Kontrolle von Hirnstamm  und Hirnrinde, zwei entwicklungsgeschichtlich durch die Gefühlsdrüsen im Zwischenhirn  getrennte Hirngebiete. Alle Instanzen greifen in solche Schaltebenen ein, welche mit Befehlsneuronen verknüpft sind und die Reflexantworten organisieren. Auch unterwegs im Rückenmark wandeln sich reflektierende Bahnen biochemisch um und werden sensibler für wiederholte Reize. Das ganze Gehirn wird plastisch: es verästelt sich, es lernt und passt sich, den neuen Umständen entsprechend, an.

   

 

Gesundheit merkt man erst, 
wenn sie fehlt. An der raffinierten Erzeugung von Gesundheit arbeiten alle motorisch, sensorisch, reflektorisch und vegetativ organisierten Nervensysteme hochdifferenziert und integrativ zusammen: Gleichgültig auf welchen unterschiedlichen Wegen die Signale über den Zustand des Immunsystems, der hormonellen Regulation der Organe, der Sinnesleistungen von Auge, Ohr, Zunge, Nase und Gelenkstellung oder von Schadensereignissen an den Geweben in der Zentrale einlaufen. Ständig nimmt das Nervensystem alltägliche Ereignisse über periphere Sinne auf ( sensorischer Input ), gleicht gemeine ebenso wie vermeintliche Schadreize mit Vorerfahrungen ab ( zentrale Verarbeitung ) und reagiert gewollt oder ungewollt, teils mit erregenden, teils mit hemmenden Anweisungen an die Muskulatur ( motorischer Output ).

Hier ist es wichtig zu unterscheiden, dass solche Fasern, welche schmerzauslösende Schadreize  weiterleiten, nicht mit denjenigen Bahnen identisch sind, welche das Gehirn über den Zustand der Organarbeit  ( vegetativ  ) unterrichten. Zudem ist dieses ( interozeptive ) Nervenspiel ist zudem völlig getrennt von denjenigen Nervenbahnen, welche die mannigfaltigen Außenreize  an der Oberfläche aufnehmen ( Exterozeption ) sowie diejenigen, welche die eigene Stellung im Raum vorsichtig tastend herleiten ( Propriozeption ).
Aufgeklärte Leute trennen im Einlauf von Sinnesleistungen grundlegend die Fühler der Nervenzellen ( Rezeptoren ) nach solchen Reizimpulsen, welche potentiell schädigend  wirken, von denjenigen welche vom Zustand der Organe  berichten,  solchen die die Stellung im Raum  steuern und solchen welche über Reize der Umwelt da draußen informieren. Alle zusammen beschäftigen die Wahrnehmung und sollen am bewussten Erleben  im bewegten Alltag teilhaben.
Die Weisheit des Körpers ist mit dem Geheimnis der Organisation von Impulsen aus Nervenkostüm, Hormonorchester und Immunabwehr in der grau-weißen Substanz der Areale im Großhirn verborgen. Mittig im Kopf sorgt das Zentralorgan aller bio-psycho-sozialen Vorgänge und Beweggründe, der Hypothalamus, für die weitere Verbreitung des augenblicklichen Zustandes, sodass das übrige Gehirn die für das nackte Überleben bedeutenden Maßnahmen treffen und für alle Fälle im Gedächtnis speichern kann. Im Thalamus vermischen sich chemische, mechanische und thermische Schadreize mit dem Geschmack aus dem gastrointestinalen Verdauungskanal, mit der Luftnot im respiratorischen Trakt und mit dem Puls der Zeit in Herz-Kreislauf-Gefäßen. Im Dienste der erhöhten Körpertemperatur werden die zuführenden Blutgefäße gedrosselt und das Fettgewebe wird motiviert, Fettsäuren zu verbrennen, um Wärme zu produzieren. Was die autonomen Muskeln gelegentlich durch solche Stoffe erzittern läßt, welche die Signale von Nerven an die Muskeln übermitteln.

Auf den Reizleitungen filtern oder verstärken wir unentwegt jede Situation, schweifen umher, lassen uns täuschen, speichern neu ein und rufen Erinnerungen erst im ähnlichen Gemütszustand wieder ab. Die meisten Sinnesreize um uns herum erleben wir gar nicht mit. Aber im Untergrund ist die Wahrnehmung immer auf der Lauer, Entscheidungen zu treffen. Der Reizverlauf unterliegt den lernenden Anpassungen wie Abschwächung und Verstärkung. Bei anhaltender oder starker Erregung spricht man von Sensitivierung,  Fast zeitgleich mit den neurochemischen Vorgängen finden sich die gefühlten Beweggründe ein. Auf der mentalen Seite des Schmerzverhaltens nehmen Vorstellungen, Deutungen, Überzeugungen und Stimmungen energischen Einfluss auf das neue Ereignis. Verdrängen, Vergessen und Vermeiden sind die Stichworte.

 

 

 

Die Regulierung der Organe,
passiert nach ähnlich gegenläufig wirkendem Erfolgsmodell. Vornehmlich in den sympathisch  und parasympathisch  arbeitenden Armen des autonomen Nervensystems, welche die Stressarbeit leisten, wenn Gefahr im Verzuge ist und dafür die Energie ohne lange Diskussionen bereitgestellt werden muss. Gleichgültig, ob es gerade passt, ob irrtümlich alte Ängste geschürt werden, ob es tatsächlich eng wird oder in der Weite zerfliesst.
In dem Modell vom Gleichgewicht der Anatomie, Physiologie und Biochemie,  der Homöostase führt eine erhöhte Anforderung sowohl der inneren als auch der äußeren Umwelt zur Freisetzung von Stresshormonen (ACTH) in der Hypophyse des Gehirns, was wiederum die Nebenniere motiviert, mehr Glucocorticoide (Cortisol) zu produzieren. Die biochemische Belegungsquote an den neuronalen Rezeptoren verschiebt sich drastisch zugunsten der Stresshormone statt der normalen Überträgerstoffe und ändert die Empfänglichkeit für einkommende und wegführende Signale. Das führt zu einer erhöhten Verletzbarkeit, woraus ein fruchtbarer Acker für Krankheitsgeschichten entsteht und die Tür für bereits vernarbte Episoden oder schlummernde Läsionen erneut öffnet. Der Zeitpunkt der Stressreaktion, das schädigende Verhältnis von Mineral- und Glucocorticoiden und der momentane Zustand des Organismus entscheiden offenbar gemeinsam über die Signalqualität an die peripheren Nervensysteme, ihrerseits zuständig für den Transport von Schmerz, Temperatur, Berührung, Druck und Stellung im Raum. Als Dritte im Bunde lauern in Rufweite die Makrophagen der Immunabwehr auf die Kommandos zum Abräumen.

Auf jede kleinste Aufregung, sei es im physischen, psychischen oder emotionellen Milieu, stellt der Organismus dieses wirksame und körperlich nachweisbare Anpassungs-Prinzip bereit. Um Energiereserven aus den Speichern zu locken, wird der normale Entzündungsmechanismus für die Regeneration und Reparatur von Wunden für eine Weile unterdrückt. Die Freisetzung von Cortisol in dieser Phase ist natürlich und ein wirksames Mittel gegen den Stress. Nach einer kurzfristigen Bewältigung sind alle Einheiten wieder im Lot.
Dauern die Belastungen jedoch über einen längeren Zeitraum an, werden größer oder häufig aktiviert, finden sich als Zeichen sympathischer Aktivität manchmal Reste erhöhter Produktion von Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin morgens im Urin. Im Blut lassen sich weitere Botenstoffe isolieren, Blutfette und Blutkörperchen schätzen und der Druck in den Gefäßen messen.

Biologisch betrachtet man Schmerz als Verhalten zwischen den Abwehrzellen im Blut, den Nervenzellen in den Leitungsbahnen und neuerdings in den Faserzellen im Stützgewebe, denn es häufen sich Hinweise, dass die umhüllenden Bindegewebe ihre Organsysteme nicht nur stützen, sondern auf subtile Art versorgen und mit Nervenrezeptoren an jeder Bewegung, damit an der Entstehung von Schmerz und Entzündung, maßgeblich beteiligt sind. Ältere Leute empfinden ähnliche Probleme wie Dauerstress, denn sie haben mit Fähigkeitsverlusten und der chronischen Schädigung ihrer autonomen Leitungsbahnen zu kämpfen. Das Nachlassen der Immun-, Hormon- und Nervenantworten wird treffend Entzündungsaltern genannt und ist kategorisch abzugrenzen, von einer vorübergehenden Entzündung mit örtlicher Rötung, Schwellung und Überwärmung, von einer andauernden Ausschüttung diverser Entzündungsmoleküle nach Irritation der feinen Nervenstränge und Rezeptoren und von einer Fehlsteuerung des Immunsystems, mit Aktivierung von Botenstoffen gegen körpereigene Zellen.

Das gemeinsame Prinzip der chronischen Erkrankungen sind vermutlich solche Entzündungsvorgänge, bei denen die Start-Phase nicht heruntergefahren wurde, auf Grund konstanter oder wiederholter Reize dauerhaft anhält und durch Stress-Erleben, Schmerz-Verhalten, Entzündungs-Altern und Über-Last eine Situation entsteht, die an alten Bewältigungsmustern festhakt, wo es nicht weiter geht. Entzündungen ändern Ihre Gesinnung, Ihre Haltung und Ihre Stellung im Raum  komplett, aber die verklebten Hüllen und verspannten Bänder bleiben zunächst unbemerkt. Sie merken den Stau verzögert, erst bei stärkerer Benutzung und nehmen körperliche Ungeschicklichkeiten als mechanisch adäquate Ursache wahr. Jedoch ist in dieser späten Wahrnehmung der Schmerz nicht mehr der bellende Wachhund der Natur, sondern bereits biologisch sinnlos. Die Krise ist ein Ganzes, es braucht es nicht weiter zu verwundern, trotz aufwendiger apparativer Recherchen keine richtige Diagnose und keine ursachen-bezogene Indikation zum Handeln zu finden.

