Ausbildung und Erfahrungen

Lehrjahre 1949 -- 1967     

Ohne nichts kann nichts kommen.
Hier bei uns hat Wissen eine öffentliche Schwerkraft, der sich jeder einzeln unterwerfen muss. Die Wünsche sind Privatsache und der Glaube ist ohnehin außen vor. Das Universum aus dem wir stammen, ist bis ins Kleinste materiell-energetisch, entstand aus dem Nichts der Strahlung und dehnt sich noch weiter aus. Dass die Welt nicht in sieben Tagen erschaffen wurde, wie lange von oben herab erzählt wurde, sondern sich einfach so ereignete, ist inzwischen  Konsens. Die Bibel sei kein Physikbuch, sie erkläre uns nicht, wie der Himmel aussehe, sondern wie wir dahin kämen. Religionen trösten nur über Krankheiten, Schicksalsschläge und das Wissen von Anfang und Ende hinweg. Die Philosophie ist so gut wie tot und göttliche Wesen sind nicht notwendig, denn die Fragen nach dem " woher "  und " wohin " sind ausschließlich in den Grenzen der Naturwissenschaften zu beantworten.
Das macht nichts, denn wir alle sind ohnehin nicht mehr Herr im eigenen Haus, sondern vorbestimmt durch die große Macht des Unbewussten. Der freie Wille sei eine Illusion und der Körper wirklich bereit für alle möglichen Veränderungen.
Dabei kommt alles, was wir fühlen, denken und tun, aus der Erinnerung. Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend bleiben besonders einprägsam und sind viel später noch wirksam. Unterwegs bestimmt die Umwelt  unbewusst unsere Persönlichkeit, die sich jederzeit als Einheit aus unserer körperlichen Form, unserem Abwehrverhalten und unseren privaten Vorstellungen präsentiert. Dabei ist Umwelt nicht die tote Materie gemeint, die überall in Sichtweite herumliegt. Sondern diejenigen Vorgänge und Beweggründe, welche den eigenen Erlebnisraum  betreffen und uns betroffen machen, weil zwischen der noch überschaubaren Horde da draußen  und unserem Gewebe da drinnen  manch unpassende Bewegung nachhaltig stört. Unsere Lebensgeschichte setzt sich aus soviel Episoden zusammen, wie es Augenblicke gibt und läßt sich nur gefühlt sinnvoll wiedergeben. Das ist für uns zwar wirklich so, aber nicht unbedingt wahr. Denn für uns geht wirklich morgens die Sonne im Osten auf und abends im Westen wieder unter, obwohl jeder Schüler weiß, das sich in Wahrheit die Erde um die Sonne dreht, und nicht umgekehrt.

Damals,
auf dem mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Gymnasium für Jungen, gehörte vormittags neben Sport, Musik und Mathe noch Französisch, Deutsch, Englisch, Physik und Werken zum Pflichtprogramm. Und zwar in dieser Reihenfolge. Kaum wurde es draußen hell, nahm die grausam reduzierte Wirklichkeit mit Grammatik, Noten und Formeln, optischen Gesetzen und dem ausgedehnten Raum  in Größe, Gestalt, Zahl, Reihe, Bewegung und Anordnung (res extensa ) reichlich Platz. Immer, wenn Weltanschauung und Kunst dabei war, wurde es persönlich: "so, wie es in deiner Tasche aussieht, sieht es in deinem Koppe aus!" Die gespreizte Gebärde des Mathelehrers ist nicht vergessen und nicht verdrängt. 
Das humanistische Bildungsideal empfahl sich eher nachmittags. Mit gedanklichen Formeln aus Latein, Griechisch und Philosophie sollte man Orientierung finden und dasjenige entdecken, was einen selbst betrifft oder dasjenige erzeugen, was ererbt war von den Vätern. Kurzum: die Kunst des Steuerns begreifen.
Dem einen  galt dafür als höchste Wahrheit die Idee: Ein Atom ist für jeden etwas anderes, doch die Idee des Unteilbaren ist unveränderlich. Jedes Problem sei in so viele Teile zu zerlegen, wie es angeht, um es leichter zu lösen. Denn alles Werdende hat notwendigerweise eine Ursache zur Voraussetzung.
Beim anderen  liegt die Wahrheit auf dem Platz: es kommt ihm vor allem auf die realen Dinge an, die man bemerkt, die aus Stoff sind, Form haben, Wirkung zeigen und nur, wenn sie einem Zweck dienen, sinnvoll sind. In seiner klug eingerichteten Welt läuft alles nach Plan. Dabei können feine Sinne nur täuschen, weil jeder etwas anderes sieht, riecht, hört, schmeckt und tastet.

Vormittags
muss man schon genauer wissen, was einen erwartet. Nachmittags konnte man irren, weil man irren wollte. Alles schien im Lot. Die Schule von Athen ist halt nur ein Gemälde und die Akropolis liegt in Trümmern. Trotzdem entsteht einerseits die bunte Welt nur in unserem Kopf und andererseits sind die Farben definitiv im weißen Licht gespeichert. Wo Spannung ist, wo Strom fliesst, wo Bartels seinen Most holt, lernte man ohnehin woanders. Nachmittags, mit dem Rücken zur Ostzone, waren ewige Kulturrätsel angesagt: ob Stones oder Beatles, ob Körper oder Seele, erworben oder ererbt, ob Henne oder Ei, Ursache oder Wirkung, gleich oder frei. Oder Mann und Frau.
Darum ging es nachmittags mehr. Es ging um heikle Situationen, die einen am eigenen Leibe angehen, sowie spannende Augenblicke, die spürbar etwas ändern. Es ging vor allem darum, wie man Pferde überzeugt, vorwärts zu traben und Mädchen dazu bringt, rückwärts zu tanzen. Walzer links herum war schon Beihilfe zur Emanzipation. Im Schwank haben wir gemerkt: Hat man das eine, kann man das andere nicht haben. Natürlich bestimmte der Mann nicht mehr über die Frau, denn der Väterherrschaft waren inzwischen schlicht die Kinder ausgegangen. Das Weib könnte langsam aufhören, haushörig zu sein. Auch dieser Unterschied war für uns schon überwunden.
Weitergehende Fragen, nämlich was die Welt im Innersten zusammenhält, ob sie kontinuierlich oder portionsweise daherkommt, stellten andere. Wer in Raum und Zeit versonnen antwortete, der Mond sei nur da, wenn man hinsieht, wurde abgeholt. Wissen war Macht.