 
Das autonom arbeitende, vegetativ wirkende Nervensystem ist mit Schmerz auf zwei Wegen verknüpft. Zuerst zeigt es sofort schützende Reaktionen bei jeder Information über eine tatsächliche oder vermeintliche Schädigung von Gewebe, welche hirnorganisch mit dem Abwehrverhalten wie Flucht, Kampf oder Erstarrung verbunden ist. Zum zweiten geht Gewebeschädigung mit Schmerzverhalten einher. Der sympathische Nervenzweig sorgt sofort für die Leistungssteigerung des Stoffwechsels, Muskelanspannung, Drosselung der örtlichen Blutzufuhr, Weichteilödem und bindegewebige Regulation, während der parasymathische Part ergänzend die Aktion zunächst bremsend in seinen Zielorganen unterstützt ( synergistisch ), um sich umgehend an den Aufbau der Reserven zur Heilung und Erholung zu machen.
In dem Modell von Gesundheit   als Gleichgewicht von Anatomie, Physiologie und Biochemie ( Homöostase ), führt eine erhöhte Anforderung sowohl der inneren als auch der äußeren Umwelt zur Freisetzung von Hormonen in der Hypophyse des Gehirns, was wiederum die Nebenniere motiviert, mehr Stresshormone  ( Glucocorticoide, Adrenalin, etc. ) zu produzieren. Die biochemische Belegungsquote an den neuronalen Rezeptoren verschiebt sich drastisch zugunsten der Stresshormone statt der normalen Überträgerstoffe und ändert die Empfänglichkeit für einkommende und wegführende Signale. Das führt zu einer erhöhten Verletzbarkeit, woraus ein fruchtbarer Acker für bereits vernarbte Läsionen erneut entsteht und die Tür für neue, ungebetene Episoden öffnet. Der Zeitpunkt der Stressreaktion, das schädigende Verhältnis von Mineral- und Glucocorticoiden und der momentane Zustand des Organismus entscheiden offenbar gemeinsam über die Signalqualität an solche Nervensysteme, die zuständig für den Transport von Schmerzchemie, Temperatur, Druck und Zug durch Fehlstellung im Raum sind. Als Dritte im Bunde lauern in Rufweite die Makrophagen der Immunabwehr auf die Kommandos zum Abräumen. 
Um Energiereserven aus den Speichern zu locken, wird der normale Entzündungsmechanismus für die Regeneration und Reparatur von Wunden für eine Weile unterdrückt. Die Freisetzung von Stresshormonen in dieser Phase ist natürlich und ein wirksames Mittel gegen den Stress. Nach einer kurzfristigen Bewältigung sind alle Einheiten wieder im Lot. Dauern die Belastungen jedoch über einen längeren Zeitraum an, werden größer oder häufig aktiviert, finden sich als Zeichen sympathischer Aktivität manchmal Reste erhöhter Produktion von Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin  morgens im Urin. Im Blut lassen sich weitere Botenstoffe isolieren, Blutfette und Blutkörperchen schätzen und der Druck in den Gefäßen messen. 
Auf jede kleinste Aufregung, sei es im physischen, psychischen oder emotionellen Milieu, stellt der Organismus dieses wirksame und körperlich nachweisbare Anpassungs-Prinzip bereit. Jede dieser körperlich bedeutsamen Aktionen ist für sich einsehbar, lediglich das Zusammenwirken ist schlecht zu verstehen. Aber gerade auf diesen Masterplan kommt es an, um rückwirkend zu therapieren. 

 

 

 

Wenn es Neues gibt,
muß man Anpassungen leisten. Niemand bleibt der, der er ist. Pausenlos nehmen wir Stoffe auf und geben sie entwertet wieder ab. Das passiert uns mit der Luft, dem Sonnenschein, beim Essen und durch reizende Ereignisse auf Schritt und Tritt. Weil sich in unserer beschleunigten Welt die Reizumgebung übermäßig ändert, muss für jede neue Wirklichkeit immer mehr vollbracht werden. Meistens gelingt dies, manchmal passt sie eben nicht. Störungen im Reizverkehr sind nicht zu vermeiden.  
Unabhängig vom Charakter der Sinnesempfindung und seiner Nervenbahnen können Substanzen der Umwelt, egal ob sie aus dem inneren und äußeren Milieu eintreffen, grundlegend als Reize  bezeichnet, welche mechanisch zu Signalen durch elektro-magnetische Wellen, Druck und Zug oder chemische Substanzen erklärt werden. Beispielsweise aktiviert jeder reizende Druck auf die Haut feine Nervenenden, damit wir so etwas wie die hämmernde Stoßwelle aus dem teuren Gerät zwar unangenehm empfinden, aber als Therapie verbuchen können. Man spricht in eingeweihten Kreisen von Transduktion.
Jede Zelle unserer Sinnesorgane besitzt an der Oberfläche feine Rezeptoren. Das geht neben der Haut auch den Augen, der Nase, der Zunge und den Innenohren als spezifische Sinnesorgane so. In dem Augenblick, wenn ein Reiz auf ihre Sinneszellen trifft, wird seine Energie in elektrische Entladungsmuster umgewandelt. Darüber hinaus bedient sich das Schmerzempfinden noch der freien Nervenenden, um Druck, Zug, Entzündungchemie und Hitze oder Kälte zum Schadsignal zu verwandeln. Die Rede ist von Transformation. Die weitere Verarbeitung findet integrativ  auf den Drehscheiben solcher Nervenzellen statt, welche die einlaufenden Signale gewöhnlich filtern, hemmen, zusammenfügen und verstärken. Je nach Gelegenheit oder cirkadianem Rhythmus und noch bevor es zum Gefühl geht. 
Die grausame Vorstellung, dass die kalt hämmernde Wirklichkeit des teuren Gerätes nur uns und niemand anders an der Schulter betrifft, nennt man Bewusstwerdung der Reize, Wahrnehmung oder Perzeption, je nach Fachbereich.
Die gutgläubige Überzeugung, dass aus der Steckdose stoßweise mit piezoelektrischem Strom eine Entzündung der Sehne vergrault werden kann, nimmt Platz, nachdem wir den Sektor der sensorischen Verarbeitung und den Fachbereich Sinnesphysiologie verlassen haben. Durch das Erinnern, Beurteilen und Interpretieren verstehen wir das Wahrgenommene und leiten daraus die Entscheidungen für Reaktionen darauf ab. Jetzt  spricht man leise von Transparenz, obwohl diese Eingebung nicht zwangsläufig zu einem klaren Körperbild  in der gegenwärtigen  Situation führt. Im Gegenteil, es herrschen in jedem Augenblick eigenartige Stimmungen, Gedanken und diffuse Bilder vor. 
Dieser senso-motorische Kreislauf wird von kognitiven Neurowissenschaftlern als Handlungs-Wahrnehmungs-Zyklus  bezeichnet, weil auch in umgekehrter Reihenfolge der Reizablauf beschrieben werden kann. Wenn erkennbar wird, dass solche Körperverletzung, in die man rechtlich bindend eingewilligt hat, nur von anderen Störungen ablenken soll, ähnlich wie die Nadelung bei Akupunktur, nehmen wir skeptisch den Arm zurück, blicken nach vorn und verlassen die Praxis. Man denkt, verarbeitet die Stosswellen und sucht Pläne für schonendere Therapien.
Dies alles wird anschließend in körperliches Verhalten, angespannte Mimik und Gebärde ausgedrückt, womit wir dann auf unsere Umwelt Einfluss nehmen, deren Teilnehmer uns begegnen, erschrocken ausweichen und sich kurz mit uns beschäftigen. Vielleicht sogar mit dem Gedanken, dass es sich genau umgekehrt  verhält und die Körperspannung, der körperliche Ausdruck und die Körperhaltung unser unangenehmes Empfinden, unsere Wahrnehmung und unser bewusstes Erleben, also den Schmerz bestimmt. Offenbar passt man sich an den Apparat an, an sonst gar nichts. Von dem Übergang der Schmerzchemie zum Schmerzgefühl ist nichts transduziert, transformiert, intergriert, repräsentiert, perzipiert, geschweige denn transparent. Es hat nämlich noch nie jemand gesehen, wie ein materiell-energetischer Reiz als chemischer Botenstoff verkleidet in das Seelenleben springt und von dort wieder zurückhüpft. 

 

 

 

Ohne Sinn ist Schmerz nicht denkbar.
Niemand kann richtig nachdenken, eine wichtige Entscheidung treffen oder sich zu jemanden stark hingezogen fühlen, wenn gleichzeitig der Arm kribbelt, der Rücken zieht, das Bein eingeschlafen oder der Fuß gerade verstaucht ist. Wenn wir uns fragen was zuerst da war, die myofasziele Gewebespannung oder der ziehende Schmerz, kann diese Kluft nur mit den trennenden Denkmustern zusammenhängen, die wir uns aus kultureller Gewohnheit angewöhnt haben. Nach allem, was man von den Neurobiologen so hört und liest, ist die Interpretation der Signale im Großhirn die hinreichende Voraussetzung für die Sinneswahrnehmung unseres Körpers als Einheit.
Demnach kann das Ereignis Schmerz  nur im Netzwerk des schützenden Verhaltens  und damit ausschließlich im Gehirn  verstanden werden. Dieser neuronale Kosmos ist mit dem körperlichen Rest untrennbar über den Blutkreislauf und afferent  wie efferent  wirkende Nervenbahnen verbunden. Dort gibt es allerdings kein kleines Männchen, das " Ich " zu sich sagt und dem man Haltungsübungen beibringen kann. Gehirnzellen kennen gar keine Rückenmuskeln, Faszien, Bandscheiben oder Arthrosen, sondern nur reizende Bewegungen aus Sensoren sowie Aktionsmuster aus seinen Erfahrungen heraus.