 

 

Jurastudium 1968 – 1974
Es war an der Zeit zu verstehen, wie Macht funktionert. Alle sollten für sich selbst bestimmen und mehr Demokratie wagen. Viele wollten bockig ändern, was ererbt war von den Vätern. Der bestirnte Himmel war immer noch über uns und das moralische Gesetz in uns. Aber unter den Talaren war Muff von tausend Jahren.
Juristen trifft man nicht im Widerstand. Eher teilen sie traditionelle Gewalten unter sich auf, in Polizei, Gericht und Parlament. Von bedrohlichen Datenmengen und subtilen Medienmächten hält man sich tunlichst fern. Die Welt der gefühlten Meinungen und natürlichen Informationen erschließt sich dem gemeinen Juristen nicht. Ihr Blick in das Gesetz erleichtert dessen Anwendung. Es geht im Recht nicht um ewige Gesetze, sondern um schriftliche Regeln, deren üblichen Sinn und um die freundliche Deutung von Sachverhalten. Man muß nicht alles für wahr halten, man muß es nur für notwendig halten. Es kommt in den täglichen Vorgängen auf die penible Einhaltung von Sicherheitsregeln an, nicht auf irgendwelche inneren Beweggründe. Postfaktische Gefühle passen nicht zwischen zwei Aktendeckel. Empfindungen werden tunlichst Dichtern, Denkern und Schamanen überlassen. 

Allmählich entstand ein bedrohliches Gefühl. Eine Atmosphäre, als wenn einem ständig der Prozess gemacht wird. Nicht direkt im Körper zu spüren, aber in der Nähe davon. Unbemerkt von den Juristen, schlichen heimliche Gewalten am Recht vorbei. Die Medienwucht und Datenkontrolle machten schon Druck. Bloß nicht auf Seite eins die Ehre verlieren. Bloß nicht durchsichtig werden. Bloß nicht mehr Bürokratie wagen und unter ein zufälliges Urteil geraten.
In den Prüfungen bebte der Kopf und der Körper steigerte sich mit allem, was genervt war: das Herz klopfte schneller, die Atmung flachte ab, die Stirn perlte los, die Knie zitterten, der Magen flaute , die Füße kühlten, der Mund trocknete aus, der Rücken verspannte sich selbst, das Gedächtnis blockierte, die Ruhe war dahin, die Lust auch. Zum Volljuristen hat es nicht mehr gereicht.

Die Idee kam über Nacht: Willkommen im System, denn nichts ist praktischer, als eine gute Theorie. Kern der Überlegungen ist, dass die ganze Welt aus mannigfaltigen Teilen besteht, die sich fortwährend miteinander ordnen.  Sowohl hierarchisch von unten nach oben, als auch einheitlich von rechts nach links. Da alle Vorgänge der Umwelt aufeinander bezogen sind, können ihre Teile zu einer völlig neuen Form vereinigt werden, welche vorher nicht zu erkennen war. Übersät von feinen Nerven steht im Mittelpunkt der Mensch als aufrecht gehendes Gefühlsorgan. Das Verhalten dieser lebendigen Person wird dauernd bestimmt von Systemeinheiten aus Beziehungen, Netzwerken und Muster, die sich hierarschisch übereinander wie die russischen Matroschka-Puppen überstülpen. Eine über die andere, die obere umfassender als die untere, ähnlich in Form und Struktur, nur unterschiedlich im Maßstab.
Das ganze übergeordnete System beginnt in der Nähe der Zweier-Beziehung. Darüber pressen sich die Familienbande, die nächste Schicht belegt den Platz in der Gemeindenationale  Eigenarten feiern die Rituale, die Gesellschaft  strömt mit Moden und Werten, die Kultur  spendet die Energie, die Biosphäre stellt die Überlebens-Bedingungen. So geht es weiter in die kalte Heimat da draußen zur Galaxie, ins All, wo Platz genug ist für unsere große Theorie über alle physikalischen Kräfte, dem Standardmodell. Darin breitet sich das Universum rasant weiter aus, bildet das Licht die Höchstgeschwindigkeit aller Vorgänge und die Schwerkraft umfasst kontinuierlich die Masse aus geronnener Energie. Dain sehen wir nur 5% Licht, also baryonische Energie. Der Rest ist physikalisch unbekannt und teilt sich auf in dunkle Materie, die für nicht sichtbar ist, aber Schwerkraft besitzt und dunkle Energie, welche das All und damit uns vor der beschleunigten Ausbreitung abbremst.
Unter der Haut entwickelt sich die biologische Welt. An dieser Front arbeitet die Evolution, unsere große Theorie beim Kampf ums Dasein. Hier lebt der Organismus  von seinen Organen. Diese bestehen hierarschisch aus Geweben, deren kleinste Einheiten die Zellen sind. Darin bilden sich Moleküle, gebunden aus Atomen und schließlich der subatomare Teilchenzoo, der letztlich aus unbestimmten Informationszuständen besteht.

In jedem Netzwerk der Systeme existiert nichts isoliert. Alles funktioniert nach dem Prinzip der parallelen Verschaltung. Nehme ich auf einer Ebene eines Fachgebietes störenden Einfluss, wirkt sich das auf den anderen ebenfalls aus. Allerdings sind alle Wirkungen indirekt, d.h. man kann sie solange nicht sehen, bis sie irgendwo artig, aber anders erscheinen. Dort spricht man leise von Emergenz., d.h. die Wirkungen sind nicht linear, sondern indirekt und erscheinen teilweise chaotisch. Zum Beispiel kann man Wasser bewegen und damit löschen. Seine Bestandteile darunter, Sauerstoff und Wasserstoff, kann man nicht  bewegen, aber wahrnehmen, während beide das Brennen unterstützen. Was dazwischen passiert, sieht, riecht, fühlt, schmeckt und hört man nicht. 
Alle Systeme kennen nur eine Richtung: nach vorne. Zurück ist unmöglich. Die physikalischen Kräfte lassen sich zuverlässig vorhersagen. Im Gegensatz dazu muss man die Evolution im Nachherein betrachten: erst an den Kindern kann man ablesen, was ihre Eltern durchgemacht haben. 
So ist das arme Wesen in der Systemtheorie mit allem verschaltet und tauscht sich mit seiner sozialen Außenwelt pausenlos aus, egal, ob unnahbar weit weg oder spürbar dicht dran. Seine psychische Innenwelt ist immer dabei und beide beschäftigen den physischen Körper merklich, wenn es irgendwo hakt. 

 

 

Medizinstudium 1974 – 1982
Wer heilt, hat Recht. Zur Erklärung, was man wahrnimmt, braucht man Theorien, die anweisen, wie mit komplexen Situationen umzugehen ist. Diese Selbstüberprüfung ist eine philosophische Aufgabe. Leider denkt der Mediziner nicht mehr philosophisch. Für einen erfolgreichen Umgang mit den Gelenken solle er gefälligst bei der Sache bleiben und dürfe sich nicht im Nachdenken verlieren. Naturgesetze sind eh nicht zu ändern. Sie waren vor uns da und werden nach uns da sein. Sie sagen uns, was der Sonne die Energie gibt und den glühenden Körpern die Farbe verschafft. Sie sind soviel Wert, wie Mathematik darin enthalten ist. Ohne Physikum bewegt sich nichts. Unterwegs stebt alles zu seinem Gleichgewichtszustand: die tote Materie zu seinem Zerfall, das Lebendige zurück zum Ganzen. Aber um uns herum steigt durch veränderte Lebensbedingungen der Anteil von Umwelt- und alterungsbedingten Pannen der Anatomie und Physiologie stetig. Wie nie zuvor konkurrieren die gefühlte Wirklichkeit des Einzelnen mit dem deterministischen Inselwissen der Medizin um die Bedeutung.

Bisher wurden die Leitlinien für medizinische Behandlungen aus vier grundlegenden Überzeugungen abgeleitet:
-  alternativ aus übernatürlichen Kräften von Göttern und Dämonen ( was durch Aufklärung überwunden ist),
-  aus der Ähnlichkeit von Erscheinungsbildern, um den Organismus zu irritieren und erneut zu Lebenszeichen herauszufordern  ( was alternativ wirken soll ),
-  aus dem Verstehen von Gefühlen, Denken und Handeln von privaten Innenwelten ( mit den Worten und Gründen der Geisteswissenschaften ),
-  aus ihren biologisch-chemisch-physikalischen Ursachen und Wirkungen von gemeinsamen Außenwelten ( mit den technischen Bedingungen der Naturwissenschaften ).

Diese vier Denkstile sind weder sprachlich noch methodisch miteinander kompatibel. Ihre Gewohnheiten bestimmen jedoch darüber, was wir sehen und beschreiben. Aus dieser unterschiedlichen Wahrnehmung entsteht eine alternative, eine psychologische und eine organische Medizin, praktiziert von Biochemikern, Unternehmern oder Barfuß-Ärzten.
Jeder approbierte Arzt ist ein Überzeugungstäter, denn er glaubt zu recht das, was im Studium über Wirkungen von Arzneien und chirurgischer Technik gelehrt wird. Für das Verständnis von Körperreaktionen, die dem Kranken von innen helfen und für die Unterstützung von Abwehrkräften, die ihn zur Not ergänzen, ist er schlicht nicht ausgebildet. Alle kümmern sich um den Bluterguß am Fuß, wenn jemand umgeknickt ist, aber niemand ist für die Spannung am Bein und die Schreckpause zuständig. So kann niemand vernünftig erklären, ob der Modus der Schonfunktion schon vor dem Trauma bestand und damit eine selbsttätige Regulation behindert hat oder ob die Schonfunktion erst durch das Trauma entstand.
Wie traditionell erlernt, kommt er gedanklich erst dann hinzu, wenn aus dem Ei ein Huhn wird. Er sieht sowohl den Kranken als auch seine Krankheit wachsen und wendet sich stutzend ab, wenn ihm die Worte fehlen. Folgerichtig überweist er zum nächsten, der in einer anderen Sprache versucht, ob es besser passt. In jedem Fall gilt die gestörte Struktur, die er im Ganzen oder in Schichten pathologisch an den Organen findet, als objektive Ursache der Krankheit und Erklärung für das Dilemma, begleitet von einer subjektiven Lebenswelt mit Schmerz, Angst oder Verspannung.
Seine wissenschaftliche Kultur kommt neutral von außen und hat vom Menschen nach wie vor das Maschinenmodell.  Daraus lassen sich konkrete Handlungen ableiten. Darin läuft, von Neurose bis Arthrose, von Angst bis Spannung, von Schmerz bis Zerrung, hinter jedem Vorgang ein erklärender Vorgang ab, sei es zweigliedrig  in erkennbarer Ursache mit linearer Wirkung, sei es dreigliedrig  mit Einwirkung, Rückkopplung und Auswirkung im Prozess   oder sei es vielgliedrig  im Spiel des deterministischen Chaos im Universum. Ein Multiversum mit der puren Möglichkeit einer gliedfreien, akausalen, völlig zufälligen Wirkung ohne theoretisch erkennbaren Wirkzusammenhang ist reine Fiktion, aber schon mit Begriffen wie Überlagerung und Verschränkung betitelt. Es stört den Glauben an diese Lehre kaum, wenn an den Organen  nichts Defektes zu finden ist, was den Schmerz, die Angst oder die Verspannung erklärt. Ein Multiversum mit der puren Möglichkeit einer gliedfreien, akausalen, völlig zufälligen Wirkung ohne theoretisch erkennbaren Wirkzusammenhang ist reine Fiktion, aber schon mit Begriffen wie Überlagerung und Verschränkung betitelt.

Entzündungszeichen wie Schwellung, Rötung, erhöhte Temperatur und Schmerz lassen einen Heilungsprozess erkennen. Der dicke Knöchel macht Sinn, denn bleibt die Schwellung aus, wird etwas fehlen. Viele Zeichen, sei es Symptome oder Phänomene, die jeder Kranke sendet, wenn es ihn am eigenen Leibe betrifft und betroffen macht, werden in den Fächern nicht gelehrt. Symptome sind das, was für etwas anderes steht, wie Fieber für Infekt und Schwellung für die Fraktur. Ein Phänomen ist der Sachverhalt selbst, so wie sie erscheint, wie Angst, Schmerz und Verspannung.
Studien zufolge leiden 800 von 1000 Menschen in unserer westlichen Welt an Beschwerden am Muskelskelett. Die meisten kurieren sich mit alten Hausmitteln.  40% suchen fachlich-medizinische Hilfe, davon 65% beim Arzt. Auf alternative Verfahren vertrauen 20 %. Weitere 8% werden in Polikliniken und Notfallambulanzen untersucht, 4% zu Hause verarztet und 2% im Krankenhaus behalten. Nur einer von 800 Kranken wird in einer Uniklinik versorgt, wo seltene und schwierige Krankheiten behandelt und in kontrollierten Studien doppelblind erforscht werden. Es wundert deshalb nicht, wenn dort, wo die meisten krankhaften Störungen behandelt werden, allenfalls Richtlinien zur Kontrolle vorliegen und derjenige Recht bekommt, wer zuletzt heilt. Unabhängig von der Krankheitsphase und seinem persönlichen Kenntnis-, Erfahrungs- oder Wissensstand.

Zweifel sind ausdrücklich erlaubt, denn wer geistig zweifelt, muss körperlich existieren, sonst könnte er gar nicht zweifeln. Dem kartesianischem Denkmodell des französischen Lebemannes Descartes gibt erst diese Einsicht die Gewissheit, die Wahrheit zu sagen. Nach dieser grundsätzlichen Überzeugung arbeiten der masselose Geist  einerseits und der ausgedehnte Körper  andererseits nicht nur auf Parallelveranstaltungen, sondern sind schlicht zwei völlig verschiedene Substanzen, die sich nicht in einer Sache vereinnahmen lassen. Tatsächlich hat noch nie jemand gesehen, wie ein elektromagnetischer Reiz in das Seelenleben hüpft und von dort, als chemischer Botenstoff verkleidet, wieder zurückspringt. Der enorme Erfolg der Medizin ist ohne diesen Dualismus von Ursache und Wirkung, von Geist und Körper, ohne Vereinfachung auf abstrakte Begriffe , ohne die mathematische Sprache und ohne die experimentelle Forschung nicht zu erklären. 