Jedes Wirbeltier ist in das zentrale  und das periphere  Nervensystem gegliedert. Das zentrale Nervensystem ist in Gehirnschichten und Rückenmark unterteilt. Im Verlauf der Hirnentwicklung kam es zu drei übereinander gelagerten Schichten mit dem Hirnstamm ( Reptilienhirn ), der Reflexe, Instinkte und körperliche Prozesse steuert, dem limbischen System ( Säugetierhirn ), welches die Anpassungen, den Ausdruck, die Stimmungen und die Gefühle reguliert, sowie der Hirnrinde ( Primatenhirn ), wo die Kosten-Nutzenanalyse, bewusstes Erleben, Denken, willkürliche Bewegungen, Sprache und Handlungspläne ihr neuronales Spiel treiben. Der periphere Anteil besteht aus allen Nerven außerhalb des Rückenmarks, wobei das autonome  Nervengeflecht um das innere Mileu des Stoffwechsels aller Organe bemüht ist und das somatische  Nervensystem der Teil ist, welcher für die Kommunikation mit der Umwelt zuständig ist. In der Wirkrichtung geordnet, tragen die afferenten Nervenbahnen die Signale von Rezeptoren aus der Haut, den Skelettmuskeln, den Gelenken und Sinnesorganen wie Auge, Ohr, Nase und Zunge herbei, während die efferenten  Nervenbahnen die Befehle zu den Zielorganen vom Gehirn heraustragen. 
Ob darüber hinaus die bewusste und unbewusste Welt der Empfindungen daraus entsteht, eine Teilmenge besetzt oder nur eine andere Perspektive des Ganzen darstellt, füllt seit antiken Zeiten jeden Raum der westlichen Denkkultur. Unbestritten beginnt die Steuerung und Regulierung aller Körperprozesse in jedem Fall zentral  mit den Nervenzellen ( Neurone ) im Rückenmark und bahnt sich auf verästelten Synapsen den Pfad bis zu den umfassenden Arealen des Großhirns. Alle anderen Zellen formen den peripheren  Körper für seine tägliche Funktion.
In den Lehrbüchern können zwei neuronale Ordnungen unterschieden werden: zum einen die räumliche Abbildung der Körperteile in den Gehirnarealen ( Humunkulus-Figur ), wo Rumpf, Bauch und Extremitäten im Vergleich zu Hand und Gesicht eklatant unterrepräsentiert sind. Zum anderen die hierarchische Organisation mit der untersten Ebene der Segmente im Rückenmark, wo die einfachsten Reflexkontrollen mit Unterstützung des Muskelskeletts erfolgen.
Auf der höchsten Ebene ganz oben im Kopf ( Cortex ) sind die Areale für die Planung der Muskelbewegungen angesiedelt, wo die aktuellen, vergangenen, gewünschten und vorgestellten Informationen eintreffen. Auf dieser höchsten Ebene werden auch die psychisch vernünftigen Debatten geführt, im ewigen Gerangel mit den umtriebigen Signalen aus den unteren Etagen des altvorderen Stammhirns, ausgleichenden Cerebellums und den bedrohlichen Gefühlen aus dem limbischen System, um die Vorherrschaft über den freien Willen. 
In diesem Schema leistet der Organismus pausenlos eine Korrektur der Fehlanpassung zwischen einlaufenden Reizen aus der Peripherie, zentralen Programmen der sensorisch, reflektorisch, motorisch und vegetativ gesteuerter Motorik sowie hormonell dirigierter Regulation. In dem Kampf zwischen vernünftigen und getriebenen Arealen der Gehirnzellen wird je nach Signaldichte beschlossen, ob das Körpergewebe wirklich in Gefahr ist und etwas dagegen getan werden muss. Und wenn es lediglich eine Schutzreaktion  sei, um eine Gelenkeinheit aus der Gefahrenzone zu nehmen. Unterwegs bestimmt positive Rückkopplung zwischen absteigenden Programmen und einlaufenden Informationen das Ausmaß der zentralnervösen Übererregung und damit auch den zeitlichen Verlauf des peripheren Gewebeverhaltens.
Alle Impulse, auch das im stressigen Alltag leicht überforderte vegetative System der sympathischen  und parasympathischen  Nerven, schaffen unentwegt unter der achtsamen Kontrolle des Großhirns. Die Areale im Gehirn werden ständig über die Aktivitäten auf Nervenzbahnen in allen Körperregionen informiert ( Interozeption ). Diese afferenten Systeme sind Tag und Nacht verbunden mit den vegetativen und hormonellen Systemen, welche über das Fließgleichgewicht der Regulationen im Körpergewebe ablaufen. Der Abgleich findet schon im Rückenmark  statt, setzt sich aufsteigend im Hirnstamm fort, erhält mittig im Thalamus  weitere Impulse und steht ganz oben unter Kontrolle vom Großhirn, was Empfindungen und Körpergefühle auslöst.
Allerdings ist es biologisch  sehr sinnvoll, dass alle erregenden und hemmenden Impulse, nicht nur über Schadreize, über die Stellung im Raum oder über äußere Bedingungen in der Umwelt, sondern auch der vegetativen Nerven von inneren Organen, vornehmlich unterhalb  der Bewusstseinsschwelle ablaufen. Damit wir bei Gefahr im Verzuge nicht gedankenverloren in unseren Marotten, Moden oder Modellen abhängen, sondern nur von den Launen aus dem Rest der Natur, bezeichnet man dieses gegenseitige Informationsgeflecht auch autonomes Nervensystem

 

 

 

Selbst ein Lob nützt nichts,
ohne die Ausschüttung von Hormonen. Diese alltägliche Beobachtung von bewusstem Wahrnehmen von Etwas und objektivem Bewegen von biochemischer Materie umfasst vorsichtig das alte psycho-somatische Rätsel  über die Einheit von Körper und Geist. Nach dem mittelalterlichen Dunkel kam mehr Licht in die Beschreibung von mechanischen Wirkungen und als vorläufiger Lösungsversuch wurde all das körperlich definiert, was objektiv ausgedehnt und geometrisch beschreibbar war. Die Fähigkeit, nicht nur bewegte Formen zu trennen, sondern auch sich selbst im Zweifel zu erkennen, brachte Gewissheit in den täglichen Ablauf. Diese Methode sollte solange gültig sein, bis jeder Vorgang hinter dem Vorgang und das kleinste Teil mathematisch und zweifelsfrei bestimmt war. Inzwischen hat der wissenschaftliche Fortschritt selbst das Gefühl der Macht, welches aus diesem Wissen entstand, tief erschüttert. Aus der Unschärfe in neuen Physik wissen wir seit geraumer Zeit, dass das Verhalten des kleinsten Teils im subatomaren Bereich dem Grunde nach unbestimmt  ist und nur durch bloße Beobachtung eines lebendigen Physikers mit dem Licht seiner Apparate messbar verändert wird. Dem kleinsten Photon geht es wie mit dem fliegenden Pfeil: weiß ich seinen Ort im Raum, kenne ich seine Geschwindigkeit nicht. Beobachte ich stattdessen seinen Impuls, kenne ich zu gleicher Zeit seine Koordinaten nicht. Dabei spielt nach wie vor keine Rolle, wer  die Beobachtung macht, allein die Gewissheit der Information erzeugt die Macht über Veränderung. Wenn man es ganz genau nimmt und portionsweise betrachtet, ist unsere körpereigene Materie zwar ungefähr berechenbar, höchstwahrscheinlich und genau an dem Platz, wo sie für alle tatsächlich zeitgleich erkennbar ist, aber weder räumlich noch zeitlich festgelegt. Aufgeklärten Leuten ist seit fast 100 Jahren klar, dass nicht nur all dasjenige wahr  ist, was der Fall ist, sondern darüber hinaus auch alles, was der Fall sein kann. Trotzdem bleibt fraglich, ob Gefühle wahr sein können.

 

 

Was das Standardmodell 
für die theoretische Physik, ist die Evolution  für die alternde Biologie. An uns kann man ablesen, was unsere Eltern durchgemacht haben. Unverdrossen wurde von Generation zu Generation schweigsam herausselektiert, was der Organismus auf Dauer toleriert oder worauf  er allergisch reagiert. Zwar ist das Augenlicht  bis zum Urknall hin materiell-energetisch bis auf das Feinste erklärt. Der Augenblick  so gut wie nicht.
Dazu braucht es keinen Namen, Adresse und Lebensdaten des Beobachters, denn niemand von uns hat sich selbst gemacht. Im Gegensatz zum physikalischen Betrachtung ist das zu beobachtende Objekt ein Subjekt und das zu beobachtende Ereignis ist kein Vorgang, sondern ein Symptom, dass für etwas anderes steht.
Niemand von uns hat sich selbst gemacht. Deshalb geht es nicht um die Frage, wie die Vorgänge miteinander verknüpft sind, sondern warum gerade hier  und warum gerade jetzt. Zwar passiert seine Wahrnehmung durch irgendeine körpereigene Bewegung und die feine Bewegung wird ihrerseits durch die Wahrnehmung gelenkt, aber nicht zugleich von uns bewusst erlebt. Die Aufmerksamkeit kann sich nur jeweils dem einen oder anderen Ereignis zuwenden. Im wachen Zustand nehmen wir etwas als etwas wahr. Im Schlaf wissen wir das nicht so genau, dann schlafend sind wir bewusstlos. Bewusstlos heißt unbewusst und damit weder wahrgenommen noch zugänglich. Ausgeruht erwacht, geht hier bei uns morgens die Sonne im Osten auf und abends im Westen wieder unter, obwohl wir alle genau wissen, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Gleichwohl empfinden wir die Röte des Sonnenaufgangs und ihre Wärme nicht als Mond. Was sich ändern kann, wenn sich vor uns das Bild von der Sonne zum Mond wandelt, sei es nun, dass wir uns gleichmäßig drehen oder jemand die Sonne wegschiebt. Das Auge folgt derweil der vorbeigleitenden Sonne, bis die Form kurz abreißt, als Himmelskörper unstimmig zerfließt, um sich alsbald als Mond geformt enger zu präsentieren. An dem Zeitpunkt der Bewegung ändert sich nichts, wohl aber an der Bewegung, welche ein ständiges Abreißen und Wiederaufbauen des Körperbildes der Planeten ist. Es ist ein bekanntes Problem des Menschen, der gern mit Erfahrungen von gestern das Verhalten von morgen vorhersagt, obwohl er davon rein gar nichts weiß. Den Übergang nennen wir Heute.
Wenn wir heute, also augenblicklich, hier, jetzt und selbst Schmerz empfinden, ist das ebenfalls eine Wahrnehmung und zwar on der Oberfläche zeitversetzt, in der Tiefe womöglich zeitgleich mit reizender Bewegung der angehäuften materiell-energetischen Schmerzchemie, projeziert auf Körperteile. 
Bei dem Durchforsten handfester Tatsachen faszinierte die Zivilisation zunächst die einfache Vorstellung von Variation und Überleben des Passenden. Erst jetzt bemerkt man den Körper als ein Gefühlsorgan, welches an den Grenzflächen zur Umwelt reizbar sensibel, stets zu Antworten bereit ist und mit seinem Gehirn pausenlos ein Modell seiner Umwelt anfertigt.
Das bewusste Leben findet von außen nach innen statt und die Umgebung hat  noch dazu einen prägenden Einfluss auf das Individuum. Unabhängig von Gasen, Nährstoffen und Energie erhält das Gewebe ständigen Kontakt mit stressigen Aktivitäten und mannigfaltigen Sinnesreizen. Vor allem wirken sich die Erfahrungen aus Kindheit und Jugend entscheidend auf das spätere Leben aus und unbewusst gelernte Einflüsse bestimmen anschließend sowohl den physischen Ablauf, als auch das Handeln und Denken. Schließlich muss für die Summe aller Lebensgeschichten das Gedächtnis dahingehend verstanden werden, dass Fakten überwiegend mit der Emotion verknüpft sind. Insofern bestätigt die Physiologie des Verhaltens die hundertjährigen Annahmen der Psychoanalyse. Auch eine genetische Veranlagung drückt sich immer nur im permanenten Austausch mit der Umwelt aus. Allerdings ist dieser Austausch nicht radikal mit dem mechanischen Modell zu beantworten, sondern als etwas zu interpretieren, was die gesamte Einheit mit seiner Umwelt stetig ändert. Nach Kenntnis der Organe und Beobachtung ihrer Tätigkeiten spricht man inzwischen, anlässlich versteckter Überlastungen des Alltags, nachdenklich von einem Lernprozess der Zellen an die direkte Umgebung. Von einer Anfälligkeit für Krankheiten, die nicht nur von der Bausteinfolge in den Genen abhängig ist, sondern von deren nachträglicher Aktivität. 
Unser Plan seit den Zeiten der Entdecker von fremden Erregern übersah offenbar im Eifer der Evidenz von vermeintlichen Defiziten das gereizte Milieu. Die empirische Naturwissenschaft reduziert die Außenwelt auf Merkmale, die sich hervorragend für Experimente und Statistik eignen und dirigiert Gesänge, nach denen die medizinische Meinung mitpfeift. Man kann eben Beethovens Pathetique auch als Luftdruckkurve darstellen oder Wärme als mathematische Gleichung formulieren. Tonfarben, Atmosphären und Sensibilität der normalen Lebenserfahrung werden in private Innenwelten, zunächst in die Seele, später in die Psyche und jetzt in das Gehirn ausgelagert. Das Gespür für Nuancen, für die Krise, für Krank-Sein, für eine Diagnostik am lebendigen Leibe, wird durch die künstliche Distanz immer unwichtiger und feine Stimuli für so etwas wie Selbstregulation werden kaum mehr erahnt.

 

 

 

Experten von heute 
gestatten vor lauter Daten die Empfindungen nicht mehr. Dem Fachmediziner wird ein " Zuviel " an technischem Aufwand eher verziehen, als dem fachübergreifenden Arzt, der sich um die ganze Geschichte kümmert. Denn hier bei uns sind Erkenntnisse nur so viel wert, wie Mathematik darin enthalten ist. Mit Apparaten kann man in seinen Körper hineinsehen bis zu den Nervenzellen, deren fantastische Verzweigungen und chaotische Verästelungen. Es ist eine wichtige, aber völlig beziehungsfreie Leistung, frühzeitig in dem Nebel von Kernspin-Grau, Ultraschall und anderem Datenrauschen die bedeutsamen Konturen von Norm und Abweichung zu erkennen. Und wesentlich überzeugender, als ausgeforscht, ausgehorcht und ausgespäht zu werden. Zur Sicherheit werden auch lebendige Strukturen, zwangsläufige Funktionen und sinnliche Wahrnehmungen in faktische Datenfelder verwandelt, um das Hintergrundrauschen als Gewissheit darzubieten.
Den Ernstfall fest im Blick, werden Organe im magnetischen Spin eines Wasserstoffmodells in Schichten geschnitten, um spezifische Schäden zu orten. Wie winzige Kreisel haben Wasserstoffatome den Spin, sich um die eigene Achse zu drehen. Ein großer Magnet im teuren Gerät erzeugt ein starkes Magnetfeld, das die Wasserstoffatome der unterschiedlichen Gewebe wie eine Kompassnadel parallel ausrichtet. Diese erzeugte Ordnung wird nun durch Radiowellen absichtlich gestört. Sobald dieser Impuls aufhört, kehren die Atomkerne wieder in ihre vorherige Ausrichtung zurück. Empfindliche Antennen registrieren diesen Energieverlust und ein Computer verrechnet die Messdaten dann zu Schnittbildern. Jedes Gewebe hat seine eigenen Wasserstoffmengen und Abklingzeiten, daher lassen sich die Signalverläufe auf CD brennen und schwarz auf weiß in kleinen Organfilmchen zeigen.
Sein Modell hängt allerdings von solchen Bedingungen ab, deren Vorgänge wir bereits wissen und vorgeben können. Fragt man genau nach Meniskus oder Bandscheiben, dem Magen-Darm-Kanal, den Herzgefäßen oder den Lungenverästelungen, bekommen wir alle, mehr oder weniger öffentlich, darüber sehr präzise Auskunft.
Allerdings nicht über den Körper, sondern über seine gepixelte Leiche davon. Viele Daten bedeuten nicht unbedingt mehr Wissen. Erscheint etwas neu, kommt es stets  auf die Frage an, die man dem System stellt. Wenn wir ein Netz mit zwei cm Maschenlänge auswerfen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn darin jeder Fisch größer als unser Daumen ist. Die wirklich wichtigen Fragen, woher der Körper im großen und Ganzen seine Energie nimmt und woher im Detail die Farbe der Entzündung kommt, werden diesem Apparat nicht gestellt. Fragt man nach der Stecknadel im Heuhaufen, so wird es unwahrscheinlicher, eine wirklich wichtige Antwort zu erhalten, wenn man noch mehr Heu auftürmt. Wissen beruht nicht auf der Anzahl der gepixelten Daten, sondern auf deren Verknüpfung neuer Informationen mit dem alten Bestand oder bisherigen Wirklichkeit.
Wenn hauptsächlich das Schnittbild des Rückens die Antwort ist, bleibt die Suche nach der Frage. Wir fragen dort nicht, was dem Knie in Wirklichkeit fehlt und wie unsicher es mit dem Knie geht. Fragen wir nach der Einstellung der Gelenke untereinander, nach dem Erleben von Kräften, nach dem Atmen, dem nervösen Reizverkehr oder dem Blutfluss, der mit jeder Bewegung verbunden ist, erhalten wir keine Antwort. Wir erkennen darin nicht, was im Laufe des Lebensschritte dort verkörpert ist. Wir fragen ja nicht, wie unsicher es mit dem Knie geht und was ihm in Wirklichkeit fehlt.
 