Diese doppelte Weltsicht trennt wunderbar das Subjekt vom Objekt, die Qualität von Quantität, das Gefühl von Vernunft und die Freiheit vom Vorherbestimmten. Diese Kultur der Pole hat den technischen Fortschritt erst ermöglicht. Sie isolierte die Phänomene und entzauberte die Welt von Feen, Geistern, Seelen, Göttern, nackt oder in weiß, und leider allem, was Leben besitzt. Zur Aufklärung der Frage, was man selbst tun könne, schuf sich die westliche Welt umgehend harte Fakten wie Werkzeuge und Waffen, nahm Pferd und Rad, druckte Bücher und schrieb mit Tinte, hob Hammer und Sichel, probierte Dynamit und Erdöl, bewegte Autos und Bilder, erzeugte Pillen und Prothesen und bastelt jetzt an Sensoren und Genen, um seine Umwelt wie gefühlt zu ertasten und bei Bedarf zu ersetzen. Die zunehmende Verfeinerung der technischen Apparaturen erzwingt parallel eine fortschreitende Verfeinerung der menschlichen Eingriffe und Überzeugungen. Damit wird insgeheim das Körpermodell als phyikalisch-chemische Maschine bestätigt, statt überwunden. Es entsteht eine höchst komplementäre Situation, an der sich bis heute die Geister scheiden: nach außen verschieden, in der Tiefe doch zusammen.  

Das Weiche organisiert gern das Harte. Geistige Wissenschaften kontrollieren mit Wort und Schrift die Modelle der Naturwissenschaften. Seitenweise fassen Einrichtungen, Versammlungen, Vereine, Verwaltungen, Parteien und andere Erregungsgemeinschaften zusammen, was sich in ganze Sätze listen läßt, denn Wissen ist Macht. Leider sitzen diejenigen Leute, welche heute über Risiken entscheiden, nicht mehr mit im Boot, wie früher die Kapitäne, Könige oder Pilzsammler. Wer erfolgreich sein will, darf sich nicht um die Welt kümmern. Zwar ist Glück für alle da, doch zunehmend werden Gesellschaften durch Medien empört und erregt zusammengehalten. Selbst der gesittete Mensch wird von den schleichenden Auswirkungen seiner technischen Fortschritte in seiner Befindlichkeit irgendwie überrumpelt, bis er humpelnd als Patient erscheint. Die Naturwissenschaften, welche nur die kalte Heimat des Universums erklären, helfen in dieser ungewohnten Atmosphäre  nicht wirklich weiter. 
Das Alltagsgeschehen mit der sichtbaren Kraftmeierei bietet dem gesunden Menschenverstand genug Anlass zum Zweifel. Irrtümlich als "Trimm Dich"  Verordnung von der olympischen Idee abgeleitet, wird die historische Bemerkung " mens sana im corpore sano "  gern als Leitsatz mißverstanden. Eigentlich war mit diesem spöttischen Hinweis auf römische Zustände nur gemeint, man solle ordentlich beten und hoffen, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist stecke. 
Ein anderer wunderbarer Gedanke hat eher Aussicht auf eine unendliche Gültigkeit: der Mensch ist das einzige Wesen im bisher bekannten Universum, das über sich selbst frei und ungezwungen nachdenken kann. Zwar kann jeder nach Belieben die Gesetze der Natur aufstöbern und anerkennen, aber verstehen muß er sie schon. Die objektive Zuordnung zu Wissen setzt eine Debatte mit anderen Menschen voraus, die damit einverstanden sein müssen oder auch nicht. Sein Geist ist zwar in der biologischen Natur seines eigenen Gehirns verankert, aber aus dem Austausch mit fremden Menschen im Laufe der Zeit hervorgegangen.
Das ändert zwar komplett den Blickwinkel auf die Art seiner Substanz, aber nicht auf seinen Sinn. Menschen bewegen sich nun einmal im Geist. Denkt man sich den Geist weg und betrachtet nur noch die Biologie und Physik, verschwindet komplett aller Sinn. Glücklicherweise sind wir immer in Gesellschaft und andauernd in die Gedanken anderer Leute eingebunden. Unser Verhalten beruht also stets auf Gegenseitigkeit. Man nennt das Psychologie.
Im Dschungel der Interpretationen gibt es eine bedeutsame Spur: der enorme mentale Aufwand muß eine tiefere Bedeutung für das Leben und Überleben haben, denn sonst hätte die Evolution sich dieses anstrengenden Sinnes schon längst entledigt.
Der Mensch bleibt also nicht umsonst allein und frei in seinem Willen, aber er ist aus krummen Holz. Bei Krankheiten, Schicksalsschlägen und anderen unerklärlichen Erscheinungen wie Kriegen half das tröstende Wort nicht immer zuverlässig weiter, sodass Psychologen von den Priestern, Poeten und Philosophen auch die Deutung von Erleben und Verhalten übernahmen.Trotz großer Empathie ist bis heute ungewiss, ob Gefühle wahr sind. 

Bei vernunftbegabten Wesen stehen dumme Gefühle und kluge Gedanken am Anfang jeder Einsicht. Im Kopf entstehen aus Gefühlen erst die Gedanken, die man dann besprechen kann. Die Frage, wer das Hin und Her steuert, steht nach wie vor im Raum. Infrage kommen greifbare Dinge, wie Nerven, Gene oder Hormone. Oder nur wahrnehmbare Dinge, wie Angst, Schmerz oder Verspannung. Oder nur denkbare Dinge, wie Gott, freier Wille oder Wechselwirkung.
Störungen heilen die einen mit Arznei, Messer oder technischen Apparaturen, die anderen regulieren mit schlichten Worten. Für die nur spürbaren Dinge, wie Angst, Schmerz oder Verspannung, gibt es noch keine öffentliche Lobby. Diese emotionalen und körperlichen Erfahrungen sind Teil des menschlichen Wesens, die der Selbstkontrolle unterliegen. Die Steuerung ihrer Erscheinungsformen besteht in der Kunst, von außen eingehende Reize mit der Erfahrung von innen zu kontrollieren. Hirnforscher haben hundert Jahre gebraucht, um die Ideen der Psychiater einzuholen. Biologisch bestätigen sie ein von tief  innen wirkendes ungezügeltes Triebsystem, auf das sich ein übergeordnetes Kontrollsystem führend und hemmend zugleich aufsetzt. Beide Anteile sitzen im Gehirn. Die triebhaften, spontan und überwiegend automatisch ablaufenden Verhaltensweisen arbeiten unten am Stamm. In der Mitte residieren die Belohnungssysteme und unten an der Seite die Zentren für Angst, Schmerz und Spannung bei drohender Gefahr.
Weiter oben hinter der Stirn liegt die neurobiologische Adresse für die Ausbildung des Willens. Damit läßt sich die Aufmerksamkeit etwa 8 Sekunden lang bewusst steuern, gleichgültig ob ablenkende Gedanken oder Gefühle von unten hochkommen oder aufregende Situationen von außen einwirken. Beide Kontrollsysteme sind so eng mit einander verbunden, wie beim Tango: halb zieht sie ihn, halb sinkt er hin. Mit Hilfe der Selbstkontrolle über beide Anteile wird aus dem Es ein Ich. Stimmt etwas nicht, gerät man aus dem Takt und das ganze restliche System außer Kontrolle.  
Jeder weiß, ein Lob nützt nichts ohne die Ausschüttung von Hormonen. Mit diesem wortreichen Eingriff in die biologische Welt ist zwar die Wechselwirkung zwischen geistigen und körperlichen Vorgängen scharf beobachtet, aber man darf nicht daraus schließen, dass mentale Ereignisse physische Krankheiten bewirken, weder im Fuß noch im Gehirn. Im Mittelpunkt der Krankheitsentstehung steht nach heutiger Auffassung nicht die Änderung der biologischen Struktur der Gehirnzelle, sondern das Volumen der neuronalen Aktivität, d.h. der Menge an Informationen auf den Verästelungen der Nervenzellen. An dieser Qualität der Selbstkontrolle kann man einwirken, durch stimulieren oder lernen, durch enthemmen oder abflauen. 
Um Gesundheit und Krankheit besser zu erklären, wird die Systemtheorie zugrundegelegt. Daraus leitet sich das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell ab, was von zuständigen Behörden als bedeutendste Rahmentheorie der medizinischen Wissenschaft verwaltet wird. Das Hütchenspiel mit den Matroschka-Puppen gilt vielen als das stimmigste Gerüst für die Beziehung zwischen Körper und Geist. Damit lassen sich Gesundheit und Krankheit nicht getrennt beschreiben, weder aus der körperlichen, noch aus der seelischen Verfassung heraus. Neu ist, dass sich Krankheit dann einstellt, wenn einzelne Regelkreise auf den Fach-Ebenen ausfallen und das Gesamtsystem die auftretenden Störungen nicht mehr ausgleichen kann. Demnach gibt es einfach keine psychosomatischen Erkrankungen, weil es keine nicht-psychosomatischen Erkrankungen geben kann. 