Medizin
ist von Menschen für Menschen gedacht. Leider wollen Menschen immer, was sie können, müssen, sollen oder dürfen, beziehen sich stets auf etwas, deuten jede Kleinigkeit, bezwecken ihr Handeln und haben keinen Blick von nirgendwo. Sie unterscheiden sich von Tieren vor allem durch ihre evolutionär entwickelte Fähigkeit, Geistiges zu erleben und mit erfundenen Begriffen in verschiedenen Sprachen über ihre Pläne zu reden, weil sie von Anfang und Ende wissen. Sie können Witze machen, in Phantasien schwelgen, sich an gestern oder sonst was erinnern und die Termine für morgen vergessen. Diejenigen Leute, welche heute über Risiken entscheiden, sitzen jetzt nicht mehr mit im Boot, wie früher Kapitäne, Könige oder Pilzsammler. Zwar ist Glück für alle da, aber niemand vermag mehr die Meinungen genau von Informationen trennen. Zunehmend werden Gemeinschaften durch Medien empört und erregt zusammengehalten. Selbst der gesittete Mensch wird von den ungeübten Empfindungen seiner technischen Fortschritte irgendwie überrumpelt, bis er als Patient erscheint. Um sein Selbstbestimmungsrecht am Behandlungsvertrag ausnutzen zu können, fragt jeder Arzt seinen Apotheker. Beide müssen jede persönliche Verantwortung strikt von sich weisen und dürfen nur noch für die penible Einhaltung der Sicherheitsregeln einstehen, nachdem Sie über die Wahrscheinlichkeiten ihres Tuns und Unterlassens beizeiten aufgeklären. Leider ist das Rechnen mit solchen Näherungen keine halbwegs greifbare Sache, bisher kein evolutionär gefördertes Verhalten gewesen und deshalb niemandem in die Wiege gelegt.
Erfahrene Fachleute richten sich nicht nach Regeln, mit denen sie isolierte Fakten und Informationen verknüpfen. Denn sie wissen bereits, dass sie durch Maschinen ersetzt werden, welche besser mit großen Zahlen und der Umformung von Zeichenreihen umgehen können. Logische Ableitungen aus erlernten Regeln und gepixelten Daten und deren schulgerechtes Schlussfolgern seien eher die klapprigen Hilfsmittel des Anfängers. Aufmerksame Menschen erlangen ihre eigenartige Expertise durch ihre Überzeugungen, ihre Deutungen und Beziehungen auf eine Weise, die das glatte Gegenteil der wohldefinierten Einzelschritte einer intelligenten Maschine ist. Menschliche Experten haben ihr Wissen verkörpert, fühlen wenn sie richtig liegen und sehen den guten Lösungsweg.

Wer Lebendiges beurteilen will,
 muss sich am Lebendigen beteiligen. Gewusst wie, kann eine ruhige Hand nicht nur Mitwissen schaffen, sondern auch Neuronenfeuer entfachen, verklemmte Gelenke befreien, Spannungsstau lösen sowie Eigenschaften übertragen. Nichts beschäftigt uns mehr als diejenige, mit der wir es gerade zu tun haben.
Einerseits fördert ihr achtsamer Sinn den Dialog, trennt epikritisch  den Schaden von der Störung, die Verletzung von der Verspannung und Krankes vom Gesunden. Andererseits fordert ihr haptischer  Druck mit vereinten Kräften die hemmende Wirkung auf sich selbst zurück und überwindet Schicht über Schicht solche Barrieren, welche die Arbeit der organischen Netzwerke zur Anpassung an das bestmögliche Fließgleichgewicht behindern.
Jeder Griff ist von beziehungsreicher Natur. Niemand kann sich selbst behandeln, auch wenn man weiß, wo es hakt. Wie beim Kitzeln passiert das Erleben im Kopf, denn das Gehirn weiss alles und das Gewebe vergisst nichts. Sein Netzwerk aus verästelten Nerven weiss von Anfang und Ende, denkt tief an den Vorteil zur Erhaltung der Art und mag mit den Erfahrungen gern vorhersagen, was sein Inhaber gleich fühlen wird. Das Vorausdenken schwächt jeden gewöhnlichen Reiz zunächst ab. Auch das gespeicherte Wissen um das, was gleich aktiv zu tun ist, unterdrückt die selbstbewussten Reize. Wenn man ahnt was da kommt, blockieren die eigenen, mühsam erworbenen Sinneserfahrungen von vornherein jede hausgemachte Korrektur.
Das letzte, was man will, wenn man in Schwierigkeiten ist, sind noch mehr Selbstzweifel.  Dagegen ist es viel leichter, durch andere sein eigenes Spannungsfeld unbeeindruckt zu erkennen, als wenn man es selbst erfassen will. Kaum bewegt jemand anders unser Knie, wissen auch erfahrene Hirnzellen noch nicht, was passiert, sind höchst irritiert und halten gewohnte Befehle zurück. Genau dann, wenn nicht wir  aktiv handeln, sondern die, mit denen wir es wirklich, also hier und jetzt in dieser Situation zu tun haben, sind wir uns dieser inneren Signale am stärksten bewusst.In der gleichen Hirnweise, wie wir andere wahrnehmen, nehmen wir uns selbst wahr. Damit empfinden wir die Beziehungen zwischen Behandlungen und den Wirkungen, die sie hervorrufen. Dabei spielt die Wahrnehmung der Gewebespannung eine wesentliche Rolle im bewussten Erleben.

Allerdings findet das bewusste Erleben von Schmerz in anderen Gehirnarealen statt, als die Wahrnehmung von Bewegungen. Für alle biologischen Vorgänge gilt das Diktat: Stehen die neurochemischen Vorgänge des Reizalarms fest, steht auch der Zustand für das bewusste Erleben von Schmerz fest. Allerdings kann niemand selbst wissen, was in den Verästelungen und Synapsen der Nervenzellen vorgeht, sondern nur die Bedeutung aus den Folgen erkennen. Man merkt die Absicht und ist mit verstimmt.
Die bestmögliche Sinnesempfindung entsteht aus der Umwandlung von Körperimpulse in Gedanken. Was wir im manuellen Dialog miterfahren, ist der Spannungszustand der bindegewebigen Hüllen und ihrer Übergänge am Muskelskelett. Man kann noch nicht wissen, was das unangenehme Spannungsgefühl eigentlich bedeutet. Die schwachen Emotionen, welche durch ihre Fehlspannung ausgelöst werden, scheinen auf Gedanken zu warten, die der Spannung einen Sinn im Lebensverlauf geben.
Wer viel vom Tastsinn verlangt, wird eine größere Repräsentation in seinem Großhirn besitzen als der, der die Sensomotorik seiner Hand auf der Tastatur verödet oder im Gummihandschuh versteckt. Gehirne passen sich an und wachsen mit ihren Aufgaben. Irgendwo muß das Wissen ja hin. Angedockt an die Erfahrung eines ganzen Beruflebens, bleibt die ärztliche Tastwelt nicht nur täuschend echte Privatsache, sondern auch ein urteilsfähiger Sachverhalt, den man gelten lassen muss, um das Risiko von Fehleinschätzungen zu mindern. 

 

 

 

Bei der  Suche nach Hintergründen 
für den Ruhe- und Bewegungsschmerz fallen die vielfältigen degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule, den Bandscheiben, den Gelenken und den Kapseln besonders ins Auge, weil bildgebende Verfahren die Fülle hochkomplexer anatomischer Details für jedermann sofort verfügbar und sehr exakt darstellen. Allerdings ohne entscheidend zum Verständnis von Beschwerden am Muskelskelett beitragen zu können. 
Wenn der Gelenkschmerz ein Symptom  ist, das für etwas anderes steht, muss der Schaden im Gelenk gefunden werden. Wenn der Schmerz am Muskelskelett ein Phänomen  ist, das als die Sache selbst erscheint, muss die Frage nach dem warum hier und warum jetzt mit der reflektorischen Gewebegeschichte beantwortet werden. Wenn die wirklich wesentlichen Fragen nach dem kausalen Zusammenhang in dem Erleben von Kräften steckt, drängt sich die Frage nach der Krise im Abwehrverhalten  zwischen krank und gesund auf.
Von dieser sehr persönlichen Antwort des Beobachters hängt ab, was man tun oder geschehen lassen muss, um die Prognose der Beschwerden zu ändern. Einerseits scheint sich der elastische Muskel darin durch die Wucht eines krisenhaft erlebten Alltags in der Opferrolle zu verkrampfen, andererseits steht seine vermeintliche Schwäche für viele Abnutzungserscheinungen an Bandscheiben und Gelenken von vornherein unter Verdacht. In den meisten Fällen läßt der an den Ecken und Enden des Muskelskeletts erlebte Schmerz jedoch kaum Rückschlüsse auf Art und Herkunft der ursächlichen Störung zu und wird als unspezifisch  tituliert. Dieses Prädikat scheint zu kurz gegriffen, denn bei mehr Licht betrachtet wäre die neuro-physiologische Aktivität von Kopf bis Fuß im Prinzip spezifizierbar.      
Die früher als einfache Muskelverspannung  bezeichnete und heute als myofasziale Dysfunktion  klassifizierte Beschwerde repräsentiert in vielen Fällen einen reflektorischen Zustand, welcher unbemerkt und unbehandelt langsam chronifiziert und die beteiligten Gewebe einem schleichend fibrösen Alterungsprozess unterwirft. Es ist aber nicht nur die häufig schmerzfrei und bagatellhaft ausgelöste Muskelreaktion, welche zur unphysiologische Spannung der führenden Muskeln führt. Auch Reizzustände der inneren Organsysteme spielen in der bindegewebigen Gelenkführung eine immer bedeutendere Rolle. Obendrein dient vielen das Muskelkorsett als Erfolgsorgan des vegetativen Nervensystems mit seinem aktivierenden und hemmenden Stoffwechsel, um mentale Belastungen in biologische Reaktionen unwillkürlich zu überführen.
Aufgeklärte Leute betrachten gereizte Gelenke schon lange nicht mehr isoliert, sondern als Teil einer komplexen Nerven-Gefäß-Muskel-Faszien-Bänder-Kapsel-Organ-Funktion (myo-faszial  / arthro-ligamentär  / viscero-somatisch ). Schon die normale Kraftübertragung im Muskelskelett passiert nicht nur über Sehnen, Bänder und Kapseln an das Gelenk, sondern auch lückenlos zwischen bindegewebigen Segmenten sowie quer zu gegenläufig arbeitenden Muskelsträngen. Ihre Faszienspannung kann benachbarte Bänder und Gelenkkapseln verstärken, schädlichen Zug oder Druck auslösen und damit die Schmerzchemie an den feinen Nervenenden aktivieren. Faszien sind Teil des Bindegewebes, liegen einerseits wie ein Neopren-Anzug oberflächlich unter der Haut, bilden andererseits spannende Brücken zwischen den Gelenken und verbinden Muskeln und Organe durch feine Hüllen. Besonders zart an der Grenze zum Rückenmark, besonders derb zwischen tragenden Gebeinen. Ihr seltsames Stellungsspiel zwischen Ursache und Folge ist noch ungeklärt. 
 