Vereinfacht man Dinge, so wird es klarer. Die Wissenschaft fasst von alters her elegant das Wissen in Formeln zusammen. Auch wir sammeln unser ganzes Leben lang Informationen, entweder passiv, indem wir die Eindrücke auf uns einströmen lassen. Oder aktiv, indem wir konkrete Fragen an die Natur stellen. Aber auch passiv verarbeitet unser Gehirn Fragen, die wir gar nicht so genau gestellt haben, zu Antworten. Von der Wirklichkeit, die draußen, wie auch immer, stattfindet, haben wir nur ein Bild, einen Gedanken oder eine Vorstellung. Man sagt, unser Gehirn sei das komplexeste System im Universum und konstruiert sich aufgrund dieser Erfahrungen ein Bild von der Wirklichkeit. Wir beobachten, dass sich tote Materie wie das Weltall stetig ausbreitet. Pflanzen werden größer und grüner, bevor sie blühen und welken. Lebendige Wesen schlüpfen aus der  Zelle, werden größer und schneller, bevor sie erwachsen werden und sich vermehren. Die steuernde Idee ist " Wachstum ", denn aus dem Ei wird das Huhn.
Anfangs treffen zwei grundlegend verschiedene Zellformen aufeinander, um sich gegenseitig zu steigern. Die eine wartet geduldig allein, rund, groß, ruhig, weich, als Ei-Form mit über 1500 Genen kurzfristig aufnahmebereit. Die andere sind viele, zappelig, langgestreckt, formelhaft ausgerichtet, schnell ermüdet mit einem Code von etwa 80 Genen. Die molekulare Schrift auf dem Genom setzt eine Zellteilung in Gang und bildet über neun Monate hinweg die Gestalt des kleinen Menschen, bis schließlich die Flüssigkeiten permanent alle Stoffe zum idealen Verhältnis austauschen und sein Knochengerüst die Form einigermassen hält. Die Nervenzellen haben sich heimlich im Laufe der embryologischen Entfaltung zu oberen Instanzen entwickelt, welche sämtliche Abläufe im Organismus integrieren. Sensomotorische Nervenfasern verbinden verstreut liegende, aber synchon reagierende Dermatome, Myotome, Sklerotome und Enterotome. Feinste Nervenendigungen sind allzeit bereit für eine körperliche Reaktion, damit der Mensch eingehende Sinnesreize vom Rückenmark in sein Gehirn weiterleitet, dort die Signale mit Vorerfahrungen abgleicht und bewertet wieder abwärts sendet, um den Impuls gedankenlos in allerlei motorische Befehle umzusetzen. Das autonome Nervensystem verwandelt diese Zusammenhänge in eine leiblich erlebbare Situation mit unbewusster Mimik, Gestik und Körpersprache.
Für die Entstehung von Gedanken wird angenommen, dass sie aus Verästelungen der Nervenzellen in den jeweiligen Arealen des Gehirns hervorgehen. Erstaunlicherweise seien alle Freuden, Leiden, Erinnerungen, Ziele und Sinne in Wirklichkeit nur das Verhalten einer riesigen Anzahl von Nervenzellen und seiner dazugehörigen Moleküle. Ungefähr 95 % des biologischen Treibens bleiben unbewusst. Kaum entstanden, wird den bewussten Gedanken einiges zugemutet, denn wir können inzwischen genau beobachten, dass  güber ein bestimmtes Thema nachgedacht wird. Nach allgemeiner Auffassung ist es ein viel schwierigeres Problem herauszufinden, was  dazu gedacht wird. Schließlich wird das, was wir glauben, das sein, was zählt. Im Alltag brauchen wir den gesunden Menschenverstand und glauben mit unseren restlichen bewussten 5%  Nervenaktivität an vier Dimensionen mit Länge, Breite, Höhe und Raumzeit in einem dynamischen Prozess universeller Ausbreitung. Auf diesem Grundprinzip der ausgedehnten Körper organisiert unser Geist sein Wissen.
 
Psychisch  beginnt das Leben mit der kleinsten Verhaltenseinheit: In Anwesenheit der Mutterbrust wird der Trieb " Hunger " befriedigt, noch dazu gekoppelt mit der mentalen Erfahrung " Zuwendung ". Die Ausbildung von Selbstbewusstsein hängt davon ab, wie die Abwesenheit einer oder beider Komponenten ertragen wird.
Soziale  Erfahrung erträgt der Kleine fast bewusstlos: seine Erbfähigkeit sowie sämtliche Grundrechte. Damit darf er alles tun, was nicht verboten ist.
Biologisch  zeigt sich das Leben zuerst mit der genetischen Schrift, deutlich unterhalb der Ebene von Zellen. Nach dem ganzen Auf und Ab endet das Leben überhalb der Zellebene ziemlich schnöde mit dem Hirntod. In unserer Kultur definieren wir das Leben streng asymmetrisch: am Anfang steht der genetische Code. Das Ende beweißt nur die Nulllinie im Apparat. Kleinster gemeinsamer Nenner ist die Informationdarüber, ob ja oder nein gestimmt wurde.