Der wesentliche biochemische Mechanismus,
womit das Immunsystem die Nervenzellen vor einer Bedrohung warnt und eine ebenso saure wie blutgedrosselte Gewebereaktion an der Organführung auslöst, ist die Ausschüttung von Entzündungs-Proteinen  durch Hormone sowie die Senkung des pH-Wertes durch Ionen. Wenn keine Erklärung passt, geht es zu wie beim Wetter. Klimatisch spielt das Wetter ziemlich verrückt, denn kaum fühlt man sich gesund, weil jede Kaltfront am hauseigenen Hoch abprallt, nervt in kippeliger Situation schon ein zugiger Hauch. Egal ob abschwächende oder erregende Wirkung, bei der Verrechnung kommt es auf die Anhäufung von Reizen  an, der den entscheidenden Impuls für die Verbreitung der spannenden Antwort bildet. Der Schwellenwert wird räumlich mit der Summe aus mehreren Umweltreizen erreicht, während zeitlich betrachtet nur eine einzige Reizquelle bereits ausreicht, um den Aktionshügel überstark oder in kurzen Abständen zu potenzieren.
Löst bei uns zweifelsfrei der Schaden im  Gelenk ein entzündlich begrenztes Gewitter mit Rötung, Schwellung und Überwärmung aus, geht es erkennbar auf der Wetterseite spezifisch  um einen bestimmten Riß in der anatomischen Struktur.​
Wird indesssen an einem Kipppunkt nur die Ordnung der Gelenke untereinander gestört, haben es die Moleküle klimatisch mit einem Abriß im bestmöglichen Fließgleichgewicht, und wir mit einer nicht spezifischen  Störung der Funktion  zu tun. Die Wirkungen sind immer indirekt und beide können jeweils die beschleunigte Auswirkung des anderen sein.
Wenn das Knie wie vom Blitz getroffen ist und man im Regen steht, kann ein lokales Gewitter, der Ausläufer einer durchziehenden Tiefdruckgebietes, aber auch das Wetterleuchten im Humunkulus durch  atmosphärische Störungen in höheren Lagen, die Ursache sein. Wenn es um die Vorhersage geht, was man tun oder geschehen lassen muss,  sollte man tunlichst das Wetter nicht mit dem Klima verwechseln. Selbst das Wetter weiß nicht, wie es wird. Obwohl Wolken bekanntlich ebenso erklärbar sind wie Uhren.

Wie durch spukhafte Fernwirkung vermögen feinste Rezeptoren an den Oberflächen von Abwehrzellen die Muster von Entzündungsstoffen, Stresshormonen, entartete Zellen und unwillkommenen Eindringlingen im Blutfluss erkennen, welche weitere Immunzellen stimulieren, sich schleunigst zu vermehren.Fremde Eindringlinge aus der Umwelt erkennt der Apparat inzwischen als Antigene, Parasiten, Bakterien oder Pilze. Viren sind stoffliche Programme in Form von Nukleinsäuren, die zu ihrer eigenen Produktion Wirtszellen suchen, um sich mit deren Stoffwechsel zu vermehren. Die Abwehr in Form der Immunantwort kann, ob genetisch angeboren  oder durch Kontakt erworben, auf jeden Fall flexibel reagieren. Engagierte Fress- und Killerzellen töten ab, indem sie den Fremden in seine Bestandteile zerlegen. Im Blut binden Immunproteine die Eindringlinge fest an sich und lassen sie nicht mehr los.Dieses Vermögen ist leider nicht immer bereit, bleibt angeschaltet oder verläuft reibungslos. Deswegen rutschen entartete Krebszellen meistens unter dem Radar der Immunzellen durch. Andererseits können selbst harmlose Substanzen als gefährlich eingestuft werden und eine allergische oder zumindest intolerante Reaktion hervorrufen. Im Eifer des Gefechts kommen Überreaktionen vor, die sich auf Dauer gegen den eigenen Körper richten oder schockierend bedrohliche Intensität annehmen können.

Das Verhalten von Abwehrzellen, gleichgültig ob sie auf Schadreize  oder Eindringlinge  spezialisiert sind, besteht generell darin, auf Stoffe zu reagieren, welche körperfremd sind und von ihren Rezeptoren auf ihrer Peripherie nicht selbst als Teilchen des eigenen Körpers registriert werden. Zudem werden solche Zellen erst dann im Kreis des Immunsystem aufgenommen, wenn sie dazu noch in der Lage sind, künftig rasch zu reagieren, sollte es mit dem selben Stoff, Molekül oder sonstiger materiell-energetischer Noxe noch einmal zu tun haben. Entscheidend für das Abwehrverhalten ist sowohl der Erstkontakt mit dem genetischen  Code, als auch adaptativ  infolge der Mustererkennung der Zellen nach Begegnung ihrer Sensoren mit fremdartigen Schadreizen.
Beide, sowohl die spezifischen als auch die unspezifischen Entzündungsreaktionen der Immunabwehr beeinflussen das Verhalten von Nervenzellen. Auf diesem Weg dämpft jede Hemmung von Entzündung die Nerven und verführt uns dazu, sich besser zu fühlen. Egal wie es klingt oder sich anfühlt, mit der energiegeladenen Hormonschwemme auf der Stressachse greift das Schmerzverhalten jedenfalls tief in den Haushalt des Organismus hinein. Wodurch manche Segmente, Gelenke, Muskeln, Bänder, Nerven, Gefäße und Bindegewebe spürbar gefährdet, geschädigt oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindert oder belästigt werden.

 

Die Empfindung
von Entzündung kennt man im wachen Zustand als ungutes Gefühl. Die Entstehung von unangenehmen Gefühlen wie Schmerz hat große Ähnlichkeit mit der Entstehung eines Antigens, denn die Auslösung von Emotion ist ebenfalls eine körperlich erkennbar bewegende Antwort auf eine artfremde Stoffsammlung.  Niemand schmerzt aus Vernunft. Auch die raum- und zeitlose Gefühlswelt beginnt mit dem Auftreten eines Reizes aus einer Situation, die entweder konkret vorhanden oder aus dem Gedächtnis hervorgeholt ist. Wenn es für die Existenz notwendig oder vorteilhaft wird, gelangt eine Reizsummation an die Oberfläche zurück, um die Form zu ändern. Sind Individuen wie wir durch eine Wirbelsäule gegliedert, wird der Organismus mit dem Umweg über Verteilungsebenen und Schaltknoten seiner Segmentglieder antworten.
Auf der Erlebnisseite bewegen uns ängstliche Gefühle und katastrophale Gedanken, wenn myofasziale Schmerzen andauern, sich verstärken und verbreiten. Auch unvermeidliche Lebenserfahrungen wie Unsicherheit, Handlungsunfähigkeit und Sinnlosigkeit gehören zu uns, werden jedoch im Diktat der berauschenden Sinnesleistungen glatt übersehen. Die feinen atmosphärischen Spannungen sind oft schwer zu erkennen, weil wir allgegenwärtig davon umgeben sind und man sich in den umgebenden Hüllen nicht mehr aller Sinne bedient.
Natürlich gibt es keinen Blick von nirgendwo. Zum einen haben wir stets einen Bezug zu den Sachverhalten um uns herum, die uns betreffen. Die Tatsache, dass  wir beobachten, verwandelt jeweils den Gegenstand in seinem Gehalt, bezogen auf die reine Beobachtung. Dafür gibt es wohl ein neuro-biologisches Korrelat. Zwar sehr fein, physikalisch nur portionsweise, aber unwiederbringlich. Die individuelle Person mit Namen und biographischer Geschichte ist für diesen Bezug nicht von Belang. 
Geht es jedoch darüber hinaus darum, was  das unangenehme Erleben von Kräften mit der myofaszialen Dysfunktion verknüpft, ist der ganze Mensch mit seiner Geschichte und seinen Episoden betroffen. Philosophen nehmen vornehmlich die Bläue des Blaus oder die Röte der Himbeere ins Visier. Psychologen besprechen die Angst vor der Angst, welche uns von uralten Zeiten im Stammhirn immer noch lähmt, obwohl kein wildes Tier mehr in der Nähe ist. Wir hingegen empfinden den Schmerz über  den Schmerz, welcher die Bewegungskrise verstärkt, wiederholt oder anhält und uns hier und jetzt am eigenen Leibe unangenehm stechend, brennend oder bohrend betroffen  macht. Der Leib  ist nicht der Körper, sondern eine Brücke in der Nähe davon. Als phänomaler Gehalt teilt er sich mit ihm nur das Lokal. Irgendwo muss das unangenehme Gefühl ja hin. Offenbar sind wir mehr als bloß ein stammhirngesteuerter Körper mit seinem aufbrausenden Nervensystem. Dadurch besteht eine enge Wechselwirkung zwischen Gewebeschmerz und Stress. 
In der Naturkunde vom Werden und Vergehen wird seit je die Wahrnehmung nicht nur mit dem Sinnesorgan, sondern auch durch den Wahrnehmenden vermittelt. Das dominante Sehen wurde schon früh vor dem Hören, Riechen, Schmecken und Tasten gewertet und lange vor dem Streit, ob Licht nun Welle oder Teil oder doch beides zugleich sei oder doch in den Augen den Betrachters entsteht, kategorisch nach Bewegung, Stillstand, Zahl und Größe gemessen. Aufgeklärte Leute halten seit einigen Generationen auch die Empfindung für Temperatur, Gleichgewicht, Stellung im Raum und Schmerz für sinnvoll. Und fordern dementsprechend ein neuronales Korrelat. Dass der moderne Mensch auch außerhalb der fünf Sinne ständig gereizt wirkt, ängstlich vermeidet oder stressig durchhält, wechselnd verdichtet oder anschwillt, rhythmisch beschleunigt oder drosselt, spröde verhärtet oder lose entweicht, halten Biologen für biologisch sinnlos.
Den Psychologen hingegen kommt alles, was wir fühlen, denken und tun, aus der Erinnerung. Besonders die Erfahrungen aus Kindheit und Jugend sind einprägsam und bleiben viel später noch ausgeprägt wirksam.  Jeder Zweitschlag erzeugt die Verstärkung und die Wiederholung die Gewohnheit. Sogar die Art eines Menschen, seine Abwehrspannungen zu erleben, ist in weichenstellender Weise gespeichert. Und entspricht dem Muster, nach dem die ersten Bezugspersonen mit unangenehmen Gefühlen umzugehen pflegten. Unterwegs bleibt nur die Wahl, sich an eingehende Reize zu gewöhnen, vorerregt schon auf banale Reize übertrieben zu reagieren, oder spielend lernen um sich anzupassen. 
Sicher ist nur, dass die Naturwissenschaft an dieser Kluft zwischen Schmerzchemie  und Schmerzgefühl zu kurz greift, weil sie mit ihren analytisch-synthetischen Methoden keine der Wirkrichtungen erklären kann.   