An den Rändern wird es unscharf. Jede geringste Erfahrung verändert das Gehirn. Das Gedächtnis schöpft sich jedes Mal neu und bestimmt unsere Persönlichkeit. Unterwegs nimmt man ständig Stoffe auf und gibt sie entwertet wieder ab. Das passiert jedem mit frischer Luft, warmen Sonnenstrahlen, leckerer Mahlzeit und einströmenden Sinnesreizen. Störungen dieser fragilen Systematik werden vom Gesamtsystem ausgeglichen, bis das Fass überläuft. Durch Erleben und Verhalten, durch Lernen und Musterbildung, durch Umwelteinflüsse und biochemische Sequenzen, durch frühkindliches Stresserfahren oder altvorderer Beharrlichkeit, verändert sich das Volumen von Hirnarealen. Theoretisch kann dieser Prozess einhundertzwanzig Jahre andauern. Es sei denn, das genetische Programm enthält kleine Fehler, wurde nicht durch Selektion gelöscht und dieses Register wird bei passender Gelegenheit gezogen. 

Für den Praktiker vor Ort wird es mechanisch schwer, das Ganze zu verstehen. Er kennt keine dissipativen Wesen im offenen System, die Stoffe aufnehmen und entwertet wieder abgeben. Er kennt nur volle Wartezimmer mit ungeduldigen Patienten, die darauf zeigen, wo es ursächlich weh tut und darauf warten, dass etwas Wirksames passiert. Die Idee des " Austauschs " mit der Umwelt ist ihnen mit dem Reparatur- und Wachstumsideal des Maschinenmodells nicht zu erklären. Die Vorstellung von Wechselwirkungen mit der Außenwelt enthält die Beobachtung, dass das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile. In diesem Überstand schlummert der Sinn des Ganzen und die zweckdienliche Idee, dass das Leben nachhaltig weitergetragen werden möge. Damit wird das Huhn das Mittel , mit dem ein Ei das andere hervorbringt. 
Solch Sinneswandel handelt nicht von Ursachen und Wirkungen, sondern von Gründen und Grundsätzen, welche ohne Bedingungen auskommen und in solchen Büchern vorkommen, die im Regal rechts neben den Physikbüchern stehen. Die Schriften von romantischen und freiheitsliebenden Leuten stehen dort. Wir müssen im Naturbetrachten immer eins wie alles achten, heißt es da. Nichts ist drinnen, nichts ist draußen, denn was innen, das ist außen, schrieb Goethe farbenfroh in seinem Epirrhema. Aber es sei der Geist, der den Körper forme ! rief Schiller in Weimar noch frei heraus, körperlich schon ein Wrack. Noch vor wenigen Generationen dienten die Dichter, Denker und Schamanen als Leuchtturm, um die grobe Richtung zum sicheren Hafen weisen. Von der Navigation mit präzisen Koordinaten der Orte wussten sie nichts oder wollten nichts wissen.