 

 

 

Die unlösbare Frage,
wie Bewusstsein ins Gehirn kommt, erhält praktische Bedeutung, wenn es darum geht, ob organisch das Knie, die Schulter, das Becken, der Rücken oder der Fuß strukturell  einen nozizeptiv aktiven Defekt hat oder sein Inhaber sich negativ rückkoppelnd  funktionell  mit oder ohne Defekt gestört fühlt. Normalerweise sind wir uns der Gelenke nicht bewusst. Sie treten erst in unser Bewusstsein, wenn einfachste Bewegungen mühsam werden oder schmerzen. Gelenksysteme werden materiell-energetisch innerviert von propriozeptiven, nozizeptiven, vegetativ und autonom afferenten Fasern. Das Bewusstsein dagegen ist ein unbewusster Akt, der eine tragende Rolle in der Entstehung von Kräften spielt. Körperbewusstsein besteht zum einen aus epikritischer Wahrnehmung  von Muskeln und Gelenken, zum anderen aus bewusstem Erleben  des Muskelskeletts als Resonanzboden des Menschen in seiner Einheit von Körper, Geist und Seele.
Die Seele ist außen vor und kann ohne Träger wandern. Anders als beim universalen Aspekt der Seele ist Bewusstsein eine Eigenschaft, welche einen Träger benötigt. Die Arbeit erledigt das Gehirn, nicht wir, denn ohne neuronale Aktivität gibt es kein bewusstes Erleben. Wir beschäftigen uns nur im wachen Zustand mit der Qualität und dem Bezug von Empfindungen zu allem was der Fall ist. Die lauten Vertreter unserer reizauslösenden, mechanischen, chemischen und thermalen Vorgänge  im Muskelskelett sind die persönlichen Beweggründe, welche aus den Emotionen und ihren einflußreichen Gefühlen bestehen.
Auch am Fuß geht nichts ohne das leidige Problem, ob unsere bewegenden Gefühle, schmerzhaften Empfindungen oder unsicheren Erwartungen zu den biophysikalischen Vorgängen in unserem Gehirn als etwas Grundverschiedenes noch hinzukommen  und extra verständlich, handlungsfähig sowie sinnvoll erklärt werden müssen. Oder ob die Erlebensereignisse ihrerseits mit den spannenden Vorgängen in den Hirnzellen identisch sind, nur eine Teilmenge davon  ausmachen und biologisch gleich mitbehandelt werden können. Oder ob prinzipiell kein Unterschied zwischen körperlichen und geistigen Reaktionen besteht. Beide sind das Ergebnis von hormonellen und neuronalen Vorgängen und unterscheiden sich allein durch die Wahrnehmung und das bewusste Erleben. In dieser Sichtweise wäre die tastbare Verspannung einfach eine andere Perspektive  des unangenehmen Schmerzgefühls. Wenn das Gefühl nicht so wichtig für das Überleben  wäre, hätte sich die Evolution sicher schon dieses lästigen Aufwandes entsorgt, sagen die Guten

 

 

 

Ein Netzwerk aus Systemebenen,
getrennt nach Wissenschaftsbereichen, erklärt grob das komplexe Verhalten der Welt im inneren und äußeren Milieu. Dieses Modell der Einheit von Körper und Geist  beschreibt unsere Natur als eine hierachische Ordung von unfassbaren Systemen und stellt damit eine dynamische Beziehung zwischen Gesundheit und Krankheit her. Jede Einwirkung, egal auf welcher Systemebene ein Prozess beobachtet wird, kann eine Auswirkung auf allen angrenzenden Netzebenen haben. 
In der Mitte dieser Ordnungswelt  stehe auf das Feinste getrimmt der Mensch. Unter der Haut befinde sich die Ebene des Organismus, welcher aus Bestandteilen der darunterliegenden Organe bestehe. Diese bestünden aus Geweben, diese wiedaus Zellen, welche aus Molekülen, diese aus Atomen mit ihren wechselwirkenden und elektromagnetischen Kräften. Im subatomaren Bereich gehe es rein zufällig mit der Unbestimmtheit der letzten Teilchen zu, welche überlagert oder verschränkt, jedenfalls durch spukhafte Fernwirkung verbunden, in akausaler Beziehung stünden. 
Tritt nun der Mensch,  als ganze Person ausgeschlafen und sensomotorisch wieder angeschaltet, morgens vor die Tür, findet er seine persönliche Beziehung zum Nächsten, zur Familie, zur Gemeinde, zur Kultur, zur Gesellschaft, zur Biosphäre bis zu Einsteins mathematischem Kontinuum, der Gleichzeitigkeit von Masse und Energie in dem sonderbaren Magnetismus der Schwerkraft manchmal sehr belastend vor.
Nichts ist isoliert, alle Ebenen sind durch einen ständigen Strom von Materie nach dem Prinzip der vernetzten Verschaltung verknüpft. Passiert auf der einen Ebene irgendetwas, macht sich das auf der nächst höher liegenden bemerkbar. Mit diesem kontinuierlichen Energiestrom erhalten die Lebewesen ihren Ordnungszustand aufrecht. Ihr hirngesteuerter Organismus ist nicht vergleichbar mit der Informationsverarbeitung in einem Computer, sondern leistet zusätzlich einen ständigen Wechsel seiner Bestandteile. Es ist auch wichtig zu verstehen, dass die Änderungen nicht zur gleichen Zeit erkennbar sind, sondern auf den jeweiligen Ebenen unterschiedliche Zeitabläufe besitzen. Eindringlich für uns selbstbewusste Individuen und nur erfahrbar im Bewusstseins-Raum zwischen überschaubarer Gemeinde, mit der wir leben und dem Gewebe, das wir gerade noch wahrnehmen.

Universum / ( Relativitätstheorie ) 
Galaxien
Milchstraße
Erde / Biospähre
Völker / Nationen
Kultur
Gemeinde --------------------------------------------Wir - Bewusstsein ----------------
Familie
Lebensgemeinschaft
intelligent verkörperte  PERSON------- Selbst - Wahrnehmen / Erleben ----
Organe
Gewebe ----------------------------------------------- Ich - Bewusstsein ------------------
Zellen
Moleküle
Atome
Strings / Quanten  ( unbestimmte Relation )

In einem gesunden Organismus geht es leise, aber funktionsweise zu. Das Netzwerk aller Vorgänge kennt nur eine Richtung: nach vorn. Nichts hat darin dauerhaft seinen festen Ort. Im ständigen Austausch seiner Bestandteile übersteht nur der Wandel der Zellen die Zeit und kommt konstant als Kausalfaktor in Betracht. Tag und Nacht wird reguliert und integriert, um Krisen durch geeignete Reaktionen auszugleichen. Oft entsteht ein Bewegungsverlust als Ausdruck vergeblicher Bemühungen.
Allerdings kommt in der Erklärung, wie wir unwillkürlich die Atemgase regulieren, den Zuckerhaushalt beschleunigen, die Herzfrequenz verlangsamen, den Säuregrad justieren oder die Gelenke rückwirkend einstellen, das Problem wie wir Schmerzreize im Rücken empfinden, in unseren Modellen gar nicht vor. Das angeblich so bio-psycho-soziale Krankheitsmodell erklärt nicht, wie Bewusstsein ins Gehirn kommt, sondern stellt nur deutlicher als andere Theorien klar, dass die Ursachen für unsere Beschwerden im Muskelskelett nicht entweder  biologisch im Muskelskelett oder  mental im Kopf zu suchen sind, sondern unsere Wirklichkeit sich sowohl  biologisch als auch  mental gestaltet. Alle Wirkungen bleiben indirekt, d.h. die vielfältigen nervösen, hormonellen und biochemischen Erregungsmuster auf ihren Ebenen können aus grundsätzlichen Gründen nicht ohne Kennnis der Auswirkungen auf der darüber liegenden Ebene von Zellen und Geweben verstanden werden. Der Schlüsselbegriff für alle intelligent und logisch ablaufenden materiell-energetischen Phänomene von unten nach oben heißt Emergenz.
Das Zauberwort für das schwierigere Problem, wie Bewusstsein ins Gehirn kommt, ist noch in der Flasche. So etwas unlogisches und schwereloses, wie unser Gedanke, welcher aus einem Gefühl entweicht, das uns schmerzhaft betrifft und manchmal unerträglich betroffen macht, kommt in den Körperdateien gar nicht vor. Bleiben wir also ruhig, trennen sinnig die Intelligenz  der Vorgänge vom Bewusstsein  der Beweggründe, unterscheiden achtsam die Wahrnehmung  vom betonten Erleben  und beobachten gelassen, wie die Wissenschaft den Organismus als aufrecht gehenden Algorithmus erklärt und das Leben als einen Haufen von Datenprozeduren versteht.