Die Physik gibt unser Modelldenken vor:
Obwohl sich bereits seit dem 17. Jahrhundert mit der Physik der Optik und den Bewegungsgesetzen sehr genaue Angaben über die gemeinsame Wirklichkeit da draußen machen ließen. Allerdings findet die Welt von Isaak Newton noch im absolut ablenkungsfreien Raum statt. Reizzustände an den Übergängen wurden dem Grundsätzlichen zuliebe vernachlässigt. Sogar die Schwerkraft hatte aus seiner Sicht nur eine Fernwirkung. Als Überschrift seiner physikalischen Erklärungen mit mathematischen Formeln wählte er den Begriff  " Naturphilosophie ", welche immer noch gilt, wenn wir nur die Alltagsdinge betrachten. Auch unser heutiges Verständnis der Funktionsweise des Kosmos basiert auf seiner modernen Technik wissenschaftlicher Untersuchungen. Nach wie vor ist die Welt der Geister, der Subjekte mit ihren Empfindungen, eine Welt für sich, neben der Welt der Körper.  
Die Physik des 18. Jahrhunderts befasste sich weiter mit der Idealisierung von Bewegung und beobachtete zaghaft die Umwandlung von Materie. Das 19. Jahrhundert führte den Gedanken ein, dass es unterschiedliche Formen von Energie gibt, welche elektrische, chemische und biologische Arbeit verrichten. Dabei fiel auf, dass die Energie nicht verschwindet, sondern uns in anderem Zustand immer erhalten bleibt. Beim Grübeln über Entropie und Zeitpfeil streiften manche Physiker die historisch bedingten abstrakten Verkünstelungen ab, kehrten zurück zur Philosophie des Geistes, um ihr wirkliches Leben begreifbar zu machen. Einige wurden seltsam oder nahmen sich das Leben. 
Am Anfang des 20. Jahrhunderts brach das mechanische Weltbild der Natur dramatisch zusammen, als mehr und mehr Beobachtungen ernst genommen wurden, die jenseits des alltäglichen Realitätsverständnisses lagen. Die Grundaussagen wurden auf zwei völlig neue Theorien festgelegt, eine für das große Ganze und eine für das kleinste Teilchen.
Einstein überlegte sich eine Antwort auf die Frage, woher die Sonne die Energie für den Sonnenbrand nimmt. Er beschrieb eine höhere Abstraktionsebene, auf der das Kontinuum des Weltalls, worin die Masse fester Körper nur geronnene Energie ist und die Höchstgeschwindigkeit aller Vorgänge die Lichtgeschwindigkeit ist. Sein zentraler Gedanke war die Kritik an der absoluten Gleichzeitigkeit von Newtons Bewegungsgesetzen. Damit zog er mutig den Betrachter, den subjektiven Beobachter, den es nun einmal wirklich gibt, in die Beschreibung des Geschehens mit ein. Einstein stellte mathematisch elegant fest, dass es nach physikalischen Gesetzen nicht möglich ist, von zwei Ereignissen, die weit voneinander entfernt statfinden, eindeutig zu entscheiden, ob sie gleichzeitig sind oder welches von beiden früher geschieht.
Wenn zum Beispiel auf einem Stern eine Lichtexplosion geschieht, sehen wir diese auf Mutter Erde früher oder später, als bald auf dem Mars. Die Behauptung, dass es jetzt geschieht, ist abhängig von dem Blickwinkel, von dem aus etwas geschieht. Wir sollen also das Relativitätsprinzip an die Spitze stellen, die Schwierigkeit des Bezugssystems zum Ausgangspunkt machen und die Sinnesempfindung des jeweiligen Beobachters als das ansehen, was man eigentlich wirklich nennen kann.
Dieser Leitgedanke eignet sich für alle Beziehungen, seien sie nun aus der körperlichen oder aus geistigen Perspektive her betrachtet.  
Die andere Frage, woher die Farbe glühender Körper stammt, war bereits zuvor beantwortet worden, als Max Planck die Quantentheorie für subatomare Teilchen erfand und in Berlin leise ausrief, die Welt komme portionsweise daher, sozusagen in Quanten.
Dessen kleinste Einheiten nannte er Photon des Lichts. Die Helligkeit hängt also von der Temperatur und damit von der Menge der Lichtteilchen ab. Zögerlich legten Physiker den genauen Ort mit ihren Messungen fest, als sie sich das Unteilbare, das Atommodell von Nils Bohr genauer unter die Lupe nahmen. Sie staunten nicht schlecht, dass die Natur sich selbst offenbar noch nicht festgelegt hat. Das zeigen die beiden Größen Ort und Impuls, gemessen am kleinsten messbaren Teilchen des Lichts, dem Photon. Eine Messung des Ortes bedeutet ganz einfach, dass sich ein Teilchen dort in Länge, Höhe und Breite befindet. Der Impuls ist mechanisch das Produkt aus Masse mal Geschwindigkeit. Ist der Ort des Teilchens endgültig festgelegt, hat man allerdings seinen Impuls nicht mehr zu fassen.Wenn ein Teilchen mit Lichtgeschwindigkeit heranfliegt, wird es relativ kompliziert und die Beziehung aus Masse und Energie kommt ins Spiel. Bereits die alten Griechen haben sich gewundert, dass ein fliegender Pfeil sich zu keinem Zeitpunkt an einem genau bestimmten Ort befinden könne. Denn würde er das tun, dann könne er ja nie dahinfliegen. Dieses als Unschärferelation von Werner Heisenberg eingeführte und von Erwin Schrödinger als Wellenfunktion bestätigte Naturgesetz führte zu einer dramatischen Änderung in der Betrachtung des Zufalls. Es ist ausschliesslich unser subjektiv momentanes Unwissen, das uns viele Dinge so erscheinen läßt, als wäre ein bestimmtes Ereignis rein zufällig gewesen. In Wirklichkeit gibt es dafür einen wohldefinierten Grund. 
Letztlich sind subatomare Kräfte dafür verantwortlich, dass es Atome verschiedener Elemente überhaupt gibt, dass sie stabil sind und die Elektronen nicht in den Atomkern abstürzen, sondern ihren Zustand während der permamenten Aussendung von Licht aufrechterhalten. Durch diese Quantensprünge ist Chemie erst möglich und durch die Chemie sind wir erst möglich. Alle elektromagnetischen und chemischen Vorgänge, die in unseren Körpern vor sich gehen, teilen wir uns mit den mickerigen 4%  Materie in der kalten Heimat, da draußen, im Nichts der Strahlung des Alls und seiner 96 % schwarzen Energie. Ähnlichkeiten mit den 5% Bewusstsein und 95% Anteil unbewusster Vorgänge im komplexen Kosmos des Gehirns sind rein zufällig.
Im 21. Jahrhundert wird von Physikern mit dem Gedanken gespielt, dass anstelle der beidseitigen Wechselseitigkeit von Materie und Energie andere Dimensionen übergreifend Einfluss nehmen und die Information der Urstoff des Universums ist. Wir rennen durch unsere Welt, hören hier hin, schmecken etwas, schnuppern dorthin, sehen weg oder hin und tasten uns im Dunklen weiter fort. In unserem mechanischen Weltbild ist die Wirklichkeit greifbar, riechbar, sehbar, schmeckbar und hörbar zuerst da, und die Information über diese Wirklichkeit ist etwas, was daraus entsteht, etwas daraus Abgeleitetes.
Vielleicht sei es nicht so, sondern andersherum: Alles, was wir fühlen oder daraus denken, ist die Information. Unsere Sinnesempfindungen sind die Antworten, auf die Fragen, die wir an unsere Umwelt stellen. Die Wirklichkeit ist abhängig von der Information, sie ist daraus abgeleitet und kommt danach. Teilen wir einen handfesten Gegenstand, egal ob lebendig oder nicht, in kleinste Teile, wird es unscharf und wir landen wir im Unbestimmten. Das heißt entweder Ja, wir haben den Ort, oder nein, wir haben den Ort nicht. Jede komplizierte Sache läßt sich auf solche Ja-Nein Frage reduzieren. Damit haben wir das kleinste Element an Information, das man auch mit 0 der 1 beschreiben und der Information die Einheit "bit" zuordnen kann.
Damit kann man zwar rechnen, aber Information von Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden. Dasjenige, was man wissen kann, wird der Ausgangspunkt für das, was wir dann Wirklichkeit nennen. Bis jetzt war es umgekehrt und die Welt da draußen existiert genau so, wie sie unabhängig von uns, dem Beobachter, existiert. Daraus folgt, dass die Wissenschaft ihre Erkenntnisse zwar auf physikalische und biologische Einsichten reduzieren, aber nicht das Bild der Wirklichkeit beschreiben kann. Man kann einfach nicht von außen auf die Welt blicken. Der Beobachter bleibt in seiner eigenen Perspektive eingeklemmt. Den Blick von nirgendwo können wir nicht erwischen, wir sehen immer nur Ausschnitte von dem Treiben um uns herum, das unendlich ist.

 

 

Schlägt man die Physikbücher zu, kommt der philosophische Geist wieder zu seinem Recht und nimmt Kontakt auf mit dem Sinn. Die Deutung, das Verstehen der menschlichen Welt ist von ganz anderer Art, als unser Naturverständnis. Offenbar ist ein Überblick über das Ganze ist unmöglich, weil das Ganze nicht wirklich existiert. Wir bewegen uns mit der Zeit in einer mannigfaltigen Vielfalt von Gedanken und Vorgängen. Auch in den Kategorien der Metaphysik können lebendige Wesen den Zeitpfeil nicht bleibend verändern, sondern nur regulieren oder regulieren lassen. Das heißt gewisse Prozesse so beschleunigen oder verlangsamen, bis die Vorgänge ihrer inneren Welt mit den äußeren Ereignissen aufs Feinste abgestimmt werden. Es kommt in jedem Fall auf die Perspektive an, wie der Betrachter die Dinge an sich sieht. Das ist die frohe Botschaft für die Praxis vor Ort.
Manche wünschen sich mit hochrotem Kopf das Fließgleichgewicht zurück oder ergreifen zitternd das Wort, um nach der Homöostase zu rufen. Sie ahnen, dass die unzähligen Vorgänge, die in einem Lebewesen ablaufen, nicht bloß ein gut geordnetes Nebeneinander sind, wie bei einem Wasserfall. Vielmehr stimmen Nervensysteme, Hormone und das Immunverhalten die Prozesse so aufeinander ab, dass der Organismus seine Organisation über eine gewisse Zeit hinweg ohne fremde Hilfe von außen aufrecht erhalten kann. Sobald dieses Vermögen zur Anpassung erschöpft ist, brechen alle Systeme ein, die Tür für ungebetene Gäste wird geöffnet und Störungen kommen herein, welche sich vorher nicht angemeldet haben.    