Der Mutterwitz 
jeder Therapie ist, geronnene Geschichten mit Überzeugungskraft neu zu erzählen. ​Es ist unsere Natur, Geschichte zu haben und mit Bewusstsein  voraus zu blicken. Nichts beeindruckt uns mehr, als derjenige, mit dem wir es im Augenblick zu tun haben. Denn die Wirklichkeit ist das, was wir gerade denken. 
Wer immer noch meint, Schmerz sei Bitten der Muskelzelle um reine Kraft, wird abgeholt.
 

 

 

 

 

 

 

 

Gesundheit
merkt man erst, wenn sie fehlt. Man kann sie nicht bemerken, weil man sie immer vor Augen hat. Wenn es eng wird oder der Antrieb zwischen den Fingern zerrinnt, sind die einfachsten Beziehungen zwar offensichtlich, aber oft die, die am schwersten zu erkennen und vermitteln sind. Ständig gibt das bestmögliche Fliessgleichgewicht dem Körper die Form. Aus dieser spannenden Beziehung nehmen wir unsere Kraft. Manche Schwäche ist in einem merkwürdigen Erzählstrom aus Ahnungen, Atmosphären, Ängsten, Abwehrmechanismen und anderen hemmenden Sachverhalten verborgen.
Durch die Aufmerksamkeit, die wir in eine Situation einbringen, setzen wir das Vorbild für die Wirklichkeit, aus dem unser Körperbild entsteht. Was die Muskeln gelegentlich durch solche Stoffe erzittern läßt, welche die Signale von Nerven an die Muskeln übermitteln. Für die Kategorie der gesteigerten Körperempfindungen fehlen noch die erklärenden Begriffe. Meist schweifen nur lose Worte aus dem biomedizinischen Maschinenbaukasten verbindungslos zwischen Verspannung und Verschleiß umher. Gott, der Evolution oder anderen unentwegten Erstbewegern sei Dank, verhält sich eine Maschine nicht und wir verschleißen nicht, sondern bauen uns in jedem Augenblick neu um. 

Je weiter man sich in sein Wissen vertieft, desto mehr wendet man sich ab von dem mechanischen Körperbild, als einem stabilen Skelett, welches innen die Organe zum reibungslosen Leben beherbergt und außen von den Muskeln nach geplanten Kräften geführt wird. 
Um zu der Sicht eines lebendigen Organismus mit einem gespannten Skelett darin zu kommen, dessen knöcherne Funktion dem Ganzen bloß die verdichtete Form gibt. Deren stoffliche Vorgänge für all das, was als Beweggründe dazukomme, zur Anpassung bereit ist.
Folglich wird man sich eher von einem vermeintlichen Knochendefekt abwenden und dem Fliessgleichgewicht einer selbstregulierenden Dynamik von bindegewebigen Hüllen und schwankenden Flüssigkeiten zuwenden. Und bemerken, dass die Grundspannung des Muskelskeletts einen stetig einlaufenden Impulsstrom verkörpert und dort als Summe aller geronnenen Bewegungen im Netzwerk erscheint. Zeitgleich irgendwie getrieben von Stimmungen, Überzeugungen und Deutungen, die sich ihrerseits Raum zur Wahrnehmung und Zeit für die Betonung nehmen. ​Nur der letzte Augenblick sitzt obenauf. Diese kleinste Einheit des Bewusstseins treibt darin ihr wechselseitiges Spiel. 

 

 

Andere  Chancen hat das Tasten. 
Der ärztliche Tastsinn ist das aufmerksamste Diagnosemittel, um sich ein eigenes Bild von der Bewegungsarmut im Bindegewebsgerüst zu machen. Seine Empfindlichkeit und Energie verfeinert sich durch stetigen Gebrauch. Man kann aber nicht einfach nur hingehen und irgendwelche Manipulationen am Gewebe vornehmen. Um zu begreifen wie es ist, ein Gehirn zu sein, muss man horchen. Horchen ist eine anstrengende Arbeit, egal wie lange es dauert. Dazu braucht es einen Ort, wo die Organe zur Ruhe kommen. Wenn alles still ist, passiert am meisten. 
Jede Überlast reguliert sich mit der Zeit von selbst, wenn alles im Lot ist, die Nerven freie Bahn haben und Flüssigkeiten nicht gestaut werden. Dann geht der Körper seinen gewöhnlichen Weg. Doch immer häufiger erholt sich die Form nicht von selbst, sondern ist auf fremde Botschaften angewiesen. 
Die Arbeit beginnt mit dem Knochen im Zentrum des Gewebekonflikts, daher der Ruf nach Osteopathie. Schon die genaue Darstellung des Bewegungskonflikts führt fast reflektorisch zu seiner Lösung. Indem wir so eindringlich wie absichtslos auf die Ordnung der Schaltknoten von Nerven der Segmente, Gelenke, Muskeln, Bänder, Bindegewebe und Gefäße einwirken, kann sich die verlorene Abstimmung zwischen Körperschema und Wirklichkeit wieder einstellen und das unsichere Gefühl darüber erholen ( Kohärenz ). Neben der rückwirkendenEinstellung der Gelenke ordnen sich auch Atmung, Verdauung und Blutfluss wieder in das Fließgleichgewicht ein ( Homöostase ). 
Die Behandlung beginnt, sobald man die Liege verlassen hat. Nicht immer erfolgreich oder von heute auf morgen. Aber in der Rückwirkung tut es schon gut, wenn man weiß, was drinnen vorgeht und jemand uns dabei hilft. ​Um aus dieser Einsicht zu lernen, was der Körper mit seinem Labor von selbst versucht, um das bestmögliche Ordnung wieder zu finden. 
Angedockt an die Erfahrung eines ganzen Beruflebens, bleibt die ärztliche Tastwelt nicht nur täuschend echte Privatsache, sondern auch ein urteilsfähiger Sachverhalt, den man gelten lassen muss, um das Risiko von Fehleinschätzungen zu mindern. Denn der osteopathisch konzentrierte Arzt hört genau zu, was der Patient erzählt, aber hört nicht hin. Sein Fingerspitzenprinzip ist kein Geschäftsmodell, sondern nimmt passiv den Vorrang der Bewegung als Ausgangspunkt ernst und erfasst taktil zugleich das, was der Mensch sonst noch so mit sich bringt, wenn er tiefenverspannt als Patient erscheint.

 

Im osteopathischen Konzept
wird das ärztliche Denken nicht auf die Fehlbelastungen des Muskelskeletts und seine mechanische, biochemische oder thermische Reizüberflutung reduziert. Sondern darüber hinaus tastend versucht, mit geschultem Sinn das Wechselspiel zwischen autonomem Nervenkostüm, den Tönen im Hormonorchester und der komplex reagierenden Immunabwehr zu begreifen. 
Der sensible Zugang ist weder Methode, noch Geschäftsmodell, schon gar nicht Allheilmittel und oder Notfallmedizin, sondern Chirurgie ohne Messer und Beihilfe zum Selbstbewusstsein zugleich. Grenzen liegen dort, wo die Fähigkeit zur Selbstregulation  nicht mehr ausreicht. 
Die osteopathische Idee folgt nicht dem Ruf zurück zum Leben der Wilden. Sondern der Überzeugung, die natürlichen Mechanismen zwischen Gehirn und Organismus anzuregen, sowie seinen Inhaber abzuregen. Im beziehungsreichen Dialog kommen wir zurück zu der Tatsache, dass der Mensch in seiner Einheit von Körper und Geist das Maß aller Dinge ist und nicht alle Daten da draußen die Maßstäbe des Menschen sind. Und gemeinsam hin zu einer Denkkultur, welche die neuronale Verwirrung nicht weiter verstärkt, sondern wieder akzeptiert, dass Medikamente für die Gesundheit unnatürlich sind. Wodurch das Gesunde seinen natürlichen Platz in der Medizin zurückerhält.
Was letztlich zu einer Überzeugung führt, welche die Weisheit des Körpers würdigt, der seit jeh die Heilwege kennt. Damit die Grundspannung wieder passt, muss man Situationen schaffen, wo biomedizinische Vorgänge und emotionale Beweggründe sich gefälligst von selbst einstellen. Alles, was dahin wirkt, gehört zur Medizin. Alles andere in den Papierkorb. 

 
Keinesfalls 
kann man behaupten, das verspannte Gewebe mit seinen Fehlfunktionen sei die alleinige Reizquelle der Beschwerden. Und deren Korrektur die einzig erforderliche Behandlung. Das wäre unlauter und ein Tunnelblick macht noch keinen Spezialisten. Jedoch gelten schmerzhafte Spannungsstörungen als Vorboten für das Entzündungsaltern der Gelenke, die häufig vernachlässigt werden.
Es ist aber nicht unbedingt ärztlich, die entzündlichen Bewegungskrisen auf jeden Fall der Natur des Menschen zu überlassen, deren Gemeinheiten wir die Schäden erst zu verdanken haben. Arznei und medizinische Technik kann schließlich das Heilen menschenmöglich machen. Man sollte wählen können.