Der Prozess der Anpassung ist kompliziert als etwas zu interpretieren, das seine Einheit mit seiner Umwelt verändert. Dabei ist Umgebung das, was da draußen passiert. Die Umwelt wird drinnen verschaltet und als Wirklichkeit überall im Kopf wie auf Karten abgebildet. Droht neue Gefahr, kommt einer von rechts oder knickt man um, greift der Könner tief in den Topf der Vorerfahrungen und holt blind, aber zielsicher ein brauchbares Muster hervor. Ist keine Bahnung zu finden, entsteht eine Schreckpause. Man verhält sich primitiv und erstarrt in dieser Situation. Säuglinge, Mücken am Fenster und Schwachsinnige führen so ein Leben. Man wird etwas bleich, zuckt zusammen und erlebt sein persönliches " Ich, hier und jetzt " . Nach fest kommt meistens ab und man humpelt gespannt, bis ähnliche Programme wieder laufen und Hoffnung zurückkehrt. Es kommt also darauf an, etwas wiederzufinden, was verloren geglaubt war und daran anzuknüpfen, was unterbrochen war. 

Ohne Hoffnung ist der Geist entwichen und man wird umgehend für tot erklärt. Das Herz war jahrhundertelang das Zentralorgan des menschlichen Körpers. Sein Stillstand bedeutete das Ende der Lebenszeichen. Mit der Kunst des Beatmens im Koma kam diese Auffassung von Lebensfunktionen ins Wanken. Funktionäre der Bundesärztekammer stimmten ab, weil sie es auch nicht so genau wissen, aber Rechtssicherheit für die Organentnahme herstellen müssen. Der Ethikrat verlangt nun mehrheitlich die irreversibel erloschene Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Die weiträumig abgestorbenen Hirnzellen kann die Apparatemedizin präzise feststellen. Allerdings ist der Mensch ohne Gehirnfunktion noch kein Toter, sondern schwerstkrank, denn es gibt genug Beispiele von Weiterleben mit Herzschlag, Atmung, Temperatur und Ausscheidung.
Diese Situation ist bedeutsam,  wo der Mensch, der am Bett eines Sterbenden ausharrt, schliesslich dessen Hand losläßt und damit den Eintritt des Todes festlegt. In dieser Einheit hat kein Messinstrument, keine chemische Reaktion, kein Funktionsbild und keine Mimik solch eine konktrete Aussage, wie das Loslassen der Hand. Ein sichtbares Phänomen gibt es in dieser Situation nicht, aber es war das entscheidende Kriterium. Das unbewusste Gespür ist leibhaftig ein konkreter Sachverhalt.
Die Hoffnung stirbt also zuerst. Das restliche Fleisch zerfällt, die knöcherne Form zerbröselt zu Sternenstaub und wird reine Physik. Die Beziehung zwischen Körper und Geist bleibt erneut als unlösbares Problem zurück. Die Ethik-Kommission ist dafür nicht zuständig.

In dieser Beziehung werden Frauen wie Männer gleich behandelt, aber Frauen gehen vorher häufiger zum Arzt und leben länger. Offenbar regulieren sie die Dinge im Mittelmaß besser, d. h. sie beschleunigen weniger und verlangsamen häufiger. Altern hat offensichtlich damit zu tun, wie lange man das Gleichgewicht der inneren und äußeren Vorgänge aufrecht erhalten kann. Die Altersforscher sehen das Verhalten ererbt und sprechen von der nachlassenden Kraft der Selektion. Die Evolution kann nur solche Gene bevorzugen, die imstande sind, ihre Überlegenheit früh zu erweisen, wenn noch eine ausreichend große Anzahl von Teilnehmern zur Verfügung steht. Das ist in den energiereichen Werbejahren zur Erhaltung der Art der Fall. Je später im Leben schädliche Gene wirksam werden und das Altern beschleunigen, umso schwächer wirkt die Macht der Evolution, die schädlichen Gene aus der Population zu eliminieren. Auf diese Weise können sich Alterungsgene ansammeln. Die Evolution hat glatt übersehen, dass Menschen, wenn ihre Pflichten zur Erhaltung der Art erfüllt und die Kinder aus dem Haus sind, noch lange ihr Leben geniessen wollen. Viele träumen unverdrossen von ewiger Blüte, von starkem Kerl und glatter Göttin. Doch nach den Füllejahren wird das Leben für beide zur Aufgabe. Viele haben noch das alte Bild erinnerlicht, aber vieles reguliert sich nicht mehr von selbst wie früher und bringt alles aus dem Lot. 

Andere Altersforscher greifen zur Lupe, finden das Verhalten erworben  und zaubern ein Enzym hervor, das in den Keimzellen abgestutzte Chromosomen an den Enden wieder aufbaut. Das kann bei der erwünschten und unerwünschten Zellteilung eine lebensverlängernde Rolle spielen. Außerdem leben rastlose Menschen unter ständiger Gefahr zu rosten, weil sie unter Stress reaktive Arten von Sauerstoff  bilden oder ungepaarte Elektronen einladen, sich mit anderen Molekülen heimlich zu verbinden. Diese freien Radikale zerstören die gutgläubigen Zellen und deren Kraftwerke für die Sauerstoffenergie.  

Um die Beziehung zwischen Körper und Frau zu erklären, folgten manche nicht den sozialen Vorstellungen, sondern biologisch dem Verhalten von Graugänsen. Danach sind Frauen von Natur aus anders: Ihr begrenzter Schatz von zwanzig potentiellen Eizellen wird sorgsam von Generation zu Generation behütet. Sie investieren deshalb mit ihrem Verhalten mehr wie Mütter. Sie entwickeln danach biologisch doppelt so häufig Arthrose wie Väter. Diese Tatsache ist behördlich verbrieft und gestempelt. Demnach ist fraglich, ob das Wort Arthrose im Zusammenhang mit Abnutzung durch mechanische Überbelastung, Sport, Kraftmeierei oder andere starke Heldentaten benutzt werden kann. Leider werden Frauen häufiger psychisch krank, jedenfalls auf dem Papier. Vielleicht wissen Männer nur zu wenig von ihren mentalen Ereignissen. 
Zum dritten sind Frauen sozial teurer, weil bei Schwangerschaft, Geburt und Wechseljahren ein Arzt mehr kommt.
Aber Angst, Schmerz und Verspannungen sind in hormonellen Zyklen nicht zu fassen, denn Männer geraten definitiv nicht in die Menopause. Ihre Hitzewallungen haben andere Ursachen, welche mit ihrer unverzüglichen Verarbeitung von Stress zusammenhängen.
Wir wissen genau, woran Männer ohne schuldhaftes Zögern denken: sie sind von Frauen geboren, prägend aufgezogen und sterben ihnen früher weg. Wir wissen aber niemals, was Frauen gerade nervt: bei Stress stottert ihr Gedächtnis nicht sofort, wie bei Männern, sondern vertagt sich auf später, um mit einem Gefühl ihrer Wahl zu erscheinen. Sie tun zuerst Gutes und reden später d'rüber. Sie tragen aus, damit aus einem Ei ein anderes wird